Turnhallen-Tage sind gezählt

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
13.10.2015
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Nach den 100 Flüchtlingen, die im September mal aus der Realschulturnhalle in Sulzbach-Rosenberg verschwunden sind, wird Landrat Richard Reisinger heute noch oft gefragt. Im Kreisausschuss erklärte er, warum viele der eintreffenden Syrer durch nichts hier zu halten sind.

Das hänge zum einen damit zusammen, dass die Busse, die in Sulzbach-Rosenberg eintreffen, von der Grenzpolizei in Eile zusammengestellt werden mussten und deshalb familiäre Bindungen nicht berücksichtigt worden seien. Die Leute wollten aber möglichst schnell (wieder) zu ihren Verwandten oder in die Großräume wie Berlin und Köln, in denen schon viele Landsleute seien.

Zum anderen wüssten die Flüchtlinge, dass sie "grundsätzlich noch freizügig" seien, solange sie nicht registriert sind. Wer noch weiter will, macht sich also schnell wieder auf die Socken, ehe ihn die Registrierung zwingt, in einem Landkreis zu bleiben, in dem er von seinen Verwandten weit weg ist. In der Realschulturnhalle variierte deshalb laut Reisinger "die Verweildauer zwischen fünf Minuten und dreieinhalb Wochen". Allen, die sofort weiter wollten, habe man aber ans Herz gelegt, sich wenigstens eine Nacht lang hier zu erholen.

Keine Stunde ausgefallen

Die Tage der Realschulturnhalle als Notunterkunft sind ohnehin gezählt - "obwohl keine einzige Schulsportstunde ausfiel", wie Reisinger anmerkte. Sie hätten lediglich in anderen Hallen abgehalten werden müssen. Doch ab dem 18. Dezember plant der Landkreis mit dem Umzug der Notfalleinrichtung in den leerstehenden Bauhallen-Trakt der Staatlichen Berufsschule in Sulzbach-Rosenberg. "Letzte Woche kam der Zuwendungsbescheid der Regierung. Da wird jetzt schon fleißig gebaut", sagte Reisinger. In einem zweiten Schritt könnte der Landkreis im Bereich des ehemaligen Holzlagers der Berufsschule Notfallunterkünfte in nachhaltiger Bauweise errichten. Die ließen sich später als Wohnungen für Flüchtlingsfamilien nutzen und in fernerer Zukunft als Schülerwohnheim oder als Büros.

Notlösung Supermarkt

Bevor Hubert Saradeth vom Gebäudemanagement des Landkreises auf die Idee mit der Berufsschule kam, habe man sich sogar leerstehende Supermärkte angeschaut, gestand Reisinger. "Die Notlage war brisant." Zelte, Traglufthallen oder Container wolle man im Landkreis unbedingt vermeiden. Denn mit lauter festen und beheizbaren Unterkünften brauche man auch keine Angst vor dem Winter zu haben.

"Die Solidarität der Gemeinden ist vorhanden", lobte der Landrat die Aufnahmebereitschaft der Kommunen. Wer weniger Wohnungen anbieten könne, engagiere sich anderweitig, zum Beispiel im Schulbereich. Hier hakte Winfried Franz (SPD) ein: Der Schulverband Neukirchen-Königstein könne Räume für Übergangsklassen anbieten, doch sei es dabei wünschenswert, wenn die zuständigen Stellen die bürokratischen Vorgaben in Bezug auf die Klassenstärke flexibel handhabten. Sofortigen Deutschunterricht für Flüchtlinge durch bisher nicht angestellte Lehrer, wie Michael Birner (ÖDP) vorgeschlagen hatte, wird es laut Reisinger nicht geben: "Den bekommen wir nicht erstattet."
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