Thomas Huber über die Probleme, deutsche und chinesische Kultur zusammenzuführen - Realschulen ...
Kein Spruch von Konfuzius: Was der Bauer nicht kennt ...

Mein Taichi-Lehrer hat früher immer gedacht, die Deutschen seien so geizig. Wenn er wo eingeladen war, ist er nämlich nur einmal gefragt worden, ob er was zu trinken möchte.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
24.07.2015
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Thomas Huber kennt die Berührungsängste der Deutschen gegenüber der chinesischen Kultur. Der Amberger kämpft schon länger dagegen an, doch gerade mit Schulen hat er jüngst wieder eine ernüchternde Erfahrung gemacht.

Herr Huber, Sie sind in Amberg in der Chinesisch-Bayerischen Kulturgruppe aktiv. Was macht man denn da so?

Huber: Frau Chao, Herr Tang und ich, wir hatten die Idee, die chinesische und die bayerische Kultur zusammenzuführen, und 2013 wurden wir als Chinesisch-Bayerische Kulturgruppe Teil der Sparte "Freizeitsport" bei der Sportgruppe Siemens. Wir haben schon Qigong-Kurse angeboten, uns zum Mondfest auf dem Mariahilfberg getroffen, uns von Brigitte Netta durch das Rathaus führen lassen, damit interessierte Chinesen sehen können, wie hier Kommunalpolitik funktioniert. Mit der Realschule hatten wir ein Projekt, bei dem wir zum Konfuzius-Institut nach Nürnberg gefahren sind.

Konfuzius-Institut?

Huber: Ja, das ist die chinesische Entsprechung zum deutschen Goethe-Institut.

In der Kulturgruppe sind also Deutsche und Chinesen aktiv?

Huber: Ja, das geht vom chinesischen Ehepaar, das bei Siemens arbeitet, bis zu Deutschen, die sich für die chinesische Kultur interessieren. Wir haben auch einen Stammtisch, damit Chinesen, die nur kürzere Zeit hier sind, Kontakte knüpfen können.

Sie wollten auch Realschulen in unserer Region das Chinesischlernen über ein Internet-Portal schmackhaft machen.

Huber: Wir haben dafür sogar ein Startup-Unternehmen aus Berlin gewonnen, das uns kostenlose Zugänge zu seinem Lernportal zur Verfügung stellt und als Preis noch einen lebenslangen Zugang ausgelobt hat. Das ist also ein stressfreier Zugang, ohne Kostenaufwand und für jeden, der Lust hat. Deshalb habe ich mich dann auch so über die Reaktionen gewundert.

Wie waren die denn?

Huber: Die Schönwerth-Realschule hat gleich im Vorfeld abgeblockt. Man habe so viel zu tun. Bei der Johanna-Decker-Schule hieß es, man sehe da grundsätzlich keinen Bedarf, was mich noch mehr geärgert hat. Die Sulzbach-Rosenberger Realschule wird die Info über einen Elternbrief weiterleiten. Die Lehrer sagen aber, dass sie eigentlich keinen Sinn darin sehen.

Haben Sie eine Idee, warum Sie da auf so wenig Gegenliebe stießen?

Huber: Ich habe mit einem Sinologen geredet, der ähnliche Erfahrungen mit seinem Gymnasium gemacht hat. Er hat vermutet, dass dahinter die alte Einstellung steckt: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht. Es ist wohl auch so eine grundlegende Unsicherheit, vielleicht sogar so eine unterschwellige Angst vor dem kommunistischen Kontrollstaat China.

Welche Vorteile hätte es denn, Chinesisch zu können?

Huber: Die Schüler würden sich zuerst einmal mit einer Kultur auseinandersetzen, die weltweit auf dem Vormarsch ist. Denn die Chinesen sind ja nicht mehr in der Isolation wie noch vor etlichen Jahren. Sie strecken ihre Fühler aus.

Da ist aber wahrscheinlich eine ganz schöne kulturelle Kluft zu überwinden.

Huber: Natürlich. Chinesen denken in vielen Fällen ganz anders.

Wie?

Huber: Ich erklär's mal am Beispiel meines Taichi-Lehrers. Der hat mir erzählt, er habe früher immer gedacht, die Deutschen seien so geizig. Der Grund war, dass er, wenn er irgendwo eingeladen war, nur einmal gefragt wurde, ob er was zu trinken möchte. Für den Chinesen gehört es zur Höflichkeit, dass er da erst mal Nein sagt. Der Gastgeber muss aber immer wieder fragen, und dann kann man auch Ja sagen. Bei den Deutschen aber heißt Nein: Na ja, dann will er halt nichts trinken, dann frage ich auch nicht mehr.

Kann man chinesische Sprachkenntnisse auch beruflich nutzen?

Huber: Ich würde sogar sagen, junge Leute, die jetzt spielerisch mit der Sprache anfangen und sich später problemlos auf Chinesisch unterhalten können, die haben einmal einen deutlichen Vorteil gegenüber ihren Mitbewerbern auf dem Arbeitsmarkt, etwa bei den Ingenieuren.

Sprechen Sie Chinesisch?

Huber: Ja, ich bin seit 1999 Lehrer für Taichi und Qigong. Daraus hat sich mein Interesse für die Kultur ergeben. Ich habe deshalb über Online-Kurse und auch über die VHS in Amberg Chinesisch gelernt.

Wie gut können Sie es?

Huber: Für den Alltagsgebrauch verstehen Chinesen mich schon. Das reichte etwa auch, um ein chinesisches Pärchen in einem Salzburger Café dabei zu beraten, dass sie das richtige Mineralwasser - ohne Kohlensäure - bestellen. Mir fehlt halt etwas die Praxis für weitere Kommunikation oder technische Ausdrücke.

Dann ist Chinesisch womöglich gar nicht so schwer, wie man immer denkt?

Huber: Nein, wenn man für den Anfang einfache Kommunikation betreibt, kommt man sogar sehr schnell rein. Zudem hat Chinesisch so gut wie keine Grammatik, die ja andere Sprachen oft erst schwer macht. Es reicht ein erstes Vokabular, um eine Hemmschwelle zu überwinden. Und die Chinesen freuen sich genauso wie wir, wenn uns jemand in einem fremden Land in unserer Muttersprache anspricht, auch wenn es nur gebrochen ist.

Gehen Sie heute und morgen auch auf die Veranstaltungen des internationalen Jugendmusikfestivals, bei dem die chinesischen Gruppen auftreten?

Huber: Ja, ich möchte nach Ursensollen und nach Hirschau gehen - soweit meine Familie da mitspielt.
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