Sulzbacher Musenhof lebt

Sophia Ritz verkörperte bei der szenischen Lesung beeindruckend die Dichterin Anna Rupertina Fuchs. Bild: bmr
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
25.03.2015
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Glückwünsche zum 80. Geburtstag, Herzog Christian August! Die Bürger im ausverkauften Palas des Schlosses würdigen den toleranten Sulzbacher Adeligen, und dann kommt er auch noch selbst herein geschritten: Diese szenische Lesung bleibt allen im Gedächtnis. Und für kurze Zeit ersteht der Sulzbacher Musenhof wieder.

Das Publikum der szenischen Lesung zum Lebenslauf des Herzogs Christian August erlebte eine Sternstunde der Schauspielerei, der Musik und nicht zuletzt des Ortes: Aufgeführt wurde im Palas, im herrschaftlichen Saal des Sulzbacher Schlosses, der zweite Rahmenprogrammpunkt zu den diesjährigen Knorr-von-Rosenroth-Festspielen.

Michael Ritz, deren künstlerischer Leiter, stellte das Programm vor, Stadtarchivar Johannes Hartmann berichtete über die wechselvolle Geschichte des Schlosses und des Saales: Dieser wurde nach der Glanzzeit als Gefängniskapelle gebraucht, diente als Stadtmuseum und beherbergte eine Garnison, Waisenkinder und Flüchtlinge. Nun ging es zurück ins Jahr 1702, genau auf den 26. Juli. Sogleich fanden sich die Zuschauer als auserwählte geladene Gäste, die dem Landesvater Herzog Christian August zu seinem 80. Geburtstag gratulieren durften. Michael Ritz, der auch als Autor zeichnet, ist hier ein geniales Handlungsgerüst gelungen. Unter den Gästen finden sich die Dichterin Anna Rupertina Fuchs (Sophia Ritz aus Berlin) und ein Cembalospieler.

Lebenserfahren, tiefsinnig

Die "Fuchsin" hat extra zum Geburtstag des Herzogs ein Gedicht verfasst und hofft, es ihm vortragen zu können. Anna Rupertina Fuchs nützt die Zeit des Wartens, um dem Publikum aus der von ihr verfassten Biografie zum Leben des Herzogs vorzutragen. Die Darstellerin zieht dabei alle Register ihres schauspielerischen Talents. Sie lässt die Dichterin (Künstlername "Daphne"), als gescheite, lebenserfahrene, tiefsinnige Plaudertasche erscheinen.

Sophia Ritz interpretiert lebensnah die Gedichte der Fuchsin über einen aufdringlichen Dichter der Nürnberger Pegnitzschäfer, aber auch die Hymne zum Geburtstag des Herzogs: "Euch, großer Augustus, bewundert die Welt..."

Ringen um den Glauben

Was erfahren die Zuschauer nicht alles: Die Fuchsin war eine geborene von Pleitner, ihre Mutter Holländerin, ihr Vater, Johann von Pleitner, stammte aus Nabburg und war einer der führenden Architekten für Festungsbauten. Der Herzog schätzte ihre Gedichte. Ob darüber hinaus noch etwas im Busche war, ist bis heute ungeklärt. Mit 39 Jahren heiratet sie den Rektor der Lateinschule, Georg Christoph Fuchs.

Und jetzt ging sie auf die Reise durch das bisherige Leben des Herzogs Christian August, erzählte von seiner Flucht bereits als Siebenjähriger vor dem 30-jährigen Krieg und von seinen Bildungsreisen. Es folgt die Zeit, in der der Herrscher mit sich um den wahren Glauben rang. Er, der evangelisch Aufgewachsene, wechselte zum Katholizismus. Nachdem seine Frau und Kinder übergetreten waren, wetterte seine Mutter: "Ich halte dafür, dass sie nach ihrer Unwissenheit in Glaubenssachen Dir zu gefallen gar türkisch werden sollte." Die Fuchsin lässt ebenso die Weggefährten des Herzogs Revue passieren, den Kanzleirat Christian Knorr von Rosenroth und den wundersamen Mercurius van Helmont, den die Sulzbacher schon mit Steinen aus ihrer Stadt verjagt haben.

Autor Michael Ritz bezeichnet die drei Männer als "Sulzbacher Dreigestirn" und schwärmt, frei nach Shakespeare, "oh du gesegnetes Sulzbach, das solche Menschen in sich trägt". Auch die Sulzbacher selbst kommen immer wieder vor, die schon damals ihre Feste feierten wie kaum eine andere Stadt. Am Ende lässt es sich Christian August nicht nehmen, von Untertanen persönlich Huldigungen entgegenzunehmen (souverän: Thomas Schröder in einem glanzvollen Barock-Kostüm).

Wichtig für Europa

Autor Ritz lässt am Ende die Fuchsin treffend und bilanzierend sagen: "Ich denke, es ist uns Bürgern gar nicht richtig bewusst, was hier in unserem kleinen Sulzbach so vor sich geht, oder wir wissen es nicht richtig zu schätzen, was sich hier alles ereignet und welche großartigen und weitblickenden Gedanken hier gedacht werden, die für ganz Europa wichtig sind."
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