Streit wäre eine Katastrophe

Ganz sind die Spuren der Altlandkreise nicht verwischt - über das Altkennzeichen hinaus.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
27.12.2014
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Auf Landkreisebene war die Kommunalwahl an sich langweilig. 77 Prozent bekam der amtierende Landrat. Aber gleich danach schepperte es bei der SPD-Kreistagsfraktion gewaltig - ohne dass die anderen Parteien Schadenfreude verspürt hätten, sagt Landrat Richard Reisinger.

Eigentlich sei die ganze Wahl relativ friedlich abgelaufen, sagt Reisinger im AZ-Jahresgespräch. Und danach habe sich alles recht schnell wieder auf eine konstruktive Zusammenarbeit eingependelt, ohne große Reibungsverluste bei der politischen Arbeit des Kreistags. Da seien ja immer noch "viele politische Alpha-Tiere aus der alten Periode" drin. Die Bürgermeister meint Reisinger damit in erster Linie - für ihn schon von Amts wegen "Gewährsträger für eine überparteiliche Zusammenarbeit", vielfach verbunden durch interkommunale Kooperationen und Netzwerke, die der Parteipolitik keinen Platz lassen.

Bloß der Streit innerhalb der SPD passt nicht so recht ins Bild von der einträchtigen Kreispolitik. Da verabschiedete sich Richard Gaßner (Kümmersbruck) mit der Wahl als stellvertretender Landrat und die Kampfabstimmung um seine Nachfolge gewann innerhalb der SPD Brigitte Bachmann (Birgland) knapp gegen Fraktionssprecher Josef Flierl (Kümmersbruck). Der trat deshalb aus der Fraktion aus und ging als Einzelner eine Fraktionsgemeinschaft mit der FWS/FDP ein. Sein Nachfolger im Sprecheramt wurde Winfried Franz (Neukirchen).

"Zu viele innerparteiliche Bewerber um zu wenige Posten", kommentiert Reisinger lakonisch, was sich da in der SPD abgespielt hat. Das sei aber kein neues Phänomen, sondern eines, das in allen Gruppierungen regelmäßig zu Enttäuschungen und Unzufriedenheit führe. Und weil das alle anderen Parteien auch schon erlebt hätten, habe keine Schadenfreude über die heftige Auseinandersetzung unter den Sozialdemokraten gezeigt.

Inzwischen, so Reisingers Eindruck, sind "die größten Wunden geheilt". Die Zusammenarbeit mit den neuen Köpfen in der SPD erlebe er als "kontinuierlich angenehm und gut". Spannend werde es aber wohl wieder vor den nächsten Wahlen, wenn die Partei Kandidaten für Ämter finden müsse. Etwas überraschend hat der interne Machtkampf in der SPD mit der Betonung der Frontstellung zwischen westlichem und südlichem Landkreis aber einen Umstand ans Tageslicht gebracht, den Reisinger mit einem Schmunzeln konstatiert: "Ganz sind die Spuren der Altlandkreise nicht verwischt - über das Altkennzeichen hinaus."

Dem Landrat ist es natürlich ein Anliegen, auch in dieser Wahlperiode keine Gräben im Kreistag aufreißen zu lassen, "denn das würde uns insgesamt als Landkreis im Standortwettbewerb unnötig schwächen".

Und noch einen wichtigen neuen Partner in der täglichen Arbeit hat die Wahl für Richard Reisinger gebracht: den Amberger OB Michael Cerny. Zwei- bis dreimal die Woche treffe man sich schon von Amts wegen, sagt Reisinger. "Wenn wir da keine gute Zusammenarbeit hätten, das wäre ein Katastrophe für die Region." Nein, mit Michael Cerny sei die Zusammenarbeit "sehr freundschaftlich - wir kennen uns ja nicht erst seit dem 1. Mai -, zielführend, verbindlich und gegenseitig wohlwollend".

Das Bild von Friede, Freude, Eierkuchen will Reisinger damit allerdings nicht malen. Natürlich vertrete man hier und da unterschiedliche Positionen, "aber das gehört auch zu einem ehrlichen Verhältnis, dass man die jeweiligen Befindlichkeiten ernst nimmt und nicht darüber hinweglächelt".

Gegenüber den höheren politischen Ebenen müssen sich Amberg und der Landkreis Schulter an Schulter positionieren, findet Reisinger, "vor allem Richtung München, und das tun wir". Und nicht erst jetzt. Auch mit Cernys Vorgänger Wolfgang Dandorfer habe er sehr gerne zusammengearbeitet, sagt Reisinger. "Von ihm durfte ich einiges lernen."

Mit Michael Cerny verbinde ihn das gleiche Alter und der "wohl schon allein deswegen ähnliche Sozialisationshintergrund". Der Umgang mit Smartphone und Tablet dient ihm hier als Beispiel, wo er mit Cerny eher auf einer Wellenlänge liege als mit Dandorfer.

Amberg und der Landkreis seien mittlerweile in so vielen Bereichen miteinander verbandelt - im Bündnis für Migration, im Inklusionsbündnis, das Anfang 2015 folge, bei der Leader-Förderung ... - , "dass wir schon, und das meine ich positiv, Gefahr laufen, zu siamesischen Zwillingen zu werden - zweieiigen".

Reisingers abschließende Einschätzung zu diesem Thema klingt dann ganz ähnlich wie sein Wunsch zum oberpfälzisch-amerikanischen Verhältnis: "Die Zusammenarbeit mit Amberg muss nicht nur klappen, sie soll wohlwollend in Freundschaft ablaufen."
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