Unbeugsam und starrsinnig

Dr. Klaus-Peter Todt referierte im großen Rathaussaal über das byzantische Reich und die Grafentochter Bertha aus Sulzbach. Bild: cox
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
16.10.2014
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Es geht um nicht weniger als die spannende Lebensgeschichte der Grafentochter Bertha von Sulzbach. Die politischen Hintergründe ihrer Vermählung mit dem byzantinischen Kaiser Manuel. Und das politische Beziehungsgeflecht der damaligen Zeit.

Das waren die Schwerpunkte bei einem Vortragsabend im großen Rathaussaal mit Dr. Klaus-Peter Todt aus Wiesbaden, deutscher Byzantinist und Privatdozent am Historischen Seminar der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz.

Konflikte mit Abendland

Dr. Todt lenkte die Aufmerksamkeit anhand einer Übersichtskarte auf die Entstehung des Byzantinischen Reiches sowie die späteren Anstrengungen, die Außengrenzen des Ostreiches gegen einfallende Truppen zu verteidigen. Der Bogen der Themenschwerpunkte spannte sich bis hin zur Vermählung der Sulzbacher Grafentochter Bertha mit dem byzantinischen Kaiser Manuel.

"Hauptziel des damaligen Kaisers Johannes II. Komnenos, 1118-1143, war die Zurückdrängung der Türken in Kleinasien, die Rückeroberung der von den Kreuzfahrern besetzten ehemals byzantinischen Gebiete im Nahen Osten und die Anerkennung der Oberherrschaft des byzantinischen Kaisers durch die Regenten der Kreuzfahrerstaaten. Dies führte zwangsläufig zu Konflikten mit dem Abendland", erzählte Dr. Todt.

Zwei Töchter, keinen Sohn

Kaiser Johannes sei stets der Meinung gewesen, so führte Dr. Todt weiter aus, dass Byzanz starke Partner im Westen brauche. Um eine Erneuerung des Bündnisses der Reiche im Osten und Westen anzutragen, erschien 1140 eine byzantinische Gesandtschaft auf dem Reichstag in Frankfurt und bat um eine deutsche Prinzessin als Braut für den vierten Sohn des Kaisers, Manuel Komnenos.

Da der damalige König Konrad III. keine heiratsfähige Tochter hatte, wählte er seine Schwägerin Bertha, die jüngere Schwester seiner Gemahlin Gertrud, Tochter des Grafen Berengar I. von Sulzbach und seiner Gemahlin Adelheid, für den Sohn des oströmischen Kaisers aus. Bertha von Sulzbach kam im Sommer 1142 über Venedig nach Konstantinopel. Sie wurde bei ihrer Ankunft sehr prachtvoll von ihren zukünftigen Schwägerinnen empfangen. Ihr Bräutigam war mit einem Heer unterwegs nach Syrien.

"Im gleichen Jahr starben die ältesten Kaisersöhne des Herrschers. 1143 verletzte sich Johannes II. Komnenos auf der Jagd an einem vergifteten Pfeil. Bevor er starb, designierte er auf dem Totenbett den Bräutigam der Bertha von Sulzbach, zu seinem Nachfolger als Kaiser".

Weil Bertha für einen Kaiser als Grafentochter keine adäquate Braut sein konnte, adoptierte König Konrad III. seine Schwägerin, so dass sie Manuel als Königstochter einigermaßen ebenbürtig wurde. Schließlich heiratete Manuel im Januar 1146 die Grafentochter. Bertha hatte in den schwierigen Jahre der "Wartezeit" und Ungewissheit vor ihrer Vermählung den in der Kaiserfamilie verbreiteten Namen Eirene (Irene) erhalten und sich der griechischen Sprache und Literatur gewidmet. Die Vermählung besiegelte das Bündnis zwischen dem Stauferreich und Byzanz.

Kein inniges Verhältnis

Da Bertha-Eirene sich zwar schnell in das Hofzeremoniell einlebte, aber nicht den byzantinischen Vorstellungen von weiblicher Schönheit zu entsprechen schien, war das Verhältnis des Kaiserpaares kein inniges, berichtete Dr. Todt. Ihre Unbeugsamkeit und Starrsinnigkeit wurde von den damaligen Chronisten deutlich beschrieben. Dazu kam, dass Bertha ihrem Gatten keinen männlichen Erben schenkte, sondern zwei Töchter gebar, Maria und Anna. Manuel gewährte ihr jede Ehre, jedoch die Ehre des Ehebettes verletzte er oft.

Kaiserin Bertha-Eirene starb Anfang 1160 in Longoi bei Konstantinopel an einem Fieber und fand ihre letzte Ruhestätte im Pantokrator-Kloster.
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