Tipp: Rein in die Kinderschuhe

Jutta Wimmer als Lisa (13): Sie hat keine Lust aufs Lernen. Sie hört viel lieber Musik, schminkt sich und stopft ungesunde Lebensmittel in sich hinein. Und Lisa meint: "Ey, wozu sollte ich das lernen? - Das brauche ich doch nie mehr!" Bild: aja
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
23.03.2015
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Lisa nimmt die Note 5 in Chemie gelassen: "I bin ned faul. I hob blouß Pech g'habt beim Nachdenken." Und sollte sie "a Level downgegraded" werden, wär's auch nicht tragisch. Eltern sehen das natürlich anders. Und einige von ihnen kennen dank Jutta Wimmer jetzt auch Tricks gegen Lernprobleme.

Jutta Wimmer ist Diplom-Pädagogin. Und sie hat ein Buch geschrieben über "Die 10 größten Lernlustkiller". Die thematisiert sie auch in der Krötenseeschule auf Einladung des Elternbeirats des Herzog-Christian-August-Gymnasiums in Zusammenarbeit mit den Leitungen und Beiräten aller Sulzbach-Rosenberger Schulen. Kein Vortrag im üblichen Sinn. Schulkabarett steht auf dem Stundenplan: Entsprechend groß ist das Interesse.

Mama, du bist peinlich!

Das große Auditorium lernt Lisa kennen. "Mensch Mama, du bist vielleicht peinlich!", schimpft die 13-Jährige, als ihre Mutter von "Intelligenznahrung" spricht. Das klingt wie Hundefutter. Und darauf hat die junge Lady nun wirklich keine Lust. Weil's ihre Mutter so übertreibt mit der gesunden, veganen Nahrung, isst sie zweimal wöchentlich im Fastfood-Restaurant, was ganz schön ins Taschengeld geht. Wenn sie zu Hause ist, gilt: "Mama, schreib mir einfach eine SMS wenn es Essen gibt." Anstatt Hausaufgaben zu machen, schminkt sie sich lieber und ernährt sich von fetten Chips und zuckrigem Cola. Was sie auf hat, erfährt Lisa durch Facebook. Aber eigentlich "ist mir das scheißegal." Genauso wie ihre 5 in Chemie.

Klar hat Lisa die Realität überspitzt dargestellt. Aber damit hat Wimmer das Problem beim Namen genannt. Wobei Lisa natürlich auch Peter oder Susi heißen könnte. "Ich will dir helfen, wenn ich kann", bietet die Fachfrau den Eltern im Zuhörerraum musikalisch an. Und ist damit schon bei der Sache: "Wir waren die besten Eltern, bevor wir eigene Kinder bekommen haben. Richtig?".

Wimmer sagt "wir". Sie ist selbst vor 15 Jahren auf den harten Steinboden der Realität gefallen, als ihr Sohn geboren wurde. Sie weiß also genau, wovon sie spricht: "Wir befinden uns nun in der Kampfarena des täglichen pädagogischen Wahnsinns." In ihrem Buch schreibt sie humorvoll und offen über die Hürden des Schullebens und gibt Tipps und Tricks zur Überwindung von Lernproblemen.

Wenn nichts geht: Pause

Dazu müssen die Eltern aber mental ihre Erwachsenenschuhe ausziehen: "Schlüpfen Sie nun wieder in ihre Kinderschuhe - egal, ob Fußballschuhe oder Ballettschühchen." Bevor die Zuhörer in den Prosecco-Modus fallen, sind ein paar Dinge zu klären: "Das Wichtigste ist heute die Mitarbeit, denn ich werde Noten vergeben und ab einer Note 4 breche ich die Veranstaltung ab." So schnell kann es gehen - aus Zuhörern wird eine Schulklasse. Doch was tut man, wenn in Kinderschuhen die Konzentration sinkt? "Da hilft nur eins: Eine Pause", sagt Wimmer.

"Wenn uns alles zu viel wird, machen wir uns doch auch einen Kaffee und atmen tief durch. Genau das brauchen unsere Kinder eben auch." Bevor die Konzentrationskurve auf den Tiefpunkt sinke, sollte man eine etwa 10- bis 15-minütige Verschnaufpause einlegen. Ein guter Zeitpunkt für ein bisschen"Brain-Food", also Gehirnnahrung wie Obst, Gemüse oder ein paar Nüsse.
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