Tanzend zu Freunden geworden

Pfarrer Dr. Reinhard Böttcher (vorne, Dritter von links) und stellvertretende Landrätin Brigitte Bachmann (vorne, Vierte von links) gratulieren Erna Horn (vorne, Fünfte von links) und den Tanzkreis-Mitgliedern. Hinten die Gruppe Kalinka aus Weiden. Bild: gac
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
26.11.2015
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"Manchmal ratschen wir zu viel", sagte eine ältere Frau, "aber dann ermahnt uns Erna streng und wir konzentrieren uns wieder." Ein wenig wie früher in der Schule ist es, wenn sich Senioren zum Tanzen und zum Gespräch treffen.

Seit fünf Jahren besteht der von Erna Horn geleitete Tanz- und Gesprächskreis "Von Fremden zu Freunden" in Rosenberg. Seither kommen wöchentlich russlanddeutsche und einheimische Senioren zum Tanz und zu Gesprächen zusammen. Alle lernen dabei unterschiedliche Kulturen kennen und werden dadurch bereichert.

Kleines Jubiläum

Das kleine Jubiläum feierten die Tänzer mit einem großen Fest im Saal der evangelischen St.-JohannisGemeinde. Stellvertretende Landrätin Brigitte Bachmann lobte Horns Engagement für die Integration der Russlanddeutschen. "Leider ist diese großartige Initiative akut gefährdet, weil kein Ausweichquartier zur Verfügung steht, wenn das evangelische Gemeindehaus im kommenden Jahr umgebaut wird", bedauerte Bachmann. Sie regte an, dafür den Saal im Wirtshaus Waage herzurichten, das die Stadt heuer erworben hat.

Alle treuen Teilnehmer bekamen von Horn Jubiläumsmedaillen überreicht. Pfarrer Dr. Reinhard Böttcher, Beauftragter für Aussiedlerseelsorge im evangelischen Dekanat Sulzbach-Rosenberg, stellte in seiner Ansprache fest: "Vielfalt ist das beste Mittel gegen Einfalt. ,Von Fremden zu Freunden' praktiziert das vorbildlich, weil Sie nicht reine russlanddeutsche Traditionspflege betreiben, sondern den Kulturaustausch fördern." An Horn schätze er ihre Beharrlichkeit, stets verbunden mit Offenheit und Gesprächsbereitschaft.

Höhepunkt des Abends war der Auftritt der Gruppe Kalinka aus Weiden. Allein schon die handgenähten nordrussischen Trachten der Sänger waren ein Augenschmaus. Leiterin Eugenia Jarusski führte auf Russisch und Deutsch durch das Programm von traditionellen Volksliedern über russischen Ethno-Pop bis zu DJ Ötzi. Die schauspielerische Präsenz, mit der die Gruppe sang und tanzte, war beeindruckend. Die für deutsche Ohren ungewohnten slawischen Harmonien wurden sauber und mit perfektem Rhythmus gesungen. Großartig waren die Stimmen. Insbesondere Jarusski hätte mühelos einen weit größeren Saal ohne Verstärkung gefüllt. Nicht umsonst hat Kalinka auf internationalen Festivals mehrere Preise gewonnen.

In den Pausen konnten sich alle mit schmackhaften russischen und Oberpfälzer Schmankerln stärken. Auch kulinarisch trägt "Von Fremden zu Freunden" zur Bereicherung durch Austausch bei.
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