Sternstunde auf Jiddisch

Humor in jeder Lebenslage: Schriftsteller Thomas Meyer kam nicht nur mit seinem Romanhelden Motti Wolkenbruch bestens an beim Publikum im Literaturhaus Oberpfalz. Bild: aks
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
06.12.2014
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Anders als sein Romanheld Motti Wolkenbruch macht der Schriftsteller Thomas Meyer nicht den Eindruck, "lustlos in seinem Wortschatz zu kramen". In seinem sprachlichen Kosmos vermengen sich stattdessen verbale Präzision, blitzender Humor und exakt getaktete Pointen zur Kunst.

Auf Einladung der Buchhandlung Volkert bereitete der Autor dem Publikum im Literaturhaus Oberpfalz eine Lesungs-Sternstunde. Die Leidenschaft für Sprache und ihre korrekte Handhabung hat der Schweizer Thomas Meyer nach eigener Darstellung schon früh entdeckt. Als Fünfjähriger gerade so des Schreibens mächtig, übermittelte er seine Sicht der elterlichen Kontroversen schriftlich: "Papi, du bis es Arschloch".

Ohne Pedanterie

Die dabei erlangte Erkenntnis, "mit klar formulierten Botschaften einiges erreichen zu können", verließ den späteren Werbetexter und Reporter nicht mehr. Das Filmchen, das auf die Lesung aus "Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse" einstimmte, demonstrierte Meyers verfeinerte Fertigkeit, grammatikalische Genauigkeit auf humorige Art von der Pedanterie zu lösen.

Den vorläufigen Gipfel markiert aber der vorgestellte Roman, dessen Titel die Handlung eigentlich schon beschreibt. Zwischen den Buchdeckeln findet sich jedoch viel mehr als "nur" der Ausbruch des 25-jährigen Motti Wolkenbruch aus der Umklammerung seiner jüdisch-orthodoxen Traditionswelt in Zürich.

Klare Botschaften

Jiddisch wird dabei nicht nur eingestreut, sondern ist die Erzählsprache. Gekonnt vorgetragen von Meyer, der sich für den Roman intensiv an diese "Schatztruhe an Wörtern" angenähert hat, fallen die ungewohnten Klangfarben kaum ins Gewicht, bei der eigenen Lektüre helfen Glossar und lautes Lesen.

Insbesondere die Möglichkeit, an sich Vulgäres über das Jiddische "putzig und niedlich" klingen zu lassen, faszinierte den Freund klarer Botschaften, der bei Mottis Suche nach einem eigenen Leben und einer dazu passenden Frau davon ausgiebig Gebrauch machte.

Ob der von mütterlicher Überfürsorge geplagte Heiratskandidat Wolkenbruch am Ende auf eigenen Füßen sein Glück findet, ließ Meyer offen. Manche Fragen des Publikums auch, gab er doch seinem mittlerweile großen Erfahrungsschatz den Vorzug und beantwortete die drei häufigsten Fragen gleich selbst: Ja, er sei Jude. Nein, der Roman sei nicht autobiografisch und in der orthodoxen Gemeinde in Zürich habe nach Bekunden eines Mitglieds "offiziell niemand das Buch gelesen".

Hintersinniger Humor

Zum Trost verpflasterte Meyer seine Zuhörer noch mit einer kurzen Rausschmeißer-Geschichte. Darin beschrieb der Autor als bekennender Fan von Polizei und ihren blinkenden Utensilien, die - natürlich - unerlaubte Blaulichtfahrt, um die werdende Mutter seines Sohnes flott und unbehindert zur Entbindung ins Spital zu chauffieren.

Auch dieses Kapitel leuchtete nicht nur mit Frontblitzern, sondern mindestens genauso hell im hintersinnigen Humor des Schriftstellers. Da wundert es wenig, dass Thomas Meyer auch noch durch andere Ausflüge in die an sich humorfreie Zone der Schweizer Obrigkeit für Furore sorgte. Sein mit dem Wappen Zürichs und dem Fantasie-Zusatz "Amt für Ironie" verziertes Auto fand man dort allerdings nicht besonders komisch.
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