Stein gewordenes Leid

Am Fuße des Obelisken im Kümmersbrucker Friedhof zeigt ein Flachrelief das Gefangenenlager aus der Vogelperspektive. Es ist das einzige öffentlich sichtbare Zeugnis für die Existenz des Lagers. Bild: Steinbacher
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
15.11.2014
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Amberg war weit weg vom Ersten Weltkrieg - wenn man darunter nur Kampfhandlungen versteht. Doch in Form von Leid, von Trauer um die Gefallenen erreichte der Krieg die Region sehr wohl. Später wurden daraus Denkmäler. Einige haben eine überraschende Geschichte.

Die älteste Spur des Krieges hier geht zurück auf das Jahr 1916. Sie erinnert nicht an deutsche Soldaten, sondern an französische, russische und italienische Kriegsgefangene sowie an "Greise, Frauen und Kinder, die weit von den Ihren den letzten Schlaf schlummern". Alle diese Menschen starben ab 1914 im Kümmersbrucker Kriegsgefangenenlager "Franzosenäcker".

Anfangs waren hier auch Zivilisten aus den in Frankreich eroberten Landstrichen untergebracht. Diejenigen, die in Kümmersbruck starben ("Greise, Frauen und Kinder"), schlossen die französischen Kriegsgefangenen in ihr Gedenken ein, als sie Ende 1915 mit Genehmigung der Militärbehörden ein Denkmal für ihre auf dem Kümmersbrucker Friedhof begrabenen Landsleute in Angriff nahmen. Es wurde schließlich ein wuchtiger Obelisk aus weißem Sandstein, der die Namen von rund 60 Franzosen, 15 Russen und acht Italienern trägt. Nur die Gebeine der russischen Gefangenen sind aber tatsächlich noch dort, die Leichen der Franzosen und der Italiener wurden nach 1918 in die Heimat geholt.

Das Rosenberger Kriegerdenkmal ist nach Gestalt und Standort ein Kind der Maxhütte. MH-Direktor Böhringer setzte durch, dass es auf dem Schlossberg entstand, obwohl das Landesamt für Denkmalpflege dagegen war, die Burgruine zu verbauen. Der Einweihung 1929 blieben republikanisch gesinnte Vereine fern, weil dabei nicht die schwarz-rot-goldene Flagge gehisst wurde, sondern nur die alte Reichsflagge (schwarz-weiß-rot).

In Amberg gibt es sogar einen eigenen Soldatenfriedhof. Er wurde in der Garnisonsstadt bereits um 1900 geplant und war zunächst näher bei der Kirche St. Katharina. Die Gefallenen wurden dann aber in eine Abteilung an der nördlichen Friedhofsmauer umgebettet. Lange Zeit kümmerte sich niemand so recht um die Gräber, sie verkamen. Bis 2006 zwei Frauen aus Niedersachsen dort das Grab ihres Vaters suchten. "Das ist der hässlichste Soldatenfriedhof, den wir je gesehen haben", sagten sie zu dem Amberger Sepp Adamiok, der sie hingefahren hatte.

Der ehemalige Soldat fühlte sich dadurch an der Ehre gepackt. Er organisierte eine Sammlung, steuerte eigenes Geld bei und brachte die Anlage mit Hilfe von Freunden, der Militärkameradschaft und des Logistikbataillons 472 wieder auf Vordermann. Noch heute hält die "Generation 70 und 80 plus", wie Adamiok sagt, die Gräber in Schuss. Seine Hoffnung wäre aber, dass sich mal eine Schulklasse für eine Patenschaft gewinnen lässt.
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