Ursprung des Pressewesens

Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer (rechts) erläutert Manfred Weiß, dem Vorsitzenden des Ortsvereins sowie den weiteren Vorstandsmitgliedern - Sepp Lösch, Günter Walter, Günther Wedel und Martin Dehling (von links) - die Geschichte und Bedeutung der historischen Druckerei J. E. v. Seidel. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
27.04.2015
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Das gibt es in ganz Bayern nur einmal: ein vollständiges Verlagsarchiv und den bestens erhaltenen Maschinensaal einer Druckerei. Das zusammen macht die Historische Druckerei J. E. v. Seidel zu einem Leuchtturm der Kultur. Wird er so kräftig weiter strahlen?

Der Vorstand des Ortsvereins Amberg-Sulzbach, Fachbereich Medien, Kunst und Industrie der Gewerkschaft Verdi traf sich im Seidel-Saal, um sich aus erster Hand über die Druckerei zu informieren. Dieser Ortsverein ist - mit Zwischenstadien über die Industriegewerkschaft Druck und Papier und die IG Medien - aus dem früheren "Verband der deutschen Buchdrucker" in Amberg (gegründet 1905) hervorgegangen. "Als Nachfolger der Druckerorganisation sehen wir uns in der Pflicht, zum Erhalt dieses bedeutenden historischen Ensembles beizutragen", sagte Manfred Weiß, Vorsitzender des Fachbereichs. Anlass des Besuchs war die Eröffnung des Seidel-Saals vor exakt vier Jahren.

Integriert erhalten

Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer, 2. Vorsitzender des Trägervereins "Historische Druckerei J. E. v. Seidel - Forum für Kunst & Kultur", erklärte den Gewerkschaftern, dass im Anwesen am Luitpoldplatz 350 Jahre Sulzbacher Buchdruck weiterleben. Als 2006 Ingo Wotschack starb, der letzte Inhaber der Seidel-Buchhandlung, ermöglichten die Erben eine Sichtung des Archivs und eine Nutzung des Saals.

Jetzt versuchen sie, miteinander ein Zukunfts-Konzept zu finden, das die Stadt tragen kann. Dafür ist es von entscheidender Bedeutung, dass das einmalige Ensemble in seiner "integrierten Form" erhalten bleibt. Die Stadt müsse sich stark machen, damit das Archiv nicht irgendwohin zerstreut und die Maschinen versteigert werden, denn "der Inhalt macht den Geist", betonte Lommer: "Ohne das Archiv, die Maschinen und die Bildergeschichte ,Der Kuchenteig' wäre es ein Saal wie jeder andere."

Wie der Seidel-Fachmann berichtete, haben entscheidende Stellen ihre Unterstützung für den Erhalt des Saals signalisiert und die Universität Regensburg ist zu einer Kooperation bereit. "Jetzt geht es darum, die Stadtratsfraktionen und den Bürgermeister zu motivieren, dass sie diesen Schatz bewahren."

"Höchste Eisenbahn"

"Es wäre ein unvorstellbarer Wertverlust, nicht nur für die Stadt, sondern für die ganze Region", meinte Martin Dehling vom Verdi-Vorstand, wenn das einmalige Ensemble verkauft und zerstreut würde. Sein Vorstandskollege Sepp Lösch unterstrich die Dringlichkeit: "Es ist höchste Eisenbahn, Entscheidungen zu treffen". Auch die Presse sei in der Pflicht, ihren Beitrag zu leisten, schließlich sei die Seidel-Druckerei der Ursprung des Medienhauses "Der Neue Tag", ja des Oberpfälzer Pressewesens überhaupt.

"Viele Städte beneiden uns um unsere wertvollen historischen Bestände, die national einmalig und unwiederholbar sind", stellte Weiß fest. Der Seidel-Saal sei ein Publikumsmagnet für einheimische und auswärtige Gäste. Er sei wichtig für Sulzbach-Rosenberg, denn um eine lebendige Stadt zu bleiben und noch mehr zu werden, brauche es werthaltige Substanz wie das Seidel-Archiv. Wenn das Ensemble nicht gesichert werden kann, "drohen Verlust und Zerstreuung. Deshalb muss es schnell gelingen, einen klaren Weg Richtung Zukunft einzuschlagen".
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