Smartphone als Nothelfer

Mit einem Bilderbuch übt die ehrenamtliche Deutschlehrerin Kathrin Birzer die Wörter für Obst und Gemüse. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
23.01.2015
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Sie fliehen vor Krieg und Gewalt. In Deutschland sind sie in Sicherheit, aber alles ist anders. Die Menschen, der Alltag und die Kultur sind ihnen fremd. Das wichtigste, um sich in einer neuen, unbekannten Welt zurechtzufinden, ist die Sprache. Deshalb organisiert "Sulzbach-Rosenberg hilft" Sprachkurse für Asylbewerber.

"Wie heißt du?" "Ich heiße Rasheed." "Woher kommst du?" "Ich komme aus Syrien" - fünf Männer saßen mit Stadträtin Yvonne Rösel im Kursraum in der Volkshochschule und übten, einander zu begrüßen. Sie wiederholten die Fragen, die sie in der Stunde zuvor gelernt hatten.

Zahlen einfacher

Die fremden Laute bereiteten ihnen Schwierigkeiten, aber sie waren mit großem Eifer bei der Sache. Angestrengt und hochkonzentriert kämpften sie sich durch die Sätze. Einfacher waren die Zahlen. Ohne Schwierigkeiten und mit guter, klarer Aussprache zählten sie und lasen auch große Zahlen vor. Rösel wollte den Asylbewerbern beibringen, wie deutsche Tätigkeitswörter funktionieren: Ich komme, du kommst, er kommt. Hier wurde deutlich, wie schwer es ist, wenn Lehrer und Schüler keine gemeinsame Sprache sprechen.

Die Asylbewerber konnten ihre Fragen nicht in Worte fassen, sondern nur ein ratloses Gesicht machen, und Rösel konnte nichts mit Worten erklären, sondern nur versuchen, den Stoff mit Händen und Füßen zu verdeutlichen, alles langsam zu wiederholen und Beispiele zu geben: "Ich komme aus Deutschland, er kommt aus Kosovo, sie kommen aus Syrien." Sehr hilfreich waren die bescheidenen Englischkenntnisse eines Teilnehmers. Ein anderer nutzte sein Smartphone, um ein Wort nachzuschlagen.

Anstrengende Stunde

Die Stunde war für die Schüler genauso anstrengend wie für ihre ehrenamtlich tätige Lehrerin, aber alle wussten, dass ihre Mühe sich lohnt. Rösels Deutschkurs ist einer von vier, die die Initiative "Sulzbach-Rosenberg hilft" für Flüchtlinge in der Herzogstadt und Umgebung anbietet. Koordiniert werden sie von Kathrin Birzer.

Die Ehrenamtliche, die in Ammerthal unterrichtet, erläuterte, dass die Kurse dazu dienen, den Asylbewerbern die ersten Schritte in Deutschland zu erleichtern. Wenn der Asylantrag positiv beschieden ist, besuchen die Flüchtlinge einen professionellen Kurs in Vollzeit. "Die Teilnehmer sind sehr lernbegierig. Sie warten darauf, dass man ihnen ganz viel beibringt", fasste Birzer ihren Eindruck zusammen.

Auch außerhalb des Kurses lernen sie sehr viel und fragen ihre Betreuer immer wieder nach den Namen der Dinge. Aber nicht nur die Asylbewerber profitieren: "Der Sprachkurs erweitert meinen Horizont", sagte die ehrenamtliche Lehrerin. Betreut werden die Flüchtlinge hier von Angelika Brandt vom Diakonischen Werk. Sie hat auch die Einteilung gemacht. Zuerst musste sie feststellen, ob die Menschen in ihrer Muttersprache lesen und schreiben können und ob sie die lateinischen Buchstaben beherrschen.

Das war schwierig, denn die Menschen aus Aserbaidschan, Äthiopien, dem Kosovo, Tschetschenien, der Ukraine, Weißrussland und natürlich vor allem Syrien sprechen hauptsächlich Arabisch oder Russisch, kein Deutsch und fast kein Englisch.

Komplette Familien

Insgesamt sind es etwa 45 Personen, darunter einige komplette Familien, überwiegend aber alleinstehende Männer. Brandt ist sehr dankbar für das große Engagement der aufnehmenden Bevölkerung. Die Deutschkurse, die es seit Mitte Dezember gibt, seien eine ganz große Hilfe.

Auch Hans Lauterbach, der Koordinator von "Sulzbach-Rosenberg hilft", ist zufrieden. Wenn jetzt weitere Flüchtlinge kommen, reichen die bestehenden Angebote aber nicht mehr. "Möchten Sie etwas wirklich Sinnvolles tun? Neue Dozenten sind uns sehr willkommen!", sagte Lauterbach.
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