Strom-Highway im Waldboden

Beim Ortstermin ließ sich Bürgermeister Dieter Dehling von Netzwerk-Chefin Katja Lindner (Zweiter und Dritte von links) die Pläne für die Trasse zeigen. Mit dabei auch die Projektanten, Bauleiter und Forstoberrat Klaus Bichlmaier vom Forstbetrieb Schnaittenbach.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
11.10.2015
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Es rumpelt im Gehölz. Die gewaltige Fräse schiebt sich zentimeterweise nach hinten den Waldweg entlang. Sie produziert einen Graben und legt zwei dicke schwarze Kabelstränge hinein: die 20 000-Volt-Stromautobahn Rosenberg-Neukirchen. Das Bayernwerk investiert 2,5 Millionen Euro in die 17 Kilometer lange Verbindung.

Mit schwerem Gerät treibt das Bayernwerk den Netzausbau zwischen dem Schalthaus Neukirchen und dem Umspannwerk Rosenberg, dem einzigen 110-KV-Knotenpunkt, voran. Eine Kabelfräse hat sich in der Nähe von Haar an die letzten dreieinhalb Kilometer Mittelspannungskabel des Netzentwicklungsprojektes gemacht.

Versorgung ist sicher

"Mit der Maßnahme werden die lokalen Netzkapazitäten für die Einspeisung erneuerbarer Energien erweitert und die Versorgungssicherheit auf höchstem Niveau gehalten", erklärt dazu Katja Lindner vom Bayernwerk, die für den Netzausbau verantwortlich ist. Rund 2,5 Millionen Euro Investitionssumme machen die Doppelkabelverlegung zum größten Bauprojekt des Weidener Bayernwerk-Netzcenters in diesem Jahr. "Wir arbeiten mit einem extrem hohen Querschnitt von jeweils 400 Quadratmillimetern - das schafft die nötigen Kapazitäten", meint Lindner zu den zwei mal drei dicken schwarzen Kabelsträngen. Die beiden Systeme benötigen rund 100 Kilometer Kabel, was die hundert riesigen Trommeln erklärt, die seit Mai am Dultplatz lagern.

Kabel unterm Forstweg

Die ersten Kilometer Mittelspannungskabel sind bereits unter der Erde (wir berichteten). Derzeit arbeitet sich der Trupp der Fränkischen Baugesellschaft von der Südstraße Richtung Wald und B 85 am Loderhof vor. In den Wäldern dies- und jenseits der Bundesstraße und des Zubringers kommt die Fräse zum Einsatz.

Sie zieht auf den Forstwegen den Kabelgraben, die beiden Systeme werden eingelegt, pro Tag bis zu einem Kilometer Strecke - viel schneller und besser, als ein Bagger das könnte. Der Bautrupp dahinter schließt den Graben perfekt, die Forststraße ist wieder nutzbar.

Freileitung verschwindet

Vor Ort beim Besprechungstermin lobte Katja Lindner die kooperative Zusammenarbeit zwischen den Kommunen Sulzbach-Rosenberg, Illschwang und Neukirchen sowie dem Forstbetrieb Schnaittenbach der Bayerischen Staatsforsten. Illschwangs Bürgermeister Dieter Dehling informierte sich an der Baustelle aus erster Hand bei den beiden Bayernwerk-Projektanten Klaus Übler und Stefan Bergler sowie bei Bauleiter Reinhold Koch und Gerald Distler von der Fränkischen Baugesellschaft. Auch die Firma Rubenbauer ist mit am Bau beteiligt. Zusätzlicher Gewinn am Rande: Da die neue 20-KV-Trasse in der Nähe der Freileitung Breitenbrunn/Haar verläuft, legt das Bayernwerk dort auch gleich ein passendes Erdkabel als Ersatz. Dann können die 17 Strommasten auf den rund 2,8 Kilometern durch den Wald und übers Feld 2016 abgebaut werden. Damit beseitigt das Bayernwerk eine langjährige Störungsquelle.

Netz für die Zukunft

Ist dann noch das Schalthaus Neukirchen durch einen Anbau weiter ertüchtigt, steht einer Nutzung der neuen Stromautobahn Mitte 2016 nichts mehr im Wege. Sämtliche Transporte, ob als Strombezug oder als Einspeisung, sind dann problemlos möglich - mindestens 40 Jahre lang. Und keiner sieht mehr etwas von dem Projekt.
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