Silvesterkonzert in der Christuskirche
Musik zwischen Mars und Venus

Dekanatskantor Gerd Hennecke spielte nicht nur Orgel, sondern bei "Venus" auch Piano.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
01.01.2015
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In kühles Blau war die große Schmid-Weigle-Orgel beim Silvesterkonzert in der Christuskirche getaucht. Die Musik erstrahlte aber in allen Farben. Die spektakuläre Kombination aus Orgel und Percussion brachte das ehrwürdige Gotteshaus zum Kochen.

Die Orgel wird oft als die Königin der Instrumente bezeichnet, aber die Pauke ist unbestreitbar die Kaiserin des Schlagwerks. Diese beiden Herrscherinnen eröffneten den Abend mit Georg Friedrich Händels "Feuerwerksmusik". Während draußen die ersten Raketen den Himmel erleuchteten, sprühte in der Kirche die Musik Funken.

Dramatische Klänge

Nach diesem festlichen Auftakt wurde es dramatisch: Organist Gerd Hennecke und die Schlagwerker Moritz Luzner, Johannes Mühldorfer, Philipp Senft sowie Leif Wiesmeth holten mit Gustav Holsts "Mars" und "Venus" den Sternenhimmel herein. Während die Orgel die lebensfeindlichen Landschaften des "Mars" in monumentalen Klanggebirgen malte und die Percussion die Felsen und Schluchten ausgestaltete, schwelgte Senft bei "Venus" auf dem Vibraphon in fast unwirklich erscheinender Lieblichkeit, nur begleitet von verschleierten Pianoklängen. Die Planeten, die die Musik in Klängen beschrieb, konnte man als Projektionen an der Wand sehen - beeindruckend!

Silvester ist immer ein Anlass, in die Vergangenheit zurückzublicken. Gelegenheit hierzu bot "The Typewriter" von Leroy Anderson. Hier hatte die elektrische Schreibmaschine des früheren Mesners Kurt Kohl ihren großen Auftritt. Erstmals wurde auf ihr nicht geschrieben, sondern gespielt. Die eigenartige Instrumentierung mit Orgel, aber auch Rezeptionsklingel, ließ die Büroatmosphäre früherer Zeiten lebendig werden. Wie inspirierend eine Schreibmaschine sein kann, wie sie den Sekretär beflügelt und über sich hinaushebt, das zeigte Jonas Hennecke in einem Schattenspiel.

Spaß am Schlagwerk

Auch ohne Orgel machten die Schlagzeuger richtig Spaß. Siegfried Kolbes "Trommelquartett" elektrisierte die vielen Zuhörer. Wild wirbelten die Stöcke, und der Rhythmus ging sofort ins Blut. Luzner überzeugte solistisch mit Eckhard Kopetzkis "Latin Parade". Vom ersten bis zum letzten Ton steigerte er die Spannung. Alle Füße wippten bei "Unsquare Dance" von Dave Brubeck. Mühldorfer spielte das Piano, die anderen Percussionisten klatschten, spielten aber auch Cajón, Trommel und Vibraphon.

Wohl niemand zählte Sigfrid Karg-Elerts 54 Variationen über ein Thema von Händel mit. Wahrscheinlich hätten viele davon den Barockkomponisten überrascht. Hennecke reizte die Möglichkeiten seiner Orgel bis zum Letzten aus, so dass die eine Variation nüchtern und trocken klang, die nächste blumig-wuchernd oder zärtlich. Machtvolle Bässe ließen die Mauern erbeben, während der Organist bis zum bombastischen Schluss auf dem Pedal geradezu tanzte.

Bei der Ouvertüre von Gioachino Rossinis "Wilhelm Tell" konnten die vier Schlagzeuger noch einmal die ganze Vielfalt ihrer Instrumente nutzen. Zusammen mit Hennecke machten sie aus dem "Marsch" einen wilden Galopp, funkelnde Wunderkerzen, spritzigen Champagner.

Fröhlich und lebendig

Das Publikum applaudierte stürmisch, bis die Musiker als Zugabe Scott Joplins "Entertainer" spielten. Henneckes verblüffende Registratur wurde fröhlich und lebendig von Percussion akzentuiert. Mit diesem gelungenen Abschluss des großartigen Konzerts verabschiedeten die Musiker das Publikum zu ihren Silvesterpartys und in das Neue Jahr.
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