Strobl sauer auf Landrat

Ich nehme zur Kenntnis, dass du anscheinend diese Realschule nicht willst und auch nicht den geringsten Versuch machst, hier etwas für den nordöstlichen Landkreis zu tun.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
10.04.2015
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"Überrascht und gleichzeitig enttäuscht" ist der Schnaittenbacher Landtagsabgeordnete Reinhold Strobl (SPD) über die Aussagen von Landrat Richard Reisinger zur Möglichkeit einer Realschule in Hirschau. Der Angegriffene plädiert im Gegenzug für "Mut zur Wahrheit".

Strobls Kritik entzündete sich an einer Äußerung Reisingers bei der CSU-Ortsvorsitzenden-Konferenz in Freihung am Dienstag. Die Chance, so ein 20- bis 25-Millionen-Euro-Projekt bei sinkenden Einwohnerzahlen im München durchsetzen zu können, tendiere gegen null, hatte der Landrat dort laut AZ-Bericht gesagt.

In Murnau ging's

"Ich nehme zur Kenntnis, dass du anscheinend diese Realschule nicht willst und auch nicht den geringsten Versuch machst, hier etwas für den nordöstlichen Landkreis zu tun", schrieb Strobl daraufhin am Freitag in einem offenen Brief an Reisinger. Dessen Argumentation könne er nicht nachvollziehen. "Das, was du als illusorisch bezeichnest, nämlich freie Klassenzimmer-Kapazitäten in anderen Schulen für eine Realschul-Außenstelle zu nutzen, ist genau in Murnau passiert." In Murnau wurde im März die "Realschule im Blauen Land" eingeweiht. Sie hatte 2011/12 als kleine Zweigstelle der Realschule Penzberg begonnen und weist jetzt 337 Schüler in zwölf Klassen auf. Laut Strobl gibt es in Bayern etwa 20 Realschulen in einer Größenordnung zwischen 200 und 400 Schülern.

"Ich stelle weiterhin fest, dass dir die Bedeutung einer weiterführenden Schule für die beiden Kaolinstädte und die umliegenden Orte nicht bewusst ist", schreibt Strobl. Junge Familien würden davon abgehalten, in die beiden Kaolinstädte zu ziehen, wenn es dort keine weiterführende Schule gebe. Sie würden dann sogar eher wegziehen. Strobl bittet Reisinger "eindringlich" und fordert ihn auf, sich "in München für eine Realschule Hirschau und für unsere Kinder einzusetzen".

Die Diskussion um einen Realschulstandort Hirschau war aufgekommen, nachdem die Stadt Amberg und der Landkreis einen auf drei Jahre begrenzten Aufnahmestopp für neue Fünftklässler aus neun Gemeinden des Landkreises an der Amberger Schönwerth-Realschule bekanntgegeben hatten. Die Betroffenen sollten stattdessen an der Sulzbach-Rosenberger Walter-Höllerer-Realschule aufgenommen werden, die noch freie Kapazitäten habe.

Mit Bussen unzufrieden

Nachdem aus einzelnen Gemeinden unzureichende Busverbindungen nach Sulzbach-Rosenberg beklagt worden waren, hatte Strobl vorgeschlagen, neue 5. Klassen mit Kindern aus dem nordöstlichen Landkreis zu bilden und diese als ausgelagerte Realschul-Klassen in der Hirschauer Schule zu unterrichten. Dort stünden sechs Klassenzimmer leer.

Reisinger nahm gegenüber der AZ zu Strobls Brief Stellung. Er betonte, der Landkreis lasse jetzt das Kultusministerium prüfen, ob es im Landkreis auf der Basis der bekannten Geburtenzahlen eine Möglichkeit gebe, eine neue Realschule zu etablieren. Reisinger möchte damit "keine falschen Hoffnungen wecken". Die Angelegenheit solle nicht am Geld scheitern, "aber Vernunft muss man walten lassen, den Mut zur Wahrheit haben und realistisch bleiben".

Ein Standort zu viel

Dazu gehöre eben, dass es nicht um fehlende Gebäude gehe. Die Schönwerth-Realschule sei schon auf drei Standorte aufgeteilt gewesen, bis das Ministerium angeordnet habe, dass man das auf zwei Häuser beschränken müsse. "Es ist also keine Auslagerung mehr möglich." Dann sei es auch die Frage, in welche Schule die Eltern ihre Kinder schickten, wenn in drei oder vier Jahren der Schönwerth-Aufnahmestopp auslaufe. Denn für weiterführende Schulen gebe es keine festgelegten Sprengel. Ob dann nicht wieder eine Tendenz zur großen Realschule mit dem vielfältigen Angebot in der Stadt einsetze?

Und für die Einrichtung neuer Realschulen habe das Ministerium deutlich gemacht, dass die mindestens zweizügig sein müssten. Standard sei aber die Dreizügigkeit. Um das in jedem Jahrgang durchhalten zu können, brauche man eine sehr große Anzahl Schüler.
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