Turm über Lok und Wagen

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
09.06.2015
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Es geht wohl um eine Viertelmillion Euro. Plus jährlichem Unterhalt in noch unbekannter Höhe. Das wären voraussichtlich die Kosten für eine Sanierung des Förderturms am Annaschacht samt Umfeld. Bürgermeister Michael Göth antwortet unserer Zeitung auf Beschwerden des Bergknappen-Chefs Armin Kraus.

Der Vereinsvorsitzende hatte kürzlich in der SRZ den Umgang der Stadt mit dem Erbe kritisiert. "Die Bewahrung der Industrie- und Bergbaugeschichte liegt uns sehr am Herzen", schickt das Stadtoberhaupt voraus. Immer wieder habe die Stadt in Zusammenarbeit mit dem Bergknappenverein Traditionen bewahrt und in die Zukunft transportiert. Göth lobte ausdrücklich die Verdienste des Bergknappenvereins um den Traditionserhalt: Stadtmuseum, Bergbau-Pfad, Schaustollen und vieles mehr. Auch viele Straßennamen erinnerten an die Bergbau-Vergangenheit.

Schätzung verdreifacht

Speziell zum Thema Förderturm und Umfeld erinnerte der Bürgermeister daran, dass bereits vor Jahren ein Gutachten angefertigt worden sei, das eine Sanierung für rund 60 000 Euro zum Gegenstand hatte - "das hat sich als unrealistisch erwiesen!" Angesichts der fortschreitenden Korrosion und des Umfeldes gehe man inzwischen von 190 000 Euro für den Turm und 60 000 für das Umfeld aus, also eine runde Viertelmillion. Dazu kämen jährliche Unterhaltskosten.

"Wir wollen den Turm sanieren, dauerhaft erhalten und das Umfeld zugänglich machen", erklärte auch Diplom-Ingenieurin Christine Schaller-Kokesch vom Stadtbauamt. Allerdings suche man nach einer etwas kostengünstigeren Sanierungslösung. Der TÜV Rheinland sei mit dem neuen Gutachten über Schäden und Standsicherheit beauftragt, das noch für Juni erwartet werde. "Dann haben wir Klarheit über Sanierungs- und Unterhaltskosten."

Turm wird abgespeckt

Klar sei schon eines: Möglichst viele Teile der Stahlkonstruktion müssen abgeschraubt und separat in einer Halle sandgestrahlt und lackiert werden. Aus Kostengründen werden nicht alle wieder montiert, nur die für die Statik notwendigen Stücke, der Rest wird gelagert. Das spart Mittel, die für die Sanierung des Gesamtbauwerks eingeplant sind.

Eine komplette Bearbeitung des Turmes nach Einhausung vor Ort wäre aus Umweltschutz-Sicht nicht sinnvoll, das stehe eindeutig fest.

"Im Haushalt 2016 sind 250 000 Euro eingestellt", teilte Michael Göth mit. Die Stadt prüfe auch noch eine Co-Finanzierung durch den Denkmalschutz für das Umfeld. Dort sollen, laut Plan der Stadt, dann auch eine Lok und zwei Wagen auf dem Restgleis aufgestellt werden.

Schautafel und Sitzecke komplettieren das Angebot. Der Turm selbst wird wohl nicht öffentlich zugänglich sein, zu groß seien die Auflagen in punkto Sicherheit. Wann soll das alles passieren? "Wir rechnen schon mit einer Realisierung im Jahr 2016", kündigte der Bürgermeister an. Zuvor wird allerdings das Gutachten noch im Stadtrat vorgestellt. Göths Botschaft: Die Stadt tut sehr wohl etwas zum Erhalt der Bergbau-Tradition. Das nächste Jahr wird es zeigen.
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