Theaterstück zur Erinnerung an Reformator Jan Hus
Flammentod statt Widerruf

Ritter Johannes von Chlum (Franz Grundler) überbringt Königin Sophie (Christina Götze) in Prag die Nachricht, dass Jan Hus in Konstanz verbrannt wurde. Bilder: cog (2)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
30.09.2014
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Bis heute beschäftigt, verstört, polarisiert er die Menschen: Am 6. Juli 1415 wurde der tschechische Reformator Magister Jan Hus in Konstanz als Erzketzer verbrannt. Im Rathaussaal erinnerte ein Theaterstück an den Kirchenkritiker. Und seinen Besuch in der Stadt vor 600 Jahren.

Die Spielgruppe von bovaria e.V., dem Verein zur Pflege der guten nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen Bayern und Böhmen auf den Gebieten Geschichte, Kultur und Religion, nahm sich des Themas an.

Zum bevorstehenden 600. Jahrestages von Hus' Tod auf dem Scheiterhaufen schrieb Franz Grundler ein Theaterstück, das in fünf Szenen die Wirkung des Reformators bis in die Gegenwart nachzeichnet.

Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer führte mit einem kurzen Vortrag in die Situation der Kirche um 1400 ein. Damals gab es drei Päpste, und schon länger hatten Theologen die Kirche kritisiert.

Vor das Konzil geladen

Hus, um 1370 in ärmlichen Verhältnissen in Südböhmen geboren, wurde 1400 zum Priester geweiht und bekämpfte als Dozent, später sogar Rektor der Prager Karlsuniversität von Lehrstuhl und Kanzel aus die Missstände in der römischen Kirche, insbesondere ihr Streben nach weltlicher Macht und materiellem Besitz. Hus wurde vor das Konzil nach Konstanz geladen, wo er den Feuertod starb.

Die Reise dorthin glich aber einer triumphalen Prozession, berichtete Dr. Lommer. Adlige und Geistliche begleiteten den Magister, der Tross umfasste über 30 Pferde und mehrere Wagen. Hus ließ in allen Städten, die er passierte, seine Ankunft durch Anschläge an den Kirchen ankündigen. Überall wurde er freundlich aufgenommen. Auch in Sulzbach lud er die Bürger zum Gespräch ein und verbrachte die Nacht vom 14. auf den 15. Oktober 1414 im Gasthaus "Zum Roten Krebs", dem heutigen Restaurant Mona Lisa neben dem Rathaus. Die kirchlichen Autoritäten ließen die Asche des Magisters verstreuen, um möglichst sein Andenken zu tilgen. Aber die Erinnerung ist immer noch lebendig. Die Schauspieler Uwe Castor, Christina Götze und Theresa Schichtl von bovaria e.V. erweckten die Geschichte zum Leben. Mit einfachen Mitteln, aber starker Überzeugungskraft zeigten sie Hus' Nachwirkung bis in die Gegenwart, und das zahlreiche Publikum im Rathaussaal folgte ihnen mit großer Aufmerksamkeit.

Viele Denkanstöße

Wie umstritten der Reformator immer war, zeigte der Stoßseufzer "Ach Hus", der sich durch alle Szenen zog. Bis heute polarisiert der Magister. Das wurde in der letzten Szene klar: Eine Laiengruppe probt ein Hussitenstück, das aber von der Kulturamtsleiterin für das Stadtfest abgelehnt wird, denn Hus passt "nicht zu unserem Mittelalter", und "wir lassen es uns nicht nehmen, dass die Hussen unsere Stadt angezündet haben!", gleichgültig, ob man die Brandschatzung historisch nachweisen kann oder nicht.

Mit kräftigem, anhaltendem Applaus bedankten sich die Zuschauer für einen gelungenen Theaterabend, dessen Denkanstöße noch lange nachwirken werden.
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