Sie sind fast immer unsichtbar

Wenn die Wildkatze faucht, merkt man ziemlich schnell, woher sie ihren Namen hat. Im Landkreis scheint sich dieser scheue Waldbewohner jetzt neue Lebensräume zu erobern. Archivbild: dpa
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
03.12.2014
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Wenn der Biber oder der Wolf sich ausbreiten, löst das keinen ungeteilten Beifall aus. Doch der Bund Naturschutz hat jetzt einen zwar wilden, aber doch "problemlosen Neuankömmling" im Landkreis entdeckt.

(usc) "Er staut keine Bäche, jagt keine Rehe und frisst vor allem Mäuse", beschrieb Vorsitzender Peter Zahn bei der Jahreshauptversammlung der BN-Kreisgruppe schmunzelnd die Vorzüge des fast unsichtbaren Waldbewohners. Die Rede ist von der Wildkatze. Nach Beobachtungen des BN nimmt die Zahl dieser Tiere hier langsam zu.

Laut Zahn gelang im April der sichere neue Nachweis von mindestens einer Wildkatze auf einer BN-Fläche im Pirzertal im südlichen Landkreis. Bereits bekannt sind Vorkommen im Wellucker Wald, auf den Kohlberger Höhen nördlich von Schnaittenbach und im Freihölser Forst östlich von Hiltersdorf. Da Wildkatzen sehr scheu sind, kann man sie kaum beobachten, sie werden aber auch Opfer des Straßenverkehrs. "Ihr Vorkommen im Landkreis spricht für die Qualität der Wälder mit strukturreichen, unzerschnittenen Baumflächen", meinte Zahn. Die Zersiedelung der Landschaft stelle allerdings eine Bedrohung für sie dar.

Flächenfraß ungebremst

Sorgen macht dem BN nach den Worten seines Kreisvorsitzenden der ungebremste Flächenfraß. Zahn erinnerte in diesem Zusammenhang an die Gewerbegebietsplanungen an der B 299 zwischen Amberg und Ursensollen sowie an den Autobahnausfahrten zwischen Sulzbach-Rosenberg und Amberg-Ost. Das betreffe Planungen für 270 Hektar. Dabei verfüge der Landkreis laut IHK-Standortportal SISBY über freie Gewerbeflächen von 129 Hektar. "Ein überzeugtes Gegensteuern ist nicht erkennbar", kritisierte Zahn. Das "Bündnis zum Flächensparen" verwalte nur Ankündigungen.

Wachstum als Ideologie

Zahn rief zu einem Umdenken beim Thema Wachstum auf, zur Abkehr von der Wachstumsideologie. An die Mitglieder appellierte er, die Bekämpfung der Umweltprobleme durch Verhaltensänderungen bei sich selbst einzuleiten, sei es beim Gebrauch des Autos, beim Konsum- und Ernährungsverhalten oder beim Energieverbrauch. Der BN werde sich weiter für eine nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft einsetzen. Der bisherige Anteil von 20 Prozent beim Ökolandbau sei zu steigern; bäuerliche Familienbetriebe müsse man vor der Agrarindustrie schützen. Zahn: "Mit Weltmarktpreisen ist unsere Kulturlandschaft nicht zu erhalten." Auf der anderen Seite erwartet Zahn von den örtlichen Landwirten sachgerechten Einsatz von Düngemitteln und Antibiotika.

Ein weiterer Schwerpunkt der BN-Arbeit 2015 sei die Förderung der Umweltbildung, sagte Zahn. Das Umweltbewusstsein müsse man schon bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig wecken. Daher werde man "vor Ort" Kinder- und Jugendgruppen ansprechen, Führungen organisieren und Vorträge in Schulen zur Vermittlung biologischen Allgemeinwissens halten. Zahn: "Nur wenn die Kinder es kennen, werden sie sich dafür einsetzen".
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