Verständigung der Religionen

Der Künstler Natan Yudytskyy (Mitte) und Bürgermeister Michael Göth (rechts) eröffneten die Ausstellung mit Grafiken zur biblischen Josefsgeschichte. Mit dabei der Kunsthistoriker Professor Hans-Christoph Dittscheid (links).
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
25.02.2015
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2013 wurde die ehemalige Sulzbacher Synagoge als Gedenk- und Begegnungsstätte wiedereröffnet. Jetzt ist dort erstmals eine Kunstausstellung zu sehen: Der aus der Ukraine stammende jüdische Künstler Natan Yudytskyy zeigt seinen Grafik-Zyklus "Josef und seine Brüder" sowie weitere Werke.

"Diese Ausstellung ist etwas Besonderes, denn sie fördert die Integration", stellte der Amberger Rabbiner Elias Dray fest, als er die Besucher der Vernissage in die Ausstellung einführte. Er rief den Zuhörern die Josefsgeschichte in Erinnerung, die in der jüdischen Thora und damit auch im Alten Testament der Bibel steht. Aus dieser Geschichte könne man vieles lernen, meinte der Geistliche, und hob drei wichtige Lehren hervor.

Historie nicht vergessen

Man solle keines seiner Kinder bevorzugen, weil das zu Neid führt. Außerdem müsse man aus der Geschichte lernen. Gerade heute, wo der Antisemitismus zunimmt, dürfe man die Historie nicht vergessen. Schließlich sei Josef beispielhaft, weil er Selbstbeherrschung übt und auch dann das Richtige tut, wenn es im Moment günstiger wäre, sich falsch zu verhalten. "Wir nehmen etwas mit aus dieser Ausstellung", schloss Dray und dankte Yudytskyy, "wir werden anders nach Hause gehen, als wir hergekommen sind."

Kunsthistoriker Professor Hans-Christoph Dittscheid von der Universität Regensburg erläuterte das Werk Natan Yudytskyys. Seine Kunst komme stark vom Zeichnerischen her. Sie habe ein sehr breites Spektrum, das von Stillleben über abstrakte Arbeiten bis zum Figürlichen reiche. Dabei sei die menschliche Figur durchaus ein Leitmotiv.

Wichtiger Teil

Rat- und Themengeber sei die Religion. Der Zyklus "Josef und seine Brüder" wirke durch seine eindringlichen, suggestiven Zeichnungen. Die Blätter vereinen Text und Bild. Dabei herrsche äußerste Klarheit, eine wohlgeordnete bildliche Organisation. "Yudytskyy hat hier Dramatik, Leid und Menschlichkeit, andererseits Gottes Gnade ins Bild gesetzt", fasste Dittscheid zusammen. Der Künstler selbst erläuterte, dass die Geschichte von Josef und seinen Brüdern ein wichtiger Teil der jüdischen Geschichte ist. Ihm seien jüdische Themen sehr wichtig. Sichtlich bewegt dankte er allen Helfern und Förderern für ihre Unterstützung bei der Verwirklichung der Ausstellung.

Bürgermeister Michael Göth stellte fest, dass diese Präsentation einen Beitrag zur Verständigung der Religionen leiste. Außerdem werde sie das Interesse weiterer Besucher an der ehemaligen Synagoge wecken.

Dann eröffnet er zusammen mit Yudytskyy die Ausstellung. Zu sehen sind außer den Grafiken zur Josefsgeschichte noch ein Zyklus über König David, Zeichnungen von jüdischen Festen und Feiertagen sowie Impressionen einer Israelreise, die der Künstler 2012 unternahm.

Tief beeindruckt

Die Besucher der Vernissage betrachteten die Bilder und waren von der Symboldichte und -tiefe beeindruckt. Sie suchten das Gespräch mit Yudytskyy, der ihnen gern seine Arbeiten erläuterte, und lauschten Leonid Gershynovych, der die Eröffnung auf dem Akkordeon begleitete.

Die Ausstellung ist bis Sonntag, 29. März, in der ehemaligen Synagoge, Synagogenstraße 9, zu sehen; Öffnungszeiten mittwochs und sonntags, 14 bis 17 Uhr.
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