Suche nach der klaren Linie

Den hohen Wert des Seidel-Komplexes mit Druckerei-Saal, Bibliothek und Verlags-Archiv brachte Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer gestern den SPD-Landtagsabgeordneten quasi als "Kultur-Zugabe" bei einem Kurzbesuch nahe. Bilder: Royer
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
18.07.2015
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Die einen lieben ihn, andere wollen mit ihm besser nichts zu tun haben. Denkmalschutz polarisiert die Gesellschaft. Wo hier genau der Schuh drückt, wollten drei SPD-Landtagsabgeordnete gestern in der Herzogstadt erfahren. Dabei gab es viele brauchbare Anregungen.

Die Tatsache, dass Bayerns Vielfalt und kulturelle Identität sehr stark von Denkmälern bestimmt werden, blieb unbestritten. Auch die Probleme, die mit der Umsetzung des Denkmalschutzes auftreten, waren nicht neu.

Um diese aber konkret anzugehen, hatte sich der Arbeitskreis Denkmalschutz und Heimatpflege der SPD-Landtagsfraktion mit Inge Aures, Helga Schmitt-Bussinger und Reinhold Strobl im Brauereigasthof Sperber eingefunden. Dabei kamen die verschiedenen Ansichten bei einem Fachgespräch mit Architekten, Kommunalpolitikern, Heimatpflegern und Denkmalschützern zur Sprache.

Dr. Markus Lommer forderte als Impuls, die Heimatpflege in die Gegenwart hineinzuziehen, und die Region aus ihrer gewachsenen Identität wahrzunehmen. Oedmühlen-Besitzerin Gabriele Bräutigam trat für eine neue Sinn-Zuweisung für Denkmäler ein. Ihr lag zudem am Herzen, das Thema auf emotionaler Ebene neu zugänglich zu machen. Architekt Ernst Bräutigam plädierte für eine Attraktivitätssteigerung und mehr Zugänglichkeit der Objekte. Außerdem vermisste er eine klare Linie im Denkmalschutz.

Reinhold Strobl erinnerte an Probleme bei Sanierungsobjekten im Falle des Besitzes durch Erbengemeinschaften, mangelnde Verkaufsbereitschaft oder Wunsch nach Abriss. Hier gelten 3000 leerstehende Denkmäler in Bayern als echte Herausforderung. Für Strobels Landtags-Kolleginnen war es wichtig, wieder mehr Gelder für den Denkmalschutz - auch über Kulturfonds, Landesstiftung und Entschädigungsfonds - auf politischer Ebene zu generieren. Auch den Einsatz von lokalen Ansprechpartner sahen sie als notwendig an.

Untergeordnete Rolle

Archäologe Friedrich Loré machte darauf aufmerksam, dass auch viele Denkmäler im Boden versteckt liegen. Bei deren Sicherung gebe es aber keine Zuschüsse, was für ein großes Spannungsfeld sorge. "Die Bodendenkmalpflege spielt leider eine untergeordnete Rolle", machte Loré eine Ungleichbehandlung aus.

Diesen Gedanken nahm Neukirchens Heimatpfleger Walter Schraml auf, als er für die Etablierung von Kreis-Archäologen eintrat. Die Abgeordneten versprachen, alle Anregungen in München nachhaltig zu vertreten.
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