Und er hat doch gespielt!

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
12.08.2015
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Konzerte gibt der legendäre Starpianist Alfred Brendel schon seit einer Weile nicht mehr. Mancher Besucher seines SRIMF-Vortrags brachte dennoch die vage Hoffnung mit, zu den Worten über die letzten Sonaten Schuberts klingende Beispiele zu hören. Das hat sich erfüllt.

Definitiv eine Sternstunde für die Gäste des Sulzbach-Rosenberg International Music Festivals (SRIMF) - und für den Rathaus-Flügel. Nach den Vorgaben des Meisters gestimmt, erblühte er in ungeheuerlichen Klangfarben.

Englisch fürs Fachpublikum

"Manchmal gibt es im Leben gute Gelegenheiten, manchmal schlechte, manchmal überhaupt keine - und heute eine wunderbare", befand SRIMF-Musikdirektor Misha Quint bei der Ankündigung seines Coups, der Herzogstadt dieses einzigartige Gastspiel zu bescheren. Aus Respekt vor dem eigentlichen Publikum, den SRIMF-Professoren und -Studenten, referierte der in Österreich geborene, aber schon seit Jahrzehnten in England beheimatete Alfred Brendel denn auch in Englisch.

"Hoffentlich bereut"

Vor 150 Jahren hätte es keinen Vortrag zu diesem Thema gegeben, begann der hochdekorierte Musiker seine eindringliche Fürsprache für die letzten von Franz Schubert komponierten Sonaten. Sie entstanden zwischen Mai und September 1828. Diesen Werken blieb, völlig zu Unrecht, noch lange danach die gebührende Wertschätzung vorenthalten. Selbst der posthum vom Verleger zum Widmungsträger erkorene Robert Schumann zeigte sich enttäuscht. "Hoffentlich hat Schumann seine Worte und Einschätzung später bereut", kommentierte Brendel.

Der mit allen Wassern pianistischen Ruhms gewaschene Maestro rühmte die Kollegen Artur Schnabel und Eduard Erdmann für ihre in den 20er- und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts getroffene mutige Entscheidung, auch die Schubert-Sonaten aufzuführen. Er verschwieg dabei jedoch etwas Wesentliches: Wie schon von Kritiker-Papst Joachim Kaiser attestiert, zählt es vor allem zur Lebensleistung Brendels, dass diese Meisterwerke mittlerweile zum gängigen, geschätzten Kanon der Klavier-Literatur gehören.

Nachdem Schuberts Stellenwert an sich und der seiner letzten Sonaten im Besonderen ins rechte Licht gerückt waren, griff Alfred Brendel also auch selbst in die Tasten. Damit bannte er magisch das gesamte Publikum, das zuvor schon an seinen Lippen gehangen hatte. Selbstverständlich blieben diese Momente musikalischen Glücks kurz bemessen - der Pianist hat sich schon lange von der Konzertbühne zurückgezogen.

Stummes Mitspielen

Für längere Demonstrationspassagen griff Brendel auf seine konservierten Aufnahmen zurück. Zwar vermochten sie an Strahlkraft nicht ganz mit dem Live-Erlebnis mitzuhalten, aber dennoch zeigten sie klar, was er an Einzelheiten innerhalb der Sonaten herausarbeiten wollte. Immerhin ließ sich auch bei den Einspielungen gut beobachten, wie bewegt Brendel immer noch von Schuberts Sonaten ist. Sein stummes Mitspielen verriet seine tiefe Verbundenheit mit seiner Berufung und seine mindestens ebenso tiefe Verneigung vor dem viel zu früh verstorbenen Genie.

Und was bereits zu Beginn des Vortrags klar herausgestrichen wurde, bildete zugleich den Schlusspunkt: Die Hochachtung vor Schuberts Kunst, schwer krank und kurz vor dem Tod noch Musik mit verstörenden, ja panischen Momenten, aber auch voller Glück, Licht und Harmonie zu schaffen.

SRIMF hat "gut gepasst"

Rund um seinen Auftritt mochte der SRIMF-Stargast übrigens keine Interviews geben, und auch Fotos wurden streng reglementiert. Für sein Publikum nahm er sich allerdings im Anschluss an den Vortrag ein wenig Zeit und erläuterte der SRZ die Motivation zu seinem Gastspiel in der Herzogstadt: Das SRIMF habe gut gepasst zwischen seine Besuche in Salzburg, Nürnberg und Luzern.
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