Umsatz mit der Ochsenfiesel

Ob stahlhart oder daunenweich - wer Bürsten braucht, der ist hier richtig. Beim Lichtmess-Markt in der Sulzbacher Altstadt gab es am Sonntag jede Menge Haushaltswaren, auf die die Stammkunden schwören. Bild: Steinbacher
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
08.02.2015
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Mit solchen Geräten kann man aus dem Vollen schöpfen: Löffel aus Holz bot ein Händler in der Neustadt an. Bild: Steinbacher

Die Tradition lebt: Menschenmassen drängten sich beim Lichtmessmarkt durch die Sulzbacher Altstadt. Zwischen Reiserbesen und langen Unterhosen feilschten Fieranten und Kunden wie anno dazumal.

Von der Marienkirche herüber klingen die Gesänge der Gottesdienstbesucher. Draußen bauen die Marktleute ihre Buden auf. "Und - wie war's beim Rossmarkt in Berching?", fragt der Sockenhändler den älteren Herrn hinter Gewürztheke in der Nachbarbude. "Saukalt war's", entgegnet der. "Da is nix ganga." In Sulzbach, mutmaßt er, werde es heute besser klappen. Die Sonne blinzelt heraus. Der Mann sollte recht behalten.

Bei Wind und Wetter

Zwischenzeitlich treiben den Fieranten dichte Schneeschauer und eiskalte Windböen die Sorgenfalten auf die Stirn. "Des is da Böihmische", klärt Messerverkäuferin Inge Schwaiger aus Hengersberg (Kreis Deggendorf) den Mann auf, der nebenan gerade die Plane seines Verkaufsstandes festhält, damit sie der Wind nicht mitnimmt. "Egal wie das Wetter wird, Sulzbach ist auf jeden Fall ein gutes Pflaster", erklärt die Niederbayerin, die nun schon seit 30 Jahren die Jahrmärkte in der Stadt beschickt. "Solinger Stahlwaren" hat sie im Angebot - vom Fingernagelzwicker bis zum Fleischermesser. "Die echten Marktleute kennt man gleich", sagt sie. "Das sind die, die sich auch bei Wind und Wetter rausstellen."

Bilder von Wolfgang Steinbacher

Mittlerweile gebe es in ihrer Zunft sehr viele Schönwetter-Kollegen. "Die kommen nur, wenn sie Lust haben." Das räche sich meistens bald, "weil ihnen die Erfahrung fehlt und sie keinen Kundenstamm aufbauen können". Inge Schwaiger kann in Sulzbach auf alte Bekannte bauen, obwohl sie nur drei Mal im Jahr - an Lichtmess, am Weißen Sonntag und zu Martini - in der Stadt weilt. Eine jüngere Frau, die sich für Scheren interessiert, begrüßt sie mit Handschlag. Von ihrem Mann, dem Firmenchef, hat sie diesmal nur einen Gruß mitgebracht. Ein hölzernes Schild mit dem Reim: "Vom Nordpol bis zum wilden Westen - Josefs Messer sind die besten!" baumelt über der Kasse.

Bei den Werbesprüchen lassen sich die Fieranten des Lichtmess-Marktes nicht lumpen. "Hier läuft die Ware nicht vom Band, wir backen noch mit Herz und Hand", steht auf einem Plakat eines mobilen Backofens, aus dem am Nachmittag der Duft von frischem Flammkuchen quillt. Bei einer Bude, in der Rosenquarz- und Bernsteinbrocken im Sonnenlicht schimmern, heißt es: "Gegen jedes Zipperlein gibt es einen schönen Stein."

Des Bullen bestes Stück

Die Sonne ist herausgekommen und Christian Pscheidt aus Neustadt an der Waldnaab atmet auf. "Jetzt wird's besser", hofft er auf einen Verkaufsendspurt. Pscheidt ist mit einem ganzen Bündel von Ochsenfieseln angereist. Damit sie jeder sieht, hat er die Tonne, in der sie stecken, mitten in die Straße hineingestellt. Ein junger Mann mustert die etwa einen Meter langen, ledernen Gerten, fragt, was das sei. "Nicht neidisch werden", antwortet Pscheidt verschmitzt. "Das sind getrocknete Bullenpenisse." Ein paar davon bringt er los. Den Großteil seiner Ware - getrocknete Rinderkopfhaut, Bullenpansen oder auch Lamm-Ohren - nimmt er wieder mit nach Hause. "Macht nix. Das Zeug ist lange haltbar."

Mehr als 50 Verkaufsstände sind in der Sulzbacher Altstadt aufgebaut. Die Zahl der Marktbesucher dürfte in die Tausende gehen. Inge Schwaiger von der Messer- und Scherenbude verbucht den Tag als vollen Erfolg. "Ich komme gern nach Sulzbach", sagt sie. "Die Leute hier sind uns über all die Jahre treu geblieben."
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