Verzicht bringt auch Freiheit

Mit zahlreichen Bannerabordnungen nahmen die Zweigvereine des katholischen Frauenbundes an der Bezirkswallfahrt zum Annaberg teil. Bilder: bba (3)
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
23.07.2015
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Weit über 1000 Gläubige, eine tolle Atmosphäre rund um den Freialtar bei der Loretto-Kapelle, erbauliche musikalische Gestaltung: Der Annaberg präsentierte sich bei der Bezirkswallfahrt des Katholischen Frauenbundes mit prächtigen Rahmenbedingungen.

(lz/bba) Im Mittelpunkt der Ansprachen durch Prälat Dr. Wilhelm Gegenfurtner und Schwester Generaloberin M. Jakobine Schmid stand die charismatische Persönlichkeit von Priester Paul Josef Nardini (1821 bis 1862), der 1855 die Schwesternschaft der Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie gründete, um die Not verwahrloster Kinder, kranker und alter Menschen zu lindern: die Geburtstunde der Mallersdorfer Schwestern.

Über ein Dutzend Fahnenabordnungen der Zweigverbände des Katholischen Frauenbundes zogen zum Freialtar, um den sich auch zahlreiche Geistliche versammelt hatten, die Superior Gegenfurtner bei der Festmesse konzelebrierten. Der Geist der Schwestern weise in die Zukunft, so der Prälat, und stellte das Motto des Ordens "Die Liebe Christi drängt uns" heraus: Menschen seien stets unterwegs, um die Liebe Gottes zu spüren und unter Beweis zu stellen.

Nach der Lesung aus dem Jakobusbrief und einer Perikope (Matthäus-Evangelium) erinnerte Gegenfurtner an Nardini und dessen Appell, nicht nur zu reden, sondern zu handeln und das Evangelium durch Werke der Liebe zu verkünden: "Ich freue mich über die Frauen, die ihr Leben dieser Botschaft gewidmet haben."

Die Mallersdorfer Schwestern waren noch vor wenigen Jahren in der Region an Orten wie Amberg, Hirschau oder Vilseck präsent, blickte die Oberin bei ihrer Schilderung über den Orden und seinen charismatischen Gründer zurück. Heute würden drei Schwestern ehrenamtlich im Seniorenheim St. Barbara in Sulzbach-Rosenberg ihren Dienst am Mitmenschen tun.

Dem Elend begegnen

Paul Josef Nardini wirkte um die Mitte des 19. Jahrhunderts in der armen Schuhmacherstadt Pirmasens. Dem engagierten Seelsorger wurde die große wirtschaftliche, aber auch soziale und seelische Not in der Stadt und der Region schnell bewusst. Um diesem Elend zu begegnen, gründete der Priester im März 1855 den Orden, der sich über einen großen Zulauf freuen durfte und schon einige Jahre später Schwestern nach Siebenbürgen entsenden konnte. Zum 100-jährigen Bestehen der Glaubensgemeinschaft durften vier Schwestern in der Mission tätig werden, heute führen dort etwa 40 das Werk Nardinis weiter, erläuterte Jakobine Schmid.

Die Ordensfrauen wirken in Bayern, der Pfalz, Rumänien oder Südafrika, um den Notleidenden das Evangelium durch Werke der Liebe zu verkünden: durch ihre aufopferungsvolle Tätigkeit bei Kindern, bei kranken oder alten Menschen oder bei Obdachlosen. In Rumänien und Südafrika gelte die besondere Sorge Armen und Aidskranken. Das Leben und Tun ihrer Mitschwestern sei ausgerichtet auf die aktuelle Not, auf Hilflosigkeit, aber auch, um der Gleichgültigkeit im Glauben eine christliche Antwort zu geben.

Im Kloster, so die Generaloberin weiter, würde den Menschen Zeit gegeben, sich gegenseitig zu stärken. Täglich würden die Schwestern vor dem ausgesetzten Allerheiligsten beten, um Bitten von Menschen in Not vor Gott zu tragen. In Stille werde versucht, Jesus Christus immer mehr zu erkennen und daraus zu lernen, das Evangelium zu leben. Werte wie Achtung, Aufmerksamkeit oder gegenseitige Annahme würden eine exponierte Rolle spielen "und mit unserem einfachen Lebensstil zeigen wir, dass Verzicht auch Freiheit bringt".

Auch in Zukunft Frauen

Dem Menschen werde die Hoffnung nähergebracht, dass Gott ihn liebe. Nardini habe vorgelebt, dass durch Werke der Liebe dem Menschen das Evangelium verkündet werde. Der Ordensgründer wurde 2006 selig gesprochen. Sein Werk brauche auch in Zukunft Frauen, die von der Liebe Christi gedrängt werden, diese Liebe weiterzuschenken.
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