Um das Fest "Darstellung des Herrn" rankt sich jede Menge Brauchtum - Wachsstöcke als wertvolle ...
Licht in winterlicher Dunkelheit

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
04.02.2015
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Ein schönes, langes Winterwochenende mit Zeit für Ruhe, Familie und Freunde. Früher wäre das in dieser Woche möglich gewesen, denn bis 1929 war der 2. Februar - heuer der Montag - ein offizieller Feiertag. Und mit Lichtmess, einst einem der großen Kirchenfeste im Jahr, verbindet sich bis heute noch viel Brauchtum.

Der Festinhalt hat sich im Laufe der Zeit verändert - vom "Fest des Begegnung des Herrn" zum Fest "Mariä Reinigung" in Erinnerung an die jüdischen Reinigungsvorschriften.

Abschluss der Festzeit

Seit 1969 heißt "Mariä Lichtmess" nun "Darstellung des Herrn" und bildet den Abschluss des weihnachtlichen Festzeit.

Lichtmess ist ein Fest des sich wieder mehrenden Tageslichts. Traditionell werden an diesem Tag die Kerzen für das ganze Kirchenjahr geweiht. Neben den Kerzen für die Kirche wurden früher auch noch geweiht: weiße Kerzen für die Taufe, rote für die Frauen, Kerzen für die Erstkommunion und die letzte Ölung, Opferkerzen für die armen Seelen, schwarze Wachsstöcke für die Dienstboten und ein roter Haus-Wachsstock.

Lichtmess als Lostag

Zu Hause brannten an Lichtmess eben so viele Lichter wie Beter in der Stube waren, ebenso ein Licht für die Vergessenen und jeden noch bekannten Toten und eine Kerze für alle, die einmal im Haus gelebt hatten. Der Lichtmesstag war traditionell der Tag des Abschieds und Neubeginns. Wenn der Bauer bis zum Lichtmesstag keine "Kündigung" ausgesprochen hatte, galt der Arbeitsvertrag für Magd und Knecht um ein Jahr länger.

Mit dem Lichtmesstag begann auch die sogenannte "Schlenklwoch", die Urlaubswoche für alle Dienstboten. Knecht und Mägde wechselten an diesem Tag ihre Stellung, und so entstanden Dienstboten-Treffen, verbunden mit Tanz. Zum Abschied gab es von der Bäuerin ein Festessen, damit ihr Hof in guter Erinnerung blieb.

Mägde fanden in den Oberbetten der Knechte einen Wachsstock oder ein anderes Geschenk versteckt. Es war der Dank dafür, dass sie ihm das ganze Jahr hindurch den Strohsack aufschüttelten. Mussten sie im Strohsack allerdings erst lange nach dem Wachsstock suchen, so bedeutete dies, dass sie die Betten nicht ordentlich gemacht hatten.

"Dirn i hob Dir an Wachsstock gebn, jetzt muast mi meng". Eine große Rolle spielte der Wachsstock auch in der Liebe. Je größer die Liebe war, desto prachtvoller fiel der Wachsstock aus. Mütter gaben ihren unverheirateten Töchtern am 2. Februar ebenfalls einen Wachsstock. Als verheiratete Bäuerin stellte die Tochter dann diese Prachtstücke in den Glasschrank der guten Stube als immerwährendes Zeichen schöner Erinnerungen.

Die Prachtstücke unter den Wachsstöcken wurden nie angezündet. Im Gegenteil, man steckte sie sorgfältig zwischen die kunstvoll gelegten Leinwandballen und geflochtenen Flachsdocken des Aussteuerschrankes. In der Brautausstattung einer niederbayerischen Großbauerntochter gehörte 1874 "ein ganzer Korb voll Wachs, wenigstens 25 Pfund". Das waren die Lichtmessgeschenke der Mutter.

Bräuche zum Feiertag

Ließ sich beispielsweise der Bauer zu Lichtmess die Haare schneiden, sollte dies für das kommende Jahr Wachstum auf den Feldern bringen. Unheil hingegen brachte es dem Hof, wenn die Handarbeit nicht niedergelegt wurde. Und den Spinnerinnen würde Böses widerfahren, wenn der Rocken des Spinnrades bis zum Lichtmesstag nicht abgesponnen war. Geflickt und gestrickt sollte auch nicht werden, sonst würden die Hühner keine Eier legen.

Heruntergetropftes Wachs galt als segensreich. Drei Tropfen Wachs einer geweihten Kerze ließ man auf Brot träufeln und gab es Vieh und Kindern zu essen. So sollte man vor Krankheiten geschützt sein. Kindern, die am Lichtmesstag geboren sind, wurde hellseherische Begabung nachgesagt.
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