Sterben von Bäckereien gestoppt

Die FDP/FWS zu Gast beim Fischer Bäck: Innungs-Obermeister Wolfgang Fischer (Dritter von rechts) zeigt 3. Bürgermeister Hans-Jürgen Reitzenstein (Zweiter von rechts), Kreisrat Dr. Martin Pöllath (Zweiter von links) und Stadtrat Karl-Heinz Kreiner (Vierter von rechts) seine Rosenberger Backstube. Bild: gac
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
09.12.2015
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In weniger als 30 Sekunden hat ein versierter Einbrecher ein ungesichertes Fenster geöffnet. Wie man sich dagegen schützt, erfuhren die Stadt- und Kreisräte von FWS und FDP bei einem Besuch in der für Einbruchsicherung polizeilich zertifizierten Schreinerei Rösch in Rosenberg.

Der Betrieb liegt mitten im Dorf - früher ein großer Vorteil, heutzutage eher problematisch, wie die Politiker erfuhren. Nicht alle Lkw können die steile und schmale Rampe zum Holzlager bewältigen, und eine Strecke müssen sie stets rückwärts zurücklegen.

Bogenpresse einzigartig

Drinnen stehen moderne Holzbearbeitungsmaschinen, aber auch ein paar alte: Die Bogenpresse, in der Holz unter Druck, Hitze und Feuchtigkeit gebogen werden kann, hat zwar schon Jahrzehnte auf dem Buckel, ist im Landkreis aber einzigartig: "Wenn ein Kollege so etwas braucht, muss er zu uns kommen", sagte Schreinermeister Christian Weiß, der die Führung übernommen hatte.

Auch im Beschlägelager im Obergeschoss finden sich haufenweise "alte Schätzchen". So kann die Firma Rösch ältere Fenster reparieren, die sonst im Bauschutt landen würden. "Das ist ein Service, den eine Fensterfabrik nicht bieten kann. Da spart der Kunde Geld, wenn er zum Handwerksbetrieb geht", stellte Weiß klar. Auch ein ungesichertes Fenster, dessen Aufbruch Weiß den Besuchern vorführte, muss nicht unbedingt ausgetauscht werden. Wenn das Fenster ansonsten in Ordnung sei, könne man die Einbruchsicherheit durch Austausch der Beschläge deutlich erhöhen. Das koste nur halb so viel wie ein neues Fenster, rechnete Weiß vor.

Viele Ursachen

Im Anschluss gingen die Mitglieder von FDP und FWS gegenüber zum Fischer Bäck. Wolfgang Fischer, Obermeister der Innung Sulzbach-Rosenberg. Er führte durch die kleine Backstube: "Ich freue mich, dass ich euch einmal eine handwerkliche Bäckerei zeigen kann", sagte er, "das gibt es ja heute immer weniger." Das deutschlandweite Bäckereisterben habe viele Ursachen, berichtete er. Immer mehr Menschen würden die Backshops in den Supermärkten nutzen. Allerdings gebe es auch immer weniger junge Leute, die bereit seien, um zwei Uhr morgens mit der Arbeit anzufangen.

Früher, zur besten Zeit der Maxhütte, seien die Arbeiter morgens vor 6 Uhr gekommen, um sich ihre Brotzeit zu holen - bis auf die Straße hätten sie damals angestanden. Auch Feste und Supermärkte habe man beliefert. Heute wollten Festwirte oft nur noch an Sonn- und Feiertagen Produkte vom Bäcker - dann, wenn die Supermärkte geschlossen sind.

Zu alten Rezepturen

Heute könne eine kleine Bäckerei nur durch spezielle Produkte und außergewöhnliche Qualität bestehen: "Wir gehen zu alten Rezepturen mit Vorteig zurück und arbeiten mit weichen Teigen, die sich in Backstraßen nicht verarbeiten lassen", erklärte Fischer den Besuchern.

Nachfolger gefunden

Im Bereich der Innung Sulzbach-Rosenberg scheint das Bäckereisterben übrigens gestoppt: Die zwei Betriebe, die in den nächsten Monaten aufgeben wollten, hätten beide einen Nachfolger gefunden, berichtete der Obermeister. Auch wenn die Bürokratie für kleine Betriebe einen unverhältnismäßigen Aufwand bedeute, habe das Handwerk Zukunft. Von der Qualität handwerklicher Bäckereiprodukte konnten sich die Politiker bei einer Brotzeit überzeugen.
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