Trotz Tücken alles im Griff

Geiger Zongiun Li und Pianistin Natalja Levitskaya bestritten mit einer César-Franck-Sonate das Konzert-Finale.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
16.08.2015
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Anspruchsvolle Kammermusik leicht gemacht: Wahrlich keine einfache Aufgabe, die sich die Studenten des Sulzbach-Rosenberg International Music Festival (SRIMF) für ihren zweiten und zugleich letzten Auftritt im Rathaussaal gestellt hatten.

Mit der unerlässlichen Portion Leidenschaft für die Musik, unzähligen Übungseinheiten und Hilfen aus dem reichen Erfahrungsschatz der SRIMF-Professoren glückte jedoch auch dieses ambitionierte Vorhaben. Schon der Blick aufs Programm machte dem sehr zahlreichen Publikum im Rathaussaal deutlich, dass an diesem Abend kein oberflächliches Renommieren im Vordergrund stand. Weil die jungen Künstler jedoch im Griff hatten, was sie präsentierten, verlor auch so mancher "schwierige" Tonkünstler seine vermutete "Schwere".

Pfiffig ging es schon los mit dem jungen Evan Pyne an der Violine. Zusammen mit seiner Klavierpartnerin Ellen Annor-Adjei beherrschte er Modest Mussorgskys "Topak" so gut, dass noch genügend Luft für eine charmante Präsentation blieb.

Ergriffene Hingabe

Die Tücken in "Les Collines d'Anacapri" und "General Lavine" von Claude Debussy ließ sich auch Pianist Xinyi Gu nicht im geringsten anmerken. Gleiches bleibt für Geiger Matthew Madonia anzumerken, der sich bei seinem zweiten Solo-Auftritt vor SRIMF-Konzertpublikum mit ergriffener Hingabe einer Sonate von Eugène Ysae widmete. "Kennen Sie Brahms?", fragten musikalisch Klarinettist Kevin Vorabout und Pianistin Natalia Levitskaya. Die gebotene Es-Dur-Sonate hätte man so nicht unbedingt bei dem großen deutschen Komponisten angesiedelt, ein sich erweiternder Horizont gehört aber neben der Unterhaltung zu den schönen Effekten solcher Abende.

Pulsierend, wogend und in allen emotionalen Farben gaben sich Matthew Madonia, Cellistin Caitlin McConnell und Pianist Lucas Arcizo dem "Trio Élégiaque" von Sergej Rachmaninow hin und setzten damit den dramatischen Höhepunkt des ersten Konzertteils.

Ludwig van Beethovens Sonate Nr. 8 schraubte in der Mischung aus jugendlichem Enthusiasmus der Violinistin Allison Pao und erfahrener Souveränität der Klavierpartnerin Levitskaya die Euphorieskala zu Beginn der zweiten Hälfte auf ein hörenswertes Maß.

Margaret Dagon (Geige), Caitlin McConnell und Jesse Pierson (Klavier) drehten mit einem leidenschaftlich interpretierten Klaviertrio aus dem Schatz von Felix Mendelssohn Bartholdy weiter am Spannungs-Rädchen. Letzteres trieb Zongiun Li mit wandlungsfähigem Mienen- und kunstfertigem Geigenspiel an der Seite der markant agierenden Levitskaya mit einer César-Franck-Sonate auf finale Höhe.

Lied ohne Worte

Für höchst willkommene Farbtupfer zwischen all den Instrumentalisten sorgten die Gesangseinlagen. Suran Oseitutu nutzte ihren Mezzosopran allerdings ebenfalls rein instrumental, um in Sergej Rachmaninows "Vocalise", einem Lied ohne Worte, zu schwelgen. Ebenfalls von Jesse Pierson am Flügel begleitet, erfreute Sopranistin Melissa Walker mit angenehmem Timbre und frei von überzogener Theatralik mit "Fair Robin I love" aus der Oper "Tartuffe".
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