So sieht Vollbeschäftigung aus

"Ich glaube nicht, dass selbst bei bester wirtschaftlicher Lage sich daran noch viel ändert", sagt die Geschäftsführerin des Jobcenters AM-AS, Sonja Schleicher.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
16.07.2015
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Die Behörde, die sie leitet, ist im öffentlichen Ansehen ganz weit unten angesiedelt. Obwohl ihr Haus für die Region eine Erfolgsbilanz vermelden kann, sagt Sonja Schleicher, Geschäftsführerin des Jobcenters AM-AS. Noch besser werde es wohl nicht mehr.

(zm) Elf Jahre gibt es inzwischen dieses behördliche Dreigestirn, das die Stadt, den Landkreis und die Agentur für Arbeit unter einem Dach vereint. Diese Konstellation ist recht selten in Deutschland. Vielleicht zehn vergleichbare Konstrukte zur Umsetzung der Regularien des Sozialgesetzbuchs II (SGB II) gebe es noch, berichtete Schleicher dem Kreistag.

Deswegen war die Geschäftsführerin auch da. Landrat Richard Reisinger (CSU) nutzte die letzte Sitzung vor der Sommerpause unter anderem dazu, dem mit den Kommunalwahlen vom März 2014 personell neu besetzten Plenum darzulegen, wo und wie der Landkreis in die Pflicht genommen wird. Seit Gerhard Schröders Agenda 2010 gehört das SGB II dazu. 2005 hat mithin das Jobcenter seine Arbeit aufgenommen, Schleicher ist seit diesem Zeitpunkt dessen Geschäftsführerin.

Wie sie nun bilanzierend berichtete, hat sich herausgestellt, dass die Anzahl der betreuten Bedarfsgemeinschaften die ausschlaggebende Kennziffer darstellt, wie es sozialpolitisch um eine Region bestellt ist. Als die Behörde, deren Telefon-Warteschleife das Haus als "SGB-II-Center" vorstellt, seine Arbeit aufnahm, fielen 4416 Bedarfsgemeinschaften (Jahresdurchschnitt) in deren Verantwortungsbereich. Mit 4545 wurde ein Jahr später der Höchststand erreicht, der aktuelle Wert beläuft sich auf 2706 für 2014.

Fast das Doppelte

Hinter einer Bedarfsgemeinschaft verbergen sich jedoch mehr Menschen. Rechnerisch das 1,7- bis 1,8-Fache. Aus 2706 Bedarfsgemeinschafts-Fällen werden so laut Schleicher 4774 Menschen, die das Gesetz je nach Lebens- oder Beschäftigungssituation in ein kompliziertes Geflecht von Leistungsberechtigten untergliedert. Die 4774 Personen ergeben deshalb 3414 Frauen, Männern, Kinder und Jugendliche, denen in unterschiedlicher Form Arbeitslosengeld II zusteht.

Dem in der Öffentlichkeit verbreiteteten Bild eines klassischen Arbeitslosen entsprechen davon 1541 Fälle, 930 sind Arbeitssuchende (auch Teilnehmer an Qualifizierungsmaßnahmen) und 858 "Nichtaktivierungskunden" (Alleinerziehende mit Kindern unter drei Jahren, Schüler über 15 Jahre). Die Jobcenter-Geschäftsführerin legte daneben anhand der Zahlen vom Dezember 2014 ausführlich dar, dass rund 57 Prozent der in Bedarfsgemeinschaften lebenden Menschen durchaus über anderweitige anrechenbare Einkommen verfügen. Dazu würden aber auch das Kindergeld und Unterhaltsleistungen zählen. 30 Prozent dieses Personenkreises seien sogar im Sinne der Gesetzgebung erwerbstätig (Teilzeit, selbstständig), aber "es reicht halt nicht".

Nicht halbe-halbe

Unter dem Strich kommt Schleicher allerdings zu einer äußerst positiven Gesamtbilanz der Entwicklung in den zurückliegenden elf Jahren. Wichtige Kennzahlen der arbeitsmarktbedingten sozialen Lage seien in Größenordnungen um die 40 Prozent gesunken. Damit dürfte "nach meiner persönlichen Prognose eine Untergrenze erreicht" sein. "Ich glaube nicht, dass selbst bei bester wirtschaftlicher Lage sich daran noch viel ändert", verwies die Jobcenter-Geschäftsführerin auf die durchschnittlich 2706 Bedarfsgemeinschaften im vergangenen Jahr. 1400 seien Amberg (aktuelle Arbeitslosenquote 5,3 Prozent) zuzurechnen, 1300 dem Landkreis (2,6 Prozent).
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