Sozialpädagoge Christian Gabler informiert bei Kreishandwerkerschaft über Projekt "Wirtschaft ...
Behinderung kann jeden treffen

Ein Schwerbehinderter ist nicht unkündbar, es kann nur länger dauern, bis das Arbeitsverhältnis beendet ist.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
01.12.2014
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"Wirtschaft inklusiv" ist ein Projekt der Bundesarbeitsgemeinschaft ambulante berufliche Rehabilitation. Es hat das Ziel, Menschen mit einer Schwerbehinderung eine berufliche Perspektive zu bieten. Auch werden den Arbeitgebern Vorteile aufgezeigt und Fördermaßnahmen angeboten, wenn sie Behinderte einstellen.

Zu ihrer Mitgliederversammlung im Haus des Handwerks hatte die Kreishandwerkerschaft den Sozialpädagogen Christian Gabler vom Beruflichen Fortbildungszentrum der Bayerischen Wirtschaft gemeinnützige GmbH (bfz) eingeladen. Der wies darauf hin: "Ein Schwerbehinderter ist nicht unkündbar, es kann nur länger dauern, bis das Arbeitsverhältnis beendet ist."

Jede Fachkraft nötig

Der Referent betonte, dass grundsätzlich alle Fachkräfte gebraucht werden, egal ob mit oder ohne Behinderung. Zwei große Arbeitsfelder habe die bfz abzuarbeiten: die Ausbildungs- sowie die Beschäftigungssituation der Menschen mit Behinderung. Zusammen mit der Gesellschaft zur Förderung der beruflichen und sozialen Integration GmbH (gfi) berate das bfz Unternehmen, aber auch mittelständische Handwerksbetriebe über Fördermaßnahmen. Als Inklusionsberater sei es seine Aufgabe, so Christian Gabler, die Personalverantwortlichen über Schwerbehinderung und spezielle Fördermöglichkeiten zu informieren.

Mangel ist abzusehen

"Den bringe ich nie mehr los", sei eine falsche Denkweise, denn der Schwerbehinderte sei durchaus in der Lage, seine Aufgabe am Arbeitsplatz zu erfüllen. Fachkräftemangel sei abzusehen durch den demografischen Wandel, geringere Nachwuchszahlen und Abwanderung der qualifizierten Arbeitnehmer zu Großbetrieben der gleichen Branche.

Gabler wies darauf hin, dass etwa jeder zehnte Arbeitnehmer in Deutschland schwerbehindert ist, viele davon hätten einen Schulabschluss, eine Ausbildung oder ein Studium absolviert. Wer einen Schwerbehinderten beschäftige oder neu einstelle, könne vielfache staatliche Fördermöglichkeiten in Anspruch nehmen.

Als Beispiel nannte Gabler ein Bauunternehmen mit 80 Mitarbeitern, das einen Arbeitnehmer beschäftige, der bereits zwei Arbeitsunfälle hinter sich habe und dem ein Behinderungsgrad von 60 Prozent zugebilligt worden sei. Der Mann habe Probleme gehabt, schwere Lasten zu heben und zu tragen. Aber mit einer Maurermaschine, einer Kombination aus Arbeitsbühne, Hebeeinrichtung und Vorrichtung für den Mörtel, die der Staat zu 80 Prozent gefördert habe, habe der Maurer wieder voll eingesetzt werden können. "Schneller als man schauen kann" habe man einen Arbeits- oder Freizeitunfall und einen Schwerbehinderungsgrad von 50 Prozent oder mehr.

Arbeitgeber wüssten über vieles Bescheid, meinte der Referent. Aber wenn es um die ihnen zustehenden Fördermöglichkeiten geht, gebe es Defizite. Die bfz und die gfi zeigten Fördermöglichkeiten auf und leiteten diese in die Wege.

1,0 keine Seltenheit

Kreishandwerksmeister Hans Weber wies auf das neue, gut 30 Millionen Euro teure Bildungszentrum in Regensburg hin. Die Schulabschlussfeiern der vergangenen Monate hätten gezeigt, dass junge Handwerker hervorragende Leistungen erbrächten, Noten von 1,0 seien keine Seltenheit.

Das Handwerk könne stolz auf diese Leistungen sein und dürfe auf diese Präsenz in der Öffentlichkeit nicht verzichten. "Das Thema Inklusion geht uns alle an", meinte Weber, denn alle Arbeitnehmer, ob ohne oder mit Behinderung, müssten die gleichen Möglichkeiten haben, einen ordentlichen Beruf auszuüben.
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