Traum, aber keine Traumtänzer

Nach der Begrüßung im Rathaussaal standen Rede und Antwort: Seminarleiter Werner Benker (rechts) und dessen Vertreter Thomas Lehner (links) sowie die Neulinge (von links) Marina Miedaner, Philipp Geitner und Angela Greller. Bild: Gebhardt
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
29.04.2015
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Der Weg zum Traumberuf ist mitunter reichlich verschlungen. 110 künftige Polizisten glauben, ihn in Sulzbach-Rosenberg gefunden zu haben. Unter ihnen auch junge Menschen, die schon Erfahrungen in anderen Bereichen der Arbeitswelt gesammelt haben - sich jetzt aber neu orientieren, so wie die verheiratete Mutter zweier kleiner Kinder.

Noch kommen auf eine Stelle sieben Bewerbungen - so begehrt ist der Polizeiberuf noch immer. Doch auch in diesem Bereich macht sich der demografische Wandel in der Gesellschaft bemerkbar: "Langsam fehlt es an der Masse", schilderte am Dienstag der stellvertretende Seminarleiter, Hauptkommissar Thomas Lehner, unmittelbar nach der offiziellen Begrüßung der neuen Bereitschaftspolizeikräfte im Rathaussaal die aktuelle Situation.

Mindestalter 17 Jahre

Sein Vorgesetzter und Seminarleiter, Erster Hauptkommissar Werner Benker, pflichtete ihm bei. Zugleich informierte er darüber, dass bei der Polizei die Anstrengungen für die Werbung von Personal verstärkt würden, um nicht ins Hintertreffen zu geraten. Als Beispiel nannte er die Tendenz, Schulabgängern Praktika anzubieten. Auf diese Weise käme man an Interessenten heran, für die sich das Mindestalter von 17 Jahren bisher als Hindernis auftut.

Als Beispiel dafür saß der 22-jährige Philipp Geitner mit in der Runde. Der Amberger wäre schon gleich nach der Realschule zur Polizei gegangen - nur, da war er schlichtweg noch zu jung. So begann er die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten bei der Bundeswehr in seiner Heimatstadt und hatte daran durchaus auch seine Freude, schließlich arbeitete er dort noch über zwei Jahre in der Personalabteilung. Doch bald stand für ihn fest: "Bis zu Rente wollte ich das nicht machen."

Einer von fünf Bewerbern

Mit diesem Gedanken im Kopf, nicht zuletzt aber auch die sich ihm eröffnenden Aufstiegschancen vor Augen, sattelte er um und absolvierte den Einstellungstest. Für diesen kann man derzeit davon ausgehen, dass von fünf angetretenen Kandidaten gerade mal ein Bewerber genommen wird. Philipp Geitner ist dabei.

Ebenso mit von der Partie ist im gerade aufgestellten 26. Ausbildungsseminar Marina Miedaner. Sie kommt aus einem Ort in Niederbayern und steht mit beiden Beinen mitten im Leben - sonst hätte sie wohl kaum das Staatsexamen für Lehramt an Realschulen für die Fächer Mathematik und Physik gemeistert. Doch statt als 24-Jährige im Klassenzimmer den naturwissenschaftlichen Unterrichtsstoff an Heranwachsende zu vermitteln, zieht sie nun lieber die (noch grüne) Uniform an.

Uni vor Kaserne

"Ich wollte schon vor dem Abitur zur Polizei", plauderte sie gestern aus dem Nähkästchen. Zugleich gestand sie ein: "Aber ich hatte vor der Einstellungsprüfung Angst und gedacht, die bestehe ich sowieso nicht." Also ging es zunächst zur Uni, statt in die Bepo-Kaserne. Nach dem Studium, mit dem Staatsexamen in der Tasche, sah Miedaner sich jedoch auf der sicheren Seite und wagte den Sprung auf das Einstellungskarussell für künftige Ordnungshüter. Ein Entschluss, zu dem sie nun absolut steht: "Ich freue mich auf all das Schöne, was in der Ausbildung jetzt auf mich zukommt", bekannte sie.

Damit befindet sie sich in bester Gesellschaft mit Angela Greller. Die verheiratete Mutter zweier kleiner Kinder (zweieinhalb und vier Jahre) nimmt die Ausbildung bei der Polizei in Vollzeit auf sich. Auch wenn ihre Kleinen da zunächst eher skeptisch waren: "Inzwischen sind meine Kinder schon begeistert, dass ich bei der Polizei bin. Am Anfang war das noch nicht so." Da aber sowohl die Eltern als auch ihr Ehemann (Schichtarbeiter bei BMW) daheim mit zupacken, sieht sie kaum Probleme, den Spagat zwischen Mutter und künftiger Polizistin zu meistern: "Es ist halt mein Traumberuf. Und ich weiß, was mich erwartet", schilderte die 27-Jährige ihre Situation.

In der Praxis sehe das seit dem 1. März so aus, dass sie zwischen ihrem Wohnort und Sulzbach-Rosenberg pendelt: "Wenn ich nach Hause komme, geht's mit den Kindern oft in den Garten und wenn sie später nach dem Abendessen im Bett sind, setze ich mich hin und lerne."

Väter schon öfter

Eine Bewerberin mit diesen Voraussetzungen war bei der Bepo in Sulzbach-Rosenberg bis dato noch nie eingestellt worden, ließ Seminarleiter Benker am Dienstag wissen und fügte hinzu: "Junge Väter hatten wir schon öfter." Dennoch werde Angela Greller keinen Sonderstatus erhalten, versicherte der erfahrene Ausbilder.

Und die Betroffene selbst fügte hinzu: "Das würde ich gar nicht wollen." Sprach's und ergänzte, dass ihr vorheriger Beruf als Einzelhandelskauffrau in einem Regensburger Juweliergeschäft "nicht alles gewesen sein kann, was ich machen will".
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