Sulzbach veredelt Grafenwöhr

Fleißige Kinder sammelten die wertvollen Eicheln im Stadtwald ein. Die Netze am Boden erweisen sich als sehr hilfreich beim Klauben. Rund 15 000 Stück kamen so am Ende zusammen. Bilder: Gebhardt (5)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
15.11.2014
2
0

Kinderlachen zwischen grünen Netzen: Im Sulzbacher Stadtwald wird geerntet - ohne Motorsäge. Diesmal geht es nicht um wertvolle Stämme, sondern um Eicheln, aus denen neue Wälder wachsen sollen. Sulzbacher Eicheln sind äußerst wertvoll. Das wissen aber nur Experten.

Rund 180 Jahre alt ist der Eichenbestand im Bürgerspitalwald "Höfling" nahe Gallmünz, der Ort des Geschehens. Revierförster Volker Binner hatte unter den Kronen mächtiger Alteichen grüne Netze auf dem Boden ausgebracht: Herabfallende Eicheln sollten so als Saatgut gewonnen werden.

Er erhielt Unterstützung von Kindern und Jugendlichen aus dem Ernst-Naegelsbach-Haus. An einem Nachmittag sammeln sie in Zweierteams gut einen Zentner der Stieleichen-Samen ein. "Das entspricht rund 15 000 Eicheln", freute sich der Förster. Neben einer kleinen Anerkennung gab es für das fleißigste Sammlerteam, zwei Jugendliche aus Eritrea, eine Extra-Box Süßes.

Anerkanntes Saatgut

Es ist kein Zufall, dass gerade dieser Waldbestand beerntet wird: Die Eichen sind von hervorragender Qualität, der Bestand ist als Erntebestand rechtlich anerkannt und registriert. Nur solches Saatgut darf weiterverkauft werden. Das "Forstvermehrungsgut-Gesetz" soll sicherstellen, dass das Saatgut einerseits geeignetes Erbgut aufweist, andererseits nur in Waldflächen ausgebracht wird, die den Erntebeständen in Sachen Klima und Boden ähneln und so guten Wuchserfolg versprechen.

Trockener Sand

Einen Interessenten für die gesammelten Eicheln gab es ebenfalls: die Stadt Grafenwöhr, die von Förster Martin Gottsche vom AELF Weiden betreut wird. Er wollte das Saatgut kaufen und in alten Kiefernwäldern mit Hilfe der Sulzbach-Rosenberger Eicheln neue Wälder begründen.

Der Altbestand muss sich in Boden und Alter zur Verjüngung eignen. Im Fall Grafenwöhr ist dies ein etwa 80- bis 100-jähriger Kiefern-Bestand auf trockenem Sand. Zu junge Bestände passen nicht, da in den 20 bis 30 Jahren nach der Saat ein Großteil des Altbestandes geerntet werden muss, um den jungen Eichen ausreichend Licht zu geben.

Wald durchforstet

Ist der Boden bereits stark mit Brombeeren bedeckt, eignet sich eine Eichensaat nur bedingt. Die Fräsarbeiten würden die Brombeere nur zu verstärktem Wachstum anregen. Der Stadtwald wurde in Vorbereitung durchforstet: Qualitativ schlechtere Bäume, die andere gute geformte und gut bekronte Bäume bedrängen, wurden gefällt. Gegen Wildverbiss wird die rund 0,8 Hektar große Fläche eingezäunt für die nächsten zehn Jahre. Mit einer einen Meter breiten Waldfräse an einem kleinen wendigen Schlepper mit Breitreifen brachten die Forstarbeiter im Abstand von ca. zwei Metern einige Streifen in den Waldboden. Durch das Fräsen wird nicht nur das Saatbeet bereitet, sondern auch der Zersetzungsprozess der Streu angeregt. Die Nährstoffe bieten kleinen Eichen gute Startbedingungen.

400 Kilo pro Hektar

Die Aussaat der Eicheln erfolgt von Hand in die vorbereiteten Streifen, man rechnet etwa 400 Kilogramm Eicheln pro Hektar. In einem dritten Arbeitsgang fährt die Fräse wiederum über die Streifen und arbeitet die Eicheln in den Humus ein.

Das Sulzbach-Rosenberger Saatgut wurde schon direkt nach dem Sammeln dort eingearbeitet - das ist der Optimalfall. Ansonsten ist die richtige Lagerung der Eicheln über längere Zeiträume aufwendig und mit Risiken verbunden.

Die Erfahrung zeigt, dass neben den gesäten Eichen auf den Frässtreifen natürliche Verjüngung von Kiefer, Birke, Pappel und Fichte aufwächst. Der Waldbesitzer kann je nach Standort im Verlauf der Pflege in den nächsten Jahren also weitere Mischbaumarten beteiligen oder diese zurücknehmen.

Fazit: Eichensaat ist eine interessante Alternative zur herkömmlichen Pflanzung. Gute Fördermöglichkeiten eröffnen für Waldbesitzer eine kostengünstige, naturnahe Form der Waldbegründung, gleich, ob nach Sturm oder vorbeugend für Herausforderungen des Klimawandels. Die Revierförster beraten Waldbesitzer auch vor Ort.

___

Weitere Informationen unter www.aelf-am.bayern.de
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2014 (8193)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.