Tourismusreferent Hubert Zaremba beklagt für Landkreis nachteilige Zählweise
Sogar viel mehr Übernachtungen

Eine vierköpfige Familie, die eine Woche Ferienwohnungsurlaub auf dem Bauernhof macht, generiert 28 Übernachtungen, die jedoch ... nirgends erscheinen.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
04.12.2014
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Eigentlich sagen die Zahlen ja aus, dass der Landkreis eine beliebte Urlaubsregion bleibt: Bis Ende September waren es mehr als 213 000 Übernachtungen (ein Plus von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr), allein im August 40 500. Der Tourismusreferent des Landkreises, Hubert Zaremba, hat laut Pressemitteilung des Landratsamtes mit diesen Zahlen des Bayerischen Landesamtes für Statistik dennoch ein Problem. Für ihn sind sie ein "unzuverlässiges Maß und spiegeln niemals die wahren Verhältnisse wider".

Laut Zaremba unterscheidet die Statistik nämlich nicht zwischen Urlaubsgästen und Geschäftsreisenden. "In der Stadt Nürnberg zählen etwa drei Viertel der Übernachtungsgäste als Geschäftsreisende. 24 Prozent aller gewerblichen Übernachtungen werden allein durch Messebesucher generiert."

Erst ab zehn Betten

In der Statistik tauchen laut Zaremba außerdem nur die Beherbergungsbetriebe mit mindestens zehn Betten und Campingplätze auf. Eine kleine Pension mit neun Betten erscheint in den offiziellen Zahlen also ebenso wenig wie eine Ferienwohnung. Und erfahrungsgemäß bleiben Gäste in Ferienwohnungen länger als in einem Hotel. Eine Gästebefragung im Landkreis aus dem Jahr 2009 zeigt beispielsweise, dass die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Urlaubern in einer Ferienwohnung etwa doppelt so lang ist wie die von Hotelgästen. Zaremba rechnet weiter: "Eine vierköpfige Familie, die eine Woche Ferienwohnungsurlaub auf dem Bauernhof macht, generiert 28 Übernachtungen, die jedoch nicht statistisch erfasst werden und somit nirgends erscheinen. Die tatsächlichen Übernachtungszahlen in Regionen, in denen touristische Kleinbetriebe dominieren, liegen demnach wohl um ein Vielfaches über den offiziellen statistischen Zahlen. Das dürfte auch bei uns so sein."

Neue Radwege

Vor allem Aktivurlaube beleben seit Jahren das Tourismusgeschäft im Landkreis. "Wandern, Radeln und vor allem Klettern liegen bei uns hoch im Kurs", sagt Zaremba, "aber auch aufgrund der kulinarischen Genüsse kommen Gäste gerne ins Amberg-Sulzbacher Land und übernachten hier." Künftig will der Landkreis noch mehr (Aktiv-)Urlauber anlocken. Dazu wird unter anderem das Radwegenetz komplett überarbeitet.

An die Betriebe appelliert Zaremba, in Qualität zu investieren. Denn auch die habe "einen nicht zu verachtenden Einfluss auf die Zahlen". Schließlich wissen die Gäste aufgrund ihrer Reiseerfahrung, was sie für ihr Geld erwarten dürfen und was als Ausstattungsstandard gelten darf. "Schlechte Qualität führt zu sinkender Nachfrage und damit zu weniger Übernachtungen", stellt der Tourismusreferent die einfache Rechnung auf. Und auch die Internetpräsenz sowie die Möglichkeiten der Online-Buchung seien wichtige Instrumente, Gäste zu gewinnen, meint Zaremba.
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