Spanner und Spinner gesucht

Der Forstwirt Herbert Mutzbauer gilt beim AELF als Spezialist für die sogenannte Bodensuche. Bild: hfz
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
02.01.2015
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Wer wissenschaftlich beobachtet, der betreibt Monitoring. Mit Bildschirmen hat das aber nichts zu tun, Forstwirte setzen dafür sogar den Spaten an, um Schädlingsinsekten auf die Schliche zu kommen.

Unbemerkt von der Bevölkerung werden im Wald lebende Insekten während des gesamten Jahres kontinuierlich mit verschiedenen Methoden überwacht (Monitoring). Aus den so gewonnenen Informationen, das teilt das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) mit, können Rückschlüsse auf die Größe der Populationen und deren Entwicklungs-, sprich Gefährdungspotenzial gezogen werden, um bei Bedarf rechtzeitig Abwehrmaßnahmen einzuleiten.

Alle Jahre wieder startet deshalb nach den ersten Frösten im November die sogenannte Winterbodensuche nach Kieferninsekten. Organisiert wird das von der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft in Freising, in die Abwicklung ist auch das hiesige AELF eingebunden. Besonders anfällig für zum Teil erhebliche Kalamitäten der Kiefernschadinsekten sind ausgedehnte Reinbestände dieses Nadelbaumes mit mittlerer bis geringer Wuchskraft. Im Landkreis gibt es recht viele davon.

Große Auswahl

Gesucht wird im Waldboden vor allem nach den Puppen, Raupen und Kokons von Schmetterlingen wie der Kieferneule, dem Kiefern- und Heidelbeerspanner sowie der Kiefernbuschhornblattwespe. Die Kieferneule, auch Forleule genannt, ist einer der Hauptschädlinge für diese Bäume. Sie kann sich binnen zweier Jahre so rasant vermehren, dass von den Raupen ganze Wälder kahl gefressen werden. Beim Kiefernspanner und der Kiefernbuschhornblattwespe kommt es dagegen meist nur zu Zuwachsverlusten an den Bäumen. Nur ein mehrmaliger Kahlfraß kann hier zum Absterben der Bestände führen.

Ab zum Landesamt

Für die hiesige Region hat sich der Forstwirt Herbert Mutzbauer vom AELF durch zehn Kiefernbestände im Landkreis gegraben. In je sechs Suchflächen galt sein Interesse den Puppen der Kieferneule und -spanner, der Raupe des Kiefernspinners, sowie den Kokons der Kiefernbuschhornblattwespe. Gefundene Exemplare werden gesammelt, mit Moos bedeckt und in Pappschachteln aufbewahrt. Kühl gehalten, müssen spätestens Mitte Februar die Funde der Freisinger Landesanstalt zugesandt werden. Dort wird dann das Geheimnis der Puppen, Raupen und Kokons mit Blick durch das Mikroskop gelüftet. Auf dem Labortisch stellt sich dann die Frage: Wer bist du? Bist du Junge oder Mädchen? Wie steht's mit dem Gesundheitszustand, der Schlüpfbereitschaft, dem parasitären Potenzial?.

Als Verfahren bewährt

Werden zahlenmäßig Warnschwellen erreicht oder überschritten, informiert die Landesanstalt die betroffenen Ämter oder Forstbetriebe. Es ist dann eine Nachsuche an den gleichen Plätzen erforderlich, um festzustellen, ob weitere Prognoseschritte ergriffen werden müssen. Glücklicherweise fand seit 20 Jahren keine Massenvermehrung von Kiefernschädlingen statt, so dass in dieser Zeit auf eine Bekämpfung verzichtet werden konnte, konstatiert bisher das AELF. Die Winterbodensuche gilt als das wohl älteste und bewährteste Verfahren zur Überwachung der in der Bodendecke überwinternden Insektenstadien von Kiefernschädlingen. Allerdings ist dieses Suchverfahren sehr arbeitsaufwendig.

Forstwirtschaftler denken in recht ausgedehnten Zeiträumen. Den Kiefernschädlingsbefall beobachten sie seit rund 200 Jahren. Oft war die Oberpfalz recht hart davon betroffen. Dieser Trend ist jedoch rückläufig.
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