Vergnügliches Geschrei

Furios und fulminant auf der Bühne ist der fränkische Choleriker Matthias Egersdörfer. Seine Auftritte sind körperliche Schwerstarbeit. Bild: Gebhardt
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
20.01.2015
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Zugegeben, für zarte Gemüter ist das nix. Matthias Egersdörfer gleitet zwar hie und da ins Poetische ab, aber dann kommt wieder ein gnadenloser Hammer, in bestem Fränkisch und in voller Lautstärke: Aus dem Nürnberger Land und der ganzen Oberpfalz pilgerten die Fans herbei - sie wurden nicht enttäuscht.

Der fernsehbekannte Cholerik-Komiker aus Fürth, geboren in Lauf (rechts der Pegnitz!) hatte sein Stammpublikum um sich versammelt, im schon lange ausverkauften, brodelnden Seidel-Saal. Egersdörfer steht im Nadelstreifen auf der leeren Bühne und redet. Meist schlecht gelaunt. Um nicht zu sagen angefressen. Er schildert Szenarien, die so absurd sind, dass schon wieder Genialität herausschimmert.

"Also ohne Kaffee lefft bei mir gor nix!" ist Auftakt zu einer aberwitzigen Geschichte, die zur Pause nach einer kompletten Stunde wieder beim Kaffee endet. Ab und zu tauchen in seiner Fantasie fünf süd-sizilianische Mafiosi mit zusammengewachsenen Augenbrauen auf, dann wird es meistens gefährlich. Auch sonst erzählt er sich durch schlimmste Szenen, die nicht immer über der Gürtellinie enden. Letztere existiert bei ihm ohnehin nur als Andeutung. Darunter fühlt er sich am wohlsten.

Publikumsbeschimpfung

Das müssen die ersten Reihen feststellen. Schnell hat er die Zuschauer eingeteilt: Schwarze Schlampe, blondes Gift, Charakterruine, Tannenzapfen, Golfplatz-Heini - es hagelt Publikumsbeschimpfungen, aber die so Geschmähten nehmen es ihm nicht übel, im Gegenteil - je mehr er keilt, desto stärker der Applaus. "Ich wenns ma aussuchen kannt, glabts mas, ich waar ned dabei", klassifiziert er den Bühnenabend.

Im zweiten Teil schildert er seine Jugend, nun wird einiges klar: In brauner Strumpfhose und rotem Pullunder auf dem Boden herumrutschen und mit Figuren spielen - das würde er am liebsten heute noch machen. Oder Detektiv sein. Egersdörfer outet sich, in seiner Jugend beim Hugendubel regelmäßig Bücher geklaut zu haben und so quasi für die Schließung einer der Filialen verantwortlich zu sein.

Schräge Akkorde

Und er erzählt vom weißen Bademantel aus dem "Färder Saunaland", den ihm seine Frau zum Geburtstag geschenkt hat und den er umtauschen will in der Anstalt: Wie er das macht und mit welchen massiven Drohungen er die Geschäftsführerin zum Einlenken zwingt, das ist nicht zitierfähig, aber höchst vergnüglich und auch ohne Mikrofon im ganzen Saal gut zu verstehen.

Im Bademantel erscheint er denn auch zur Zugabe, setzt sich ans Klavier, spielt höchst komplizierte Akkorde. Leise plaudernd versöhnt er sich mit dem Publikum, die Herzen fliegen ihm wieder zu, dann signiert er stilgerecht CDs und Bücher.

Ein großartiger Darsteller, ein begnadeter Choleriker, ein bestens missgelaunter Franke, ein grobes Kaliber bei der Humormunition. Egersdörfer eben. Wer ihn nicht vertragen kann, der geht halt nicht hin. Dann ist auch mehr Platz für die echten Fans. Und die lieben ihn. Trotz fehlender Gürtellinie.
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