Topfhelm und Lederjacke

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
08.06.2015
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Ein morgendlicher Blick zum Himmel am Sonntag: keine Regengefahr. Also rauf auf das alte Motorrad und ab zum Frühschoppen. In Fichtelbrunn trafen sich die Zweirad-Veteranen der Oberpfalz, und sie kamen alle trocken heim.

Immer mehr Geknatter und Gedröhne im Innenhof des Brauereigasthofs Rahm in Fichtelbrunn: Im Minutentakt trafen die Maschinen aus ganz Bayern ein. Beiwagen, Solo-Motorräder, aber auch seltsame Vehikel wie ein Zweitakt-Krankenfahrstuhl parkten unter dem mächtigen Baum.

Perfekte Maschinen

Der Oberpfälzer Veteranenclub (OVC) veranstaltet einmal im Jahr seinen Frühschoppen mit Teilemarkt, und die vielen Besucher kommen nicht nur wegen der Weißwürste: Hier wird Zweirad-Geschichte lebendig, hier lebt der Mythos vom fast unzerstörbaren Motorrad.

In der Tat, so etwas wird seit Jahrzehnten nicht mehr gebaut. Betrachtet man zum Beispiel staunend die perfekt aussehende BMW R60 aus den 50er Jahren mit ihrem typischen Zweizylinder-Boxer-Motor, dann lässt sich erahnen, welchen Wert seinerzeit solche Maschinen darstellten.

Sie läuft und läuft...

Unverwüstliche, relativ einfache Technik, ein Motor, der noch heute zuverlässig blubbert wie anno dazumal, und ein Seitenwagen, der das Gespann zum Auto-Ersatz im Wirtschaftswunder-Zeitalter werden ließ.

Doch auch die "Neuzeit" zeigte sich vertreten: Eine Moto Guzzi California etwa, sage und schreibe 45 Jahre alt und wie aus dem Ei gepellt, viele DKW-, NSU- oder Zündapp-Motorräder, die sich den Platz teilten mit den Vor- und Nach-Wende-Maschinen aus dem Osten: Java, MZ oder Simson sind inzwischen auch gesuchte Teile. In Fichtelbrunn herrschte "Showtime": Man schlenderte zwischen den Schmuckstücken herum, fachsimpelte, lobte, kritisierte und wusste sich im Benzingespräch ganz unter sich. Jedes alte Motorrad hat seine eigene Geschichte, und oft wurde sie auch erzählt am Sonntagvormittag: Wie lange schon ist die Maschine im Gebrauch, welche Macken, welche Vorteile hat sie, wo kriegt man noch Ersatzteile her?

Ansbach, Forchheim, Bayreuth, aber auch Schwandorf, Neustadt/Waldnaab, Regensburg und Neumarkt - aus ganz Nordbayern und darüberhinaus tuckerten die Oldtimer ins Sulzbacher Gäu. Und wiederum bewies es sich, dass sie eine ganz besondere Clique sind: Zwanglos, ohne Berührungsangst und offen diskutierten die Männer, nicht nur im gesetzteren Alter, über ihre Lieblinge.

Ab in die Garage

Dann hieß es wieder: Topfhelm auf, Lederjacke zu, ein beherzter Tritt auf den Kickstarter und ab zur heimischen Garage. Bei den meisten dürfte sich der Oldtimer auch dort nicht allein fühlen, denn sie haben immer noch ein Schnauferl in Reserve.
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