Thommie Bayer und "Dillberg" treten im Capitol auf
Liebevoll und sehr detailreich

Autor Thommie Bayer.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
23.10.2014
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Kinoplakate, gedämpftes Licht, eine kleine Bar im Eingangsbereich - das Ambiente im Capitol passte perfekt zur Musik von "Dillberg" und zum Roman "Die kurzen und die langen Jahre" von Thommie Bayer. Der Autor hat in seinem Leben schon einiges gemacht: Er war Musiker mit eigener Band, ein erfolgreicher Maler und hat Drehbücher unter anderem für den Tatort geschrieben. Seit Jahren ist er hauptsächlich Schriftsteller.

Der Akustik-Sound von "Dillberg" wird geprägt durch Keyboard und Gesang von Dominik Hinney, unterstützt von Oliver Spiess an der Akustikgitarre und Rolf Scharrer am Kontrabass, die auch mit präzisem, gut dosiertem Background-Gesang überzeugten. Johannes Voltz am Drumset sorgte mit angenehmer Zurückhaltung für die rhythmische Grundlage.

Das Ergebnis erinnerte an den frühen Billy Joel, war aber durchaus eigenständig. Dazu trugen vor allem die selbstgeschriebenen Lieder mit Texten in deutscher Sprache bei. "Dillberg" startete mit "Eisbären weinen nicht" und "Welten", zwei Lieder über die Einsamkeit von Außenseitern, die sowohl thematisch als auch klanglich auf die folgende Lesung einstimmten.

Kurze und lange Jahre

"Die kurzen und die langen Jahre" erzählt von einem Jungen, der sich wünscht, sein pedantischer und liebloser Vater würde sterben, kurz darauf aber plötzlich seine Mutter verliert. Jahre später wird der Vater brutal ermordet. Als er den Haushalt auflöst, erfährt er, dass der Vater homosexuell war und mit seinem Liebhaber zusammen getötet wurde. Diese überraschende Tatsache lässt ihn ganz anders über seinen Vater denken. Außerdem beginnt er eine Beziehung mit der attraktiven Witwe des Liebhabers, die sein Leben völlig verändert.

Thommie Bayer las mit rauchiger Stimme und in dem lakonischen Tonfall, in dem er schreibt. Durch liebevoll geschilderte Details wird die Geschichte geographisch im südlichen Württemberg angesiedelt, einer Gegend, die der Autor offensichtlich sehr gut kennt. Auch die zeitliche Einordnung gelingt mit Hilfe kleiner Nebensächlichkeiten: Nur die Älteren im Publikum konnten sich noch daran erinnern, dass ein Simca ein französisches Mittelklasseauto war. Diese Einzelheiten stören die Geschichte keineswegs, sondern sorgen für die stimmige Atmosphäre, die den Roman kennzeichnet.

Für die richtige Stimmung zwischen den Lesungen sorgte "Dillberg" mit Songs wie "Wenn ich weine, meine Kleine" über einen Mann, der sich darin aufreibt, die Fassade des starken Kerls aufrechtzuerhalten, oder "Ich muss mal wieder mit mir sprechen" über ein kontroverses Selbstgespräch. Mit "Es ist gut so" endete der Abend, bei dem wirklich alles gut war, wie es war.
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