Starke und Schwache

Dekanatsfrauenbeauftragte Gabi Müller (links) dankte Referentin Nadia Bennewitz (rechts) für ihren spannenden Vortrag. Bild: gac
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
19.11.2014
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An dem Thema "Frauen im Nationalsozialismus - zwischen Widerstand und Täterschaft" scheiden sich die Geister. Gabi Müller, Frauenbeauftragte des Dekanats, berichtete, dass es zwei Reaktionen gab: "Toll, ein sehr interessantes Thema!", und "Lass' die alten Geschichten ruhen!"

Der Gemeinderaum im Haus der Kirche und Diakonie war randvoll mit Männern und Frauen, die die alten Geschichten nicht ruhen lassen wollten.

Historikerin Nadia Bennewitz erläuterte, dass es kaum schriftliche Unterlagen über den Widerstand von Frauen gegen den Nationalsozialismus gibt. Einerseits musste jeder organisierte Widerstand geheim und möglichst ohne verräterische Unterlagen erfolgen. Andererseits trauten die Behörden Frauen organisierten Widerstand oft nicht zu, so dass sie selbst nach Verhaftungen den wahren Umfang ihrer Tätigkeit erfolgreich verschleiern konnten.

Berührende Interviews

Dadurch ist man in diesem Bereich besonders auf Zeitzeugen angewiesen. Und Bennewitz spielte dem Publikum einige sehr berührende Interviews vor, die sie selbst mit jüdischen und nichtjüdischen Frauen geführt hat. Jüdische Frauen wurden durch den zunehmenden Druck der Verfolgung nicht nur zu Opfern, sie wurden auch geradezu gezwungen, sich gegen Übergriffe von Gestapo, SS und Zivilbehörden zur Wehr zu setzen.

Dies gelang in Einzelfällen durch Hartnäckigkeit, Unerschrockenheit und nichtjüdische Helferinnen, die beispielsweise gefälschte Ausweise und Lebensmittelkarten sowie Unterkünfte für bedrohte Menschen organisierten. Insbesondere in den Gemeinden der "Bekennenden Kirche" bildeten sich kleine Unterstützergruppen.

Bennewitz konnte auch die Schicksale einzelner KZ-Insassinnen beschreiben, die zur Zwangsarbeit nach Deutschland geholt wurden. Allein das KZ Flossenbürg hatte 30 Außenlager nur für Frauen, auch eins in Nürnberg, wo die Frauen in der Produktion von Bomben eingesetzt wurden. Hier gab es unter den Lohnarbeiterinnen Frauen, die aus Mitleid den Gefangenen Nahrungsmittel und Kinderspielzeug zusteckten oder sogar Sabotageakte verübten.

Auf der anderen Seite stand das Wachpersonal der Frauen-KZ. Die Aufseherinnen waren Angestellte, keine Mitglieder der SS. Insbesondere in den späteren Kriegsjahren wurden Frauen auch zum Wachpersonal verpflichtet. Es gibt viele Berichte über Machtmissbrauch und Misshandlungen durch Aufseherinnen.

Schwere Prügel

Ein ständiges Problem war der Nahrungsmangel, der dazu führte, dass hungernde Gefangene Nahrungsmittel versteckten oder stahlen. Dies wurde meist mit schweren Prügeln geahndet. In den Verhören, die die US-Armee nach dem Krieg führte, gaben viele Aufseherinnen an, dass ihnen die Arbeit Freude gemacht habe. Dies zeigt, so Bennewitz, dass Frauen keineswegs friedfertigere oder bessere Menschen seien, sondern den Versuchungen der Macht ebenso erliegen wie Männer.
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