Theater für die Menschlichkeit

Gemeinsame Unternehmungen gehören zum Programm der Jugendlichen im Ernst-Naegelsbach-Haus. Gekonnt spielten die Realschüler eine "Kanuszene" nach. Bilder: lhc (2)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
16.12.2014
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Der Nachwuchs wird auch in den sozialen Berufen knapp. Kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken, dachte man sich an der Walter-Höllerer-Realschule. Es entstand eine Berufsberatung der ganz besonderen Art.

Anstelle von Beratungsgesprächen gab es ein Theaterstück für die Realschüler, welches Regisseur Jean-Francois Drozak gemeinsam mit Schülern der 9. Klassen erarbeitet hatte. Es war ein Plädoyer für die "Herzwerker", Menschen, die sich in sozialen Berufen engagieren, die sich ähnlich wie Handwerker oder "Kopfarbeiter" mit Leib und Seele in ihrem Beruf einbringen.

Nicht alle Szenen wahr

Vier Berufsfelder in acht Szenen aus der Altenpflege, Jugendhilfe, Kindertages- und Behindertenbetreuung stellten die Schauspieler vor. Sie waren gemeinsam mit den Interviewpartnern entstanden und spiegelten typische Alltagserlebnisse wieder. Aber: "Nur sechs von den acht Szenen sind wahr!" So motivierte Regisseur Jean-Francois Drozak die Zuschauer, aufmerksam zu bleiben und versprach, das Rätsel am Ende aufzulösen. Aus den 9. Klassen hatte Droszak, Gründer der Agentur für Kulturdesign "Kunstdünger", nach einem Casting acht Schüler ausgesucht.

Den Reigen eröffnete Sonja Haubelt, Pflegerin in der Procurand-Seniorenresidenz. Wie unerwartet menschlich manche Bewohner reagieren, zeigte die Szene "Weihnachtsgezicke", in der zwei 80-Jährige eifern, wer die Schönere sei. "Ich hole die Senioren aus dem Alltag", sagte Haubelt. Sie findet es gut, diesen Menschen ein möglichst angenehmes Leben zu ermöglichen, deshalb sei sie in diese Tätigkeit eingestiegen. "Wir fahren auch mit dem Kanu", so Oliver Guist, Erzieher im Ernst-Naegelsbach-Haus, der sich als Wegbereiter Jugendlicher ohne intaktes Elternhaus sieht und auf erlebnispädagogische Maßnahmen viel Wert legt.

Die Realschüler stellten die Kanutour nach - mit all ihren kleinen Dramen im Wasser. Guist bedauert allerdings, dass es zu wenige männliche Bezugspersonen in Kinderheimen gebe. Wenn geistig behinderte Kinder das Fußballstadion des "Club" besuchen und diesen Tag als den "Besten meines Lebens" bezeichnen, dann sieht sich Heilerziehungspfleger Michael Schaffer von der Lebenshilfe Amberg vollends in seinem Beruf bestätigt.Dankbar auch für die kleinen Dinge des Lebens seien die Kinder, die er betreut. Gelobt wurde am Ende das Konzept des Regisseurs, dem es als ehemaligem "Heimkind" ein Anliegen war, dass Jugendliche bei ihrer Berufswahl die sozialen Berufe mit einbeziehen.
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