Städtischer Kulturpreisträger Oswald Heimbucher feiert 90. Geburtstag - Jetzt Bewohner des ...
Ein erfülltes Leben für Musik und Kultur

Oswald Heimbucher mit Tochter, Enkelin und Heimleiter Dr. Stephan Abt vor dem Sigmund-Faber-Heim in Hersbruck. Bild: hfz
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
26.09.2014
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Oswald Heimbucher, Gründer der städtischen Sing- und Musikschule, Mitbegründer des Literaturarchivs und ehemaliger Stadtrat, feiert heute bei guter Gesundheit im Kreise der Familie und langjähriger Weggefährten seinen 90. Geburtstag.

Sein bewegtes Leben begann am 27. September 1924 in Regensburg, wo er mit zwei Brüdern aufgewachsen ist. Wie für viele Menschen seiner Generation war der 2. Weltkrieg einschneidend und prägend für sein weiteres Leben. "Ich war ein schlechter Soldat," bekennt Oswald Heimbucher, dessen Interesse von Jugend an der Literatur und klassischen Musik galt.

Freunde in Italien

Ein gütiges Schicksal bewahrte ihn vor dem drohenden Einsatz beim Russlandfeldzug und verschlug ihn 1943 als Funker ins italienische Friaul. Dort hatte er das Glück, Freunde zu finden, die seine Liebe zur Musik teilten und mit denen er Streichquartett spielen konnte. Es rührt an, dass diese Kontakte Jahrzehnte später wieder aufgefrischt wurden und er seine alten Freunde in Italien in den letzten Jahren mehrfach besuchen konnte.

Nach Kriegsende geriet Heimbucher in harte jugoslawische Kriegsgefangenschaft, aus der ihm im Oktober 1945 eine waghalsige, mehrwöchige abenteuerliche Flucht über Ungarn und Österreich gelang. Drei Tage vor Weihnachten 1945 stand der Vermisste vor der Behelfswohnung seiner ausgebombten Familie, die vor Freude überwältigt war.

"Die gelungene Flucht war ein Wunder, für das ich heute noch zutiefst dankbar bin. Meine Mitgefangenen sind erst drei Jahre später heimgekehrt," erinnert sich der Jubilar. In den Nachkriegsjahren absolvierte er in Regensburg eine Ausbildung als Lehrer, unterrichtete dann an der Merzschule in Stuttgart und schloss dort 1948 mit Brigitte Schraube die Ehe, aus der vier Kinder, acht Enkel- und drei Urenkelkinder hervorgingen.

Weitere berufliche Stationen waren die Dorfschule Etzelwang, die Schlösslschule Rosenberg und die Realschulen in Sulzbach-Rosenberg und Riedenburg, wo er als Konrektor Musik und Deutsch lehrte. Diese Jahrzehnte waren auch geprägt vom intensiven ehrenamtlichen, kulturellen und politischen Engagement. Als Leiter der Singgemeinschaft und des Kammerorchesters der Städtischen Sing- und Musikschule führte er unzählige Konzerte auch mit namhaften Solisten auf, wie z.B. dem weltberühmten Trompeter Adolf Scherbaum. Von den legendären Konzertreisen nach Frankreich und den deutsch-französischen Musikwochen unter seiner Ägide schwärmen Teilnehmer noch heute. Politisch geprägt von der Ära Brandt, engagierte er sich als SPD-Stadtrat für Völkerverständigung und Aussöhnung mit den früheren "Erzfeinden". 1981 verlieh ihm die Stadt für seine Verdienste ihren Kulturpreis.

Ruhestand in Traunstein

Im Ruhestand zog Oswald Heimbucher nach Traunstein um, wo seine Frau Brigitte, die ihn auf allen Lebensstationen begleitet und unterstützt hatte, letztes Jahr nach fast 65-jähriger Ehe verstarb. Die Einsamkeit setzte ihm zu, so erwies sich der Entschluss, ins Sigmund-Faber-Heim nach Hersbruck in die Nähe seiner Tochter zu ziehen, als goldrichtig.

Heimleiter Dr. Stephan Abt teilt seine musischen Interessen, der Jubilar nimmt dort kulturelle Angebote wahr, singt im Chor und wirkt im Poesiekreis. Die SRZ schließt sich den Glückwünschen an ihren jahrelangen Weggefährten gerne an!
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