Viel Liebe im Gepäck

Die Hahnbacher Kinder haben keine Berührungsängste - weder gegenüber Flüchtlingen, noch gegenüber Buntstiften und Farbtöpfen. Gut gelaunt malten sie auf Papier, was sie denen wünschen, die ihre Heimat verlassen müssen und in eine ungewisse Zukunft aufbrechen. Bild: upl
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
04.09.2015
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"Ich hatte schon meine Zweifel, ob das Thema nicht zu problembeladen ist", räumt Jugendpflegerin Claudia Mai ein. Doch mittlerweile hat sich als goldrichtig herausgestellt, dass "Maxl - der Spielebus" heuer Flucht und Vertreibung aufgreift.

Wenn das feuerrote Spielmobil in den Gemeinden des Landkreises auftaucht, dann ist für Kinder zwischen sechs und elf Jahren Spaß und Unterhaltung angesagt. Daran hat sich auch in diesem Sommer nichts geändert, obwohl das Maxl-Team die Geschichte von der Flucht eines Buben aus Somalia erzählt. Problembeladen ist die Thematik wohl eher für die Erwachsenen - die Kinder hingegen präsentieren für jedes Dilemma eine pragmatische Lösung.

Nur helfen ist wichtig

"Wir erzählen die Geschichte eines somalischen Jungen, der ein ganz normales Leben führt", sagt Jugendpflegerin Mai. "Der Kleine spielt draußen Fußball, als es auf einmal eine heftige Explosion gibt. Dann beziehen wir die Kinder ein. Was würden sie in der Situation tun? Nach Hause laufen? Sich verstecken?" Als der Bub an seinem Elternhaus ankommt, ist es zerstört. Mutter und Vater sind verschwunden. Es bleibt nur die Flucht mit dem Onkel. "Würdet ihr mit ihm gehen?", fragt Betreuerin Bettina Adamczyk auf dem Pausenhof der Hahnbacher Schule in die Runde. Die Kinder nicken. "Was würdet ihr einpacken?" Sara würde sich ein Fahrrad schnappen und ein Wörterbuch "Afrikanisch-Deutsch". Geld wäre wichtig, meint Luisa und was zum Essen. "Ich würde alle meine Freunde mitnehmen", sagt Paul. Die Kleinen, die da im Halbrund um die Maxl-Begleiterin sitzen, haben schnell eine persönliche Beziehung zu dem Flüchtlingskind aufgebaut. Deswegen gibt's für sie nur eines: Helfen wo es geht. Von Vorbehalten keine Spur. Die Geschichte endet dort, wo derzeit die Kameras der Fernsehteams stehen - in den Erstaufnahmeeinrichtungen in Deutschland. "Wir haben bisher nur positives Feedback bekommen", berichtet Mai. "Viele Eltern haben sich ausdrücklich dafür bedankt, dass wir das Thema spielerisch aufarbeiten und die Kinder sensibilisieren." Während der Spiele-Nachmittage habe sie auch festgestellt, dass sich die Kleinen bereits zu Hause, im Kindergarten oder in der Schule mit dem Thema befasst haben. "Die wissen eigentlich schon ganz gut Bescheid."

Geld und Anziehsachen

Am Ende des Maxl-Besuches dürfen die Kinder ein Bild malen, mit allem, womit sie ihren somalischen Freund auf der Flucht gerne ausstatten würden. Da werden Münzen und Geldscheine auf das weiße Papier gepinselt, Teddybären, Anziehsachen und ein Bett. Sophie hat ein Haus mit zwei Herzen gemalt und das Wort Liebe dazugeschrieben.

Auf ihrer Tour durch die Region sammeln Claudia Mai und ihre Helferinnen die Kunstwerke mit den guten Wünschen ein und klemmen sie an eine Wäscheleine. Die Kinder aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach zeichnen ein ganz anderes Bild von Deutschland als die Rechtsradikalen auf den Straßen.
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