Verhältnis noch immer belastet

Volkshochschul-Chef Manfred Lehner, Fördervereins-Vorsitzender Gerd Geismann, Referent Harald Hofmann und Archivar Johannes Hartmann (von links) bilanzierten eine gelungene Veranstaltung. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
27.11.2014
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"Erinnern und Begegnen" heißt das Programm der ehemaligen Synagoge. Da passte es gut, dass die Stadt zusammen mit der Volkshochschule des Landkreises zu einem Vortrag über "Die Ursachen des Antisemitismus" in das ehemalige jüdische Gotteshaus einlud.

Antisemitismus sei eigentlich die falsche Bezeichnung, weil der Begriff "Semiten" erst im 19. Jahrhundert geprägt wurde als Bezeichnung für Völker, die eine semitische Sprache sprechen, sagte Pfarrer Harald Hofmann. Richtiger sei deshalb die Bezeichnung "Antijudaismus".

Kampf um Palästina

Frühe Wurzeln hatte der Antijudaismus um 1200 v. Chr., als es im östlichen Mittelmeerraum eine Völkerwanderung gab, die viele verschiedene Stämme nach Palästina brachte. Um das fruchtbare Land entbrannte ein Kampf, der bis heute anhält. Die Ursachen des europäischen Antisemitismus liegen aber im Neuen Testament: "Es gibt erschreckend viele antijudaistische Stellen in der Bibel." Hofmann erklärte die Haltung des Paulus, der durch sein Bekehrungserlebnis zu einem radikalen Antijudaisten wurde: "Gott hat das Volk Israel auserwählt, aber das Volk hat seine Auserwähltheit verworfen. Die Gotteskindschaft geht dadurch auf die Ecclesia, die christliche Kirche, über."

Im Mittelalter dachten die Menschen, im Judentum stecke alles Böse. Zahlreiche jüdische Gemeinden in Deutschland fielen Pogromen zum Opfer, die Juden wurden zwangsgetauft oder ermordet. Viele Überlebende gingen nach Osteuropa, wo blühende "Schtetl" entstanden. In Mitteleuropa waren Juden von Landwirtschaft und Handwerk ausgeschlossen, so dass ihnen nur drei Berufe offen standen: Sie konnten Ärzte werden, Handel treiben oder Geldgeschäfte machen. Anders als Christen durften Juden gegen Zinsen Geld verleihen. Das ließ einen ökonomisch begründeten Antijudaismus entstehen.

Den Wurzeln nachgespürt

Als religiös begründete Vorurteile in der aufgeklärten Gesellschaft immer weniger vertreten wurden, entstand im 19. Jahrhundert der rassische Antijudaismus. Demzufolge seien Juden von Natur aus "geizig, gierig und heimtückisch", zitierte Hofmann.

VHS-Leiter Manfred Lehner dankte Hofmann: "Sie haben den theologischen Wurzeln des Antisemitismus und der weiteren geschichtlichen Entwicklung nachgespürt, die unser Verhältnis zum ,Volk Gottes' noch immer belasten."

Anschließend führten Stadtarchivar Johannes Hartmann und Altbürgermeister Gerd Geismann, Vorsitzender des VHS-Fördervereins, durch Synagoge und Ausstellung.
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