Stefan-Grasse-Trio brilliert im Seidel-Saal
"Alle Jahre wieder" in der Karibik

Gitarrist Stefan Grasse, Kontrabassist Alexander Fuchs und Bettina Ostermeier, Klarinette und Akkordeon (von links) kamen bestens an. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
23.12.2014
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Draußen fiel kalter Regen. Schnee hätte, auch bei eisigen Temperaturen, Weihnachtsstimmung gezaubert, aber so war es einfach ungemütlich. Das Stefan-Grasse-Trio bot jedoch das ideale Kontrastprogramm. Die Musik zauberte Sonne in den Saal und in die Herzen. Gitarrist Grasse, Kontrabassist Alexander Fuchs und die vielseitige Bettina Ostermeier, Klarinette und Akkordeon, verpackten Weihnachtslieder in neues Gewand. Damit brachen sie aus der behäbigen Gemütlichkeit aus und öffneten Perspektiven. Der Humor, die Ausgelassenheit der Stücke und auch der Musiker weckte die Vorfreude auf Weihnachten.

Tannenbaum und Palme

Da verblüffte "Leise rieselt der Schnee" im 7/8-Takt, der eher bunte Blütenblätter als Schneeflocken wirbeln ließ. Auch die Version von "Schneeflöckchen, Weißröckchen" hatte nichts vom braven Kinderlied. Die weiße Pracht führte einen karibisch-wilden Tanz auf und verspottete verstaubte Besinnlichkeit. Wer bisher noch nicht wusste, wie eng die Tanne mit der Palme verwandt ist, konnte es hier erfahren: Im 5/4-Takt zeigte "O Tannenbaum" neue, ungeahnte Seiten - pardon, Saiten. Bassist Fuchs zauberte ein atemberaubendes Solo, Grasse streichelte, neckte, provozierte seine Gitarre, dass die Töne nur so spritzten. Ostermeier ergänzte mit subtilem Spiel.

Lustvoll sang ihr Akkordeon, auf der Klarinette überzeugte die Musikerin mit besonders schönem Ton. Der kam bei "Alle Jahre wieder" gut zur Geltung. Hier spielte Ostermeier die schlichte Melodie, seit Kindertagen vertraut, während Gitarre und Bass exotischen Bembé-Rhythmus darunterlegten. So malten sie um die Krippe eine bunte karibische Landschaft. Aber auch Werke von Komponisten wie Johann Sebastian Bach und Johann Pachelbel entgingen Stefan Grasses sprudelnder Phantasie nicht. Diese Werke legten ihren steifen Rock ab, tanzten keck und leichtfüßig zwischen Ananas, Mango und Papaya. Die Musiker präsentierten alles souverän mit Augenzwinkern.

Das Publikum forderte mit stürmischem Applaus eine Zugabe. Das fetzige "Feliz Navidad" hatte wenig Ähnlichkeit mit dem Heuler auf den Weihnachtmärkten, und auch "Stille Nacht" war überaus munter.
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