Ungebremst ins Fettnäpfchen

Tom Gubik füllt sein kabarettistisches Programm mit Seitenhieben gegen verklemmte und gehemmte Menschen, die sich nicht besonders klug anstellen. Das Fazit: Sich zu blamieren ist gar nicht so schwer. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
03.02.2015
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"Einmal täglich"? Da geht es normalerweise um Medikamente, vielleicht auch um Vitamine. Tom Gubiks Kabarettprogramm "Blamier' dich einmal täglich" hat eine ähnlich heilsame Wirkung, weil er seinem Publikum Mut macht, den Fettnäpfchen des Lebens nicht auszuweichen, sondern lustvoll hineinzutreten.

Auf der Bühne stand nur ein Barhocker, daneben lag ein Gitarrenkoffer. Das war die ganze Ausstattung, die der junge Kabarettist Tom Gubik für sein Programm brauchte. Er gab alltagstaugliche Anregungen, wie und wo man sich blamieren kann. Seine Vorschläge umfassten alle Lebenssituationen. Und das Beste dabei: Man braucht dafür kein besonderes Talent.

Gehemmte Menschen

Das erkannte auch das Publikum, "alles verklemmte, gehemmte Menschen", und fand sich in den Texten und Liedern wieder. Gemäß den Zielen des bayerischen Kabarett-Lehrplans analysierte Gubik die Tücken des Skifahrens und des Einkaufens. Im "Putzlied" fragte er sich, wie man putzen kann, wenn man im Dreck den Besen nicht mehr findet. Und er lotete die Freuden der öffentlichen Verkehrsmittel aus. Überall gibt's die Gelegenheit, sich zu blamieren. Dabei haben manche Menschen ein besonderes Talent, die Fettnäpfchen zu treffen. Zu dieser begnadeten Gruppe gehören insbesondere die Mathematiker, führte Gubik aus. Es ist immer ein Mathematiker, wenn in der Mensa vor den Augen von 500 hungrigen Studenten jemandem das Tablett herunterfällt oder wenn ein Kunde im Supermarkt die Apfel-Pyramide zum Einsturz bringt.

Neulich im Wertstoffhof

Ganz aktuell ist die "Woche der Erleuchtung" auf dem Wertstoffhof. Das neue, helle Licht soll nicht etwa den Arbeitern oder den müllsortierenden Bürger das Leben erleichtern. Nein, es hat kriminalistische Gründe! Vor drei Wochen hat nämlich jemand einen Aluminiumdeckel in die Tonne mit den Joghurtbechern geschmuggelt. Aber solche Verbrechen kommen immer heraus, und jetzt, dank der neuen Helligkeit, noch schneller.

Seine Lieder, die er auf der Gitarre oder auch auf der Ukulele begleitete, lebten vom Wortwitz. Der gebürtige Kelheimer, der sein Geld als Lehrer verdient, spielte mit dem Dialekt. So kündigte er ein ernstes Stück an: "Es gibt so viel Leid auf der Welt". Tatsächlich ging es dann um "so viel komische Leit". Das Publikum amüsierte sich bei diesem Wohlfühl-Kabarett.

Nicht immer brav

Vielleicht hat Gubik das Gefühl, dass er zu brav ist, weil ihm jeder attestiert, dass sein Programm absolut jugendfrei ist. Deshalb präsentierte er ein ganz anderes Lied, frauenfeindlich, rassistisch und unanständig. Er spielte die erste Strophe auf der Gitarre, und die Zuhörer warteten vergeblich auf den schlimmen Text. Da entschuldigte sich der Kabarettist, "Ich habe bisher nur die Melodie fertig." Er wiederholte den Refrain und forderte die Zuhörer auf, an etwas ganz Schweinisches zu denken. Ob sich wohl die Gedanken in den Gesichtern gemalt haben? "Woran denken Sie gerade? Ja pfui!"

Bot das Programm bisher nur die theoretische Einführung in die Kunst, sich täglich zu blamieren, gab es zum Abschluss noch praktische Übungen für die Besucher. Bei einem Lied über den Besuch im Zoo sollten die Zuhörer Tierlaute beisteuern. Und fröhlich grunzten, zwitscherten, bellten und fauchten sie. Das Klassenziel wurde erreicht: Sie blamierten sich mit spürbarer Freude und applaudierten freundlich dazu.
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