US-Amerikaner (46) missbraucht Stieftochter seit sie 14 ist - Fünfeinhalb Jahre Haft
"Let's play" hieß: Ich will Sex

Symbolbild: dpa
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
24.09.2014
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Der Mann aus der amerikanischen Millionenstadt Los Angeles hat sein Leben ruiniert. Weil er seine aus Deutschland stammende Stieftochter über Jahre hinweg sexuell missbrauchte, muss der 46-Jährige fünfeinhalb Jahre hinter Gitter. Nach der Haftentlassung ist ungewiss, ob ihn dann US-Behörden strafrechtlich verfolgen.

Gewiss ist: Wäre der Angeklagte vor einem amerikanischen Gericht gesessen, hätte er mit 20 und womöglich noch mehr Jahren Haft rechnen müssen. Denn in den Vereinigten Staaten geht man mit Sexualstraftätern gnadenlos um. Aus dieser Perspektive gesehen, kam er mit den vom Landgericht Amberg verhängten fünfeinhalb Jahren eher glimpflich davon. Als ihn Polizisten abführten, stand allerdings die Frage im Raum: Was wird nach seiner Rückkehr in die Heimat geschehen? Es könnte gut sein, dass dann US-Behörden tätig werden. Denn ein erheblicher Teil der sexuellen Übergriffe ereignete sich in Las Vegas, Nevada.

Der heute 46-Jährige hatte in den Staaten eine deutsche Frau und deren Tochter kennengelernt. Sie zogen zusammen, gingen nach Las Vegas. Dort begann eine sowohl illegale als auch verbrecherische Affäre. Denn irgendwann vergriff sich der damalige Angestellte eines Spielcasinos an der seinerzeit 14 Jahre alten Tochter seiner Lebenspartnerin. Die Intimitäten seien im beiderseitigen Einvernehmen geschehen, ließ er nun vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts übersetzen und holte zu einer dreistündigen Erklärung aus. Von einem Liebesverhältnis war darin die Rede und von einer zwar vom Altersunterschied ungewöhnlichen, gleichwohl aber eher zärtlichen Verbindung. Das Mädchen war 14, er um die 40 Jahre alt.

Ab 2012 im Landkreis

Die Übergriffe ereigneten sich immer dann, wenn die Ehefrau des 46-Jährigen in der Arbeit war. Sie gingen weiter, als das Paar 2012 in den Kreis Amberg-Sulzbach zog. "Let's play" ("Lass uns spielen") soll der Mann immer dann zu seiner Stieftochter gesagt haben, wenn er sich annähern und Sex haben wollte. Als die junge Frau 18 Jahre alt wurde, zog sie aus und ging zur Polizei. Daraufhin kam der Amerikaner 2013 in U-Haft.

War es wirklich einvernehmlich, was sich damals über Jahre hinweg abspielte? Das Opfer sagte vor einer Amberger Ermittlungsrichterin aus. Was dort gesagt wurde, kam auf Video und wurde jetzt im Gerichtssaal abgespielt. Ergebnis nach einstündiger Vernehmung: "Ich wollte das nicht." Keine Rede von Einvernehmlichkeit. Eher Angst vor Repressalien. Der Mann drohte offenbar mit dem Entzug gewisser Freiheiten. "Und er war auch schlechter Laune, wenn ich nicht mitgemacht habe."

Die Mutter der jungen Frau bekam von den Geschehnissen nie etwas mit. Sie und ihre Tochter wollen heute mit dem 46-Jährigen, der aus einer früheren Ehe zwei leibliche Töchter hat, nichts mehr zu tun haben. Auch sie meiden ihren Vater. "Ich habe alles verloren", sagte der US-Bürger. Er weinte dabei hemmungslos.

Es gab ein Gutachten des Nürnberger Psychiaters Thomas Lippert. Er hielt den Beschuldigten für völlig normal, attestierte keinerlei Schuldeinschränkung. Darauf stützte sich Staatsanwältin Michaela Frauendorfer. Sie hatte den Mann in U-Haft gebracht und forderte nun sieben Jahre Gefängnis. Verteidigerin Manuela Ernstberger sprach sich für eine mildere Ahndung aus: "Er ist durch die Haft schwer gezeichnet." Denn in der JVA sei der Amerikaner quasi isoliert, weil ihn kaum einer verstehe.

"Ich möchte gerne das Rad der Zeit zurückdrehen", unterstrich der in Kalifornien geborene Mann, der ehedem Mitglied der US-Nationalgarde war. Doch das konnte keiner. Die Kammer unter Vorsitz von Richterin Roswitha Stöber schickte ihn fünfeinhalb Jahre in eine deutsche Justizvollzugsanstalt. Dabei fragte die Vorsitzende, ob auch die 30 in den Vereinigten Staaten begangenen Missbrauchsverbrechen abgeurteilt werden konnten. Sie bejahte: "Das Opfer war Deutsche und auch in Nevada sind solche Vorgänge mit Strafe bedroht." Die Staatsanwaltschaft hatte 53 einzelne Delikte aufgelistet.
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