Taxi statt Rettungswagen

Die 112 ist die europäische Notrufnummer. Wer sie wählt, kommt bei der Integrierten Leitstelle raus. Bild: upl
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
10.02.2015
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"Hier ist der Notruf für Feuerwehr und Rettungsdienst": X-mal täglich melden sich die Disponenten der Integrierten Leitstelle am Telefon. Ob Herzinfarkt oder Beinbruch, Schwächeanfall oder Brand: Sie schicken dann die Rettungskräfte los. Mitunter gehen bei der ILS auch sonderbare Anrufe ein. Manche sind kurios, andere lustig - wiederum andere ziemlich dreist. Eine Auswahl davon zum 11.2., Tag der europäischen Notrufnummer 112.

Zu den Höhepunkten im Disponenten-Leben zählen zweifelsohne Anrufe, denen das Hantieren mit Erwachsenen-Spielzeugen vorausgegangen ist. Stefan Brunner, stellvertretender Leiter der ILS, kennt so einen Fall.

Ziemlich peinlich

Um die Standfestigkeit seines besten Stücks zu halten, hatte ein Mann einen Ring um Selbiges gelegt. Pech für ihn: Das Ding ging nicht mehr ab. So blieb ihm nichts anderes übrig, als in der Notaufnahme aufzuschlagen. Da besagter Ring einfach nicht abzubekommen war, rief das Team in der Leitstelle an, um die Feuerwehr anzufordern. Die rückte auch prompt an - mit der Flex.

Ganz schön frech

Erst neulich rief ein Mann, definitiv nicht mehr nüchtern, in der Leitstelle an und forderte den Disponenten auf, er solle ihm gefälligst ein Taxi schicken. Als dieser das Ansinnen abschlug, wurde der Betrunkene rabiat, natürlich nur verbal. Wenn er das Taxi nicht gleich schicke, "komme ich vorbei und hau dir eine an den Latz".

Einfach nur oberdreist

"Wir sind gottseidank nicht in einer Großstadt, da geht's ganz anders zu", sagt Stefan Brunner. Er weiß, wovon er redet, denn er hat bereits in der ILS Nürnberg gearbeitet. Da rief mal ein ganz findiger Mann an: Er klagte über Atemnot und behauptete, keine Luft zu bekommen. In solchen Fällen schicken die Leitstellen einen Notarzt. Als dieser eintraf, fand er einen Patienten mit einem ganz banalen Schnupfen vor. Dieser präsentierte dem Rettungsdienst eine simple, aber ganz schön dreiste Rechnung: Rufe er beim kassenärztlichen Notdienst an, würde das zwei Stunden dauern, bis jemand komme; der Notarzt hingegen sei in zehn Minuten da.

Da ist Schluss mit lustig

Stefan Brunner erzählt von einem Fall, als sich Jugendliche einen Streich erlaubt haben. Sie setzten einen Notruf ab, um einen Brand in Vilseck zu melden. Die Disponenten schickten Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei los - doch weit und breit kein Brand. Die Jugendlichen gestanden, dass es ein fingierter Notruf war.

Kein Notruf - immerhin

Nicht alle, die über die 112 die ILS anwählen, haben einen Notfall. "Manchmal wollen Leute auch nur wissen, wann und wo der nächste Erste-Hilfe-Kurs ist", sagt Brunner. Die Disponenten helfen auch in solchen Fällen gerne weiter und vermitteln die Ratsuchenden an das Rote Kreuz oder die Johanniter. Die meisten leiten ihr Gespräch so ein: "Das ist jetzt kein Notruf!" - immerhin.

Ups, das war ein Versehen

Das Smartphone in der Tasche, die Sperre löst sich, mit etwas Pech aktiviert sich der Notrufbutton. Und schwupps, ist man unwissentlich mit der Rettungsleitstelle verbunden. Stefan Brunner nennt dieses Phänomen Hosentaschenanrufe. Und der Disponent kriegt mit, was der Besitzer des unbeabsichtigt anrufenden Handys gerade so treibt: zum Beispiel, dass er joggt. "Manchmal hört man Geld klimpern oder Schlüssel klappern", berichtet Brunner. Dank ihrer Erfahrung können die Disponenten aber abschätzen, ob jemand Hilfe braucht oder das Handy sich selbstständig gemacht hat. "Das kann man ganz gut einschätzen."

Mit Schock-Faktor

Mitunter haben die Mitarbeiter der ILS auch ein plapperndes Kind in der Leitung, das gerade an Mamas oder Papas Smartphone rumgespielt und die 112 erwischt hat. Da kann es gut sein, dass der Disponent hernach zurückruft und sagt: "Ihr Kind hat gerade angerufen, wir wussten nicht, was los ist. Wir haben einen Hubschrauber losgeschickt, der landet in zehn Minuten." Doch ehe der Blutdruck der Betroffenen in exorbitante Höhen steigt, versichern die Disponenten sofort, dass das nur ein Scherz war und kein Heli im Anflug ist.

Parlez-vous français?

Englisch, Französisch, Italienisch - bei gängigen Fremdsprachen können sich die Disponenten noch selbst helfen, bei allen anderen geraten sie - verständlicherweise - an ihre Grenzen. Dann muss ein Dolmetscher zugeschaltet werden. "Selbst bei Dänisch können wir uns behelfen", sagt Stefan Brunner. "Wir haben sogar Dänisch im Angebot", erklärt er. "Wenn jemand anruft, der Suaheli spricht, da wird's schwierig für uns."

So ein Pech aber auch

Häufig passiert es, dass die ILS einen Notruf reinkriegt, weil jemand eingesperrt ist. Das passiert auf Baustellen genauso wie in öffentlichen Toiletten. In diesen Fällen verständigen die Disponenten nach Angaben von Stefan Brunner die Kollegen von der Feuerwehr, die dann die Eingeschlossenen befreien. Bei öffentlichen Toiletten werde versucht, die dafür Verantwortlichen zu erreichen, damit sie das Örtchen aufsperren.

Jetzt wird's knifflig

Manchmal, da fühlen sich Stefan Brunner und seine Disponenten-Kollegen wie ein Fundbüro. Denn häufig kommen nach Einsätzen auch noch Anrufe, weil jemand was vermisst. Zum Beispiel das Krankenkassen-Kärtchen. "Dann recherchieren wir natürlich, wo es abgeblieben ist."
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