Streit um Hengst endet mit Hieben

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
07.08.2015
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Stallmut, koppen, Paddock, legen lassen? Wer bei diesen Wörtern die Bedeutung erfragen muss, hat eindeutig zu wenig Ahnung von Pferden. Das gaben Richterin und Staatsanwalt auch unumwunden in einer Verhandlungspause zu. Von Körperverletzungen verstanden beide auch ohne Nachfrage viel.

Bei Richterin Julia Taubmann hatte sich am Mittwoch ein 40-Jähriger aus dem nördlichen Landkreis wegen Pfandkehr und gefährlicher Körperverletzung mit Beleidigung zu verantworten. Ersteres wurde eingestellt, für Zweiteres lautete das Urteil 60 Tagessätze à 50 Euro.

Der stolze Besitzer eines schwarzen Hengstes wechselte im Mai vergangenen Jahres den Stall und stellte seinen Vierbeiner in den vereinseigenen eines Reitclubs aus dem Landkreis. Für 260 Euro im Monat, so seine Aussage, sollte das Pferd monatlich gefüttert, gepflegt und bewegt werden. Außerdem sei eine Zusatzvereinbarung getroffen worden. Er sollte einen sicheren Paddock, eine Einzäunung, für das Tier bauen. Im Falle einer Kündigung komme derjenige für die Kosten der Umzäunung auf, der gekündigt habe - so lautete nach Angaben des Angeklagten die mündliche Zusatzvereinbarung. Tatsächlich seien später 280 Euro abgebucht worden, im Vertrag standen auch noch 300 Euro. "Ich habe dann gesagt, dass sie das ändern sollen."

Hengst kastrieren?

So weit kam es nicht. Nach wenigen Tagen sei im Stall klar gewesen: Dieses Pferd lasse sich nicht so leicht führen, wie vom Besitzer versprochen, so der Vorsitzende des Reitclubs im Zeugenstand. "Die Vorstandsmitglieder machten auf mich Druck, ich soll ihn kastrieren lassen", sagte der Angeklagte, "aber das war überhaupt nicht vereinbart".

Ende November wurde schließlich die Kündigung vonseiten des Vereins ausgesprochen. Laut Reitclub-Vorsitzendem sei mit dem Pferd keiner mehr zurecht gekommen. Der Besitzer habe sich zudem nicht wie vereinbart gekümmert. "Die Kündigung wollte ich aber nicht akzeptieren", so der 40-Jährige. Er habe dieser schriftlich widersprochen, mit dem Zusatz, dass das Geld für die Boxmiete weiterhin eingezogen werden könne. Dies sei aber nicht passiert. Ende Februar erreichte den Angeklagten ein Schreiben eines Anwalts, den sich der Reitclub zwischenzeitlich genommen hatte. Der Verein forderte sein Pfandrecht für die nicht bezahlte Miete ein. Als der Hengst-Besitzer erfuhr, dass die Boxentür seines Pferdes mit einer Kette gesichert worden sei, wollte er handeln. "Wenn was passiert wäre, wäre keiner zum Pferd reingekommen", sagte der Angeklagte. Er knackte das Schloss, organisierte einen Hänger und brachte das Pferd weg.

Am nächsten Tag habe er Besuch auf seinem Hof bekommen. Einem Wortgefecht folgte ein Handgemenge. Hier gingen die Schilderungen auseinander. Während Vorsitzender und Kassiererin behaupteten, dass sie lediglich den Stallschlüssel holen wollten und schließlich vom Angeklagten mehrmals geschlagen sowie als Tierquäler und Nazischwein bezeichnet worden seien, war die Version des Angeklagten und seines Vaters im Zeugenstand eine andere. Er sei attackiert worden, so der 40-Jährige.

Die Prellungen ließ er sich attestieren. Diese könnten durchaus auch bei der Abwehr entstanden sein, räumte der Zeuge aber bei seiner Vernehmung ein. Er hatte seinerseits seine Verletzungen bei der Polizei fotografieren lassen und Anzeige erstattet. Noch während des Verfahrens wurde die auf Pfandkehr lautende Anklage eingestellt. Staatsanwalt Jan Prokoph plädierte in Bezug auf die Körperverletzung mit Beleidigung auf 70 Tagessätze à 50 Euro.

"Kleine Rauferei"

Rechtsanwalt Dr. Günther Schatz bezeichnete den Vorfall als "kleine Rauferei" und wollte den Angeklagten von jeglicher Schuld befreit wissen. "Dem Angeklagten war die Konfrontation auf seinem Hof zu viel", sagte Richterin Taubmann. Sie ließ in der Urteilsbegründung keinen Zweifel daran, dass er den Geschädigten "massiv mit Händen und Füßen" geschlagen und getreten habe.
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