Vielfalt als Chance sehen

Michael Kernl, Diakon Richard Sellmeyer, Rabbiner Elias Dray, Hans Lauterbach, Pfarrer Dr. Reinhard Böttcher, Imam Salih Taskin und Ahmed Yüksel (von links) beim interreligiösen Austausch. Bild: phl
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
29.01.2015
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Friedliches Zusammenleben war schnell als Ziel ausgemacht. Der Pfad dahin ist aber oft sehr steinig. Ein deutliches Mehr an interreligiösem Austausch soll hier helfen. Diesen Weg geht nun die Initiative "Sulzbach-Rosenberg hilft". Beim Dialog blieben Vorurteile auf der Strecke.

Nach dem Anschlag von Paris und der daraus neu entflammten Diskussion über einen gewaltbereiten Islam gestaltete die Bürgerinitiative "Sulzbach-Rosenberg hilft!" ihr Plenum thematisch um.

Eingeladen waren Vertreter der beiden Kirchen in Sulzbach-Rosenberg sowie der muslimischen und der jüdischen Gemeinden aus Amberg, um im Saal der Hängematte interreligiös zu diskutieren. Auch zahlreiche Flüchtlinge folgten der Einladung sowie Vertreter aus Politik, Vereinsleben und der Bevölkerung.

Umfeld analysieren

Was das Thema Gewaltbereitschaft anbelangt, war man sich letztlich einig, dass keine Religion an sich zur Gewalt aufrufe. Auch der Islam sei eine Religion, die vor allem Vergebung lehre und eben keine "Schwertreligion". Den größten Denkfehler sahen die Vertreter der muslimischen Gemeinde darin, dass Extremismus und Gewalt oftmals mit Religiosität assoziiert würden. Das sei jedoch Unsinn. Blicke man sich vor allem junge Menschen an, die sich dem gewaltbereiten Islamismus anschließen, so lohne eine Analyse des sozialen Umfelds der Betroffenen. Oftmals seien Perspektivlosigkeit, Existenznöte, Integrationsprobleme und fehlender sozialer Anschluss die eigentlichen Hintergründe. Ähnlich wie bei politischem Extremismus entwickle sich so ein gefährlicher Cocktail, der Gruppendruck tue sein Übriges. Besorgniserregend sei allgemein die derzeitige Stimmung in Deutschland.

Auch als Jude sei es schwieriger geworden, in diesem Land zu leben, berichtete Rabbiner Elias Dray. Viele Menschen brächten das Judentum automatisch mit dem Staat Israel in Verbindung. Kritik am politischen Geschehen dort werde auf alle Juden übertragen, obwohl die in Deutschland lebenden Juden meist überhaupt keinen israelischen Pass hätten. "Gestiegen ist auch die Angst, die Religion offen zu zeigen, zum Beispiel durch das Tragen einer Kippa auf der Straße." Zu groß sei die Besorgnis vor antisemitischen Anfeindungen bis hin zu Übergriffen.

Beitrag leisten

Die Vertreter aller Religionen befürworteten ein deutliches Mehr an interreligiösem Austausch. Vorurteilen müsse man frühestmöglich entgegenwirken, so zum Beispiel an den Schulen mit Integrationsbeauftragten und interreligiösen Veranstaltungen. Denn so könne man sowohl die Angst vor dem Fremden nehmen, als auch einen deutlichen Beitrag zur Integration leisten.

Austausch und Kommunikation kristallisierten sich als die Schlagwörter heraus. Denn in einem waren sich ebenfalls alle einig. Es gehe nur gemeinsam, nicht gegeneinander, Lösungen für die aktuellen Probleme zu finden. Das Ziel laute ein friedliches Zusammenleben aller.

Auch die soziale Verantwortung jedes Einzelnen wurde hervorgehoben. Wer mehr hat, müsse auch bereit sein, mehr zu geben. Unzufriedenheit und Perspektivlosigkeit seien die zentralen Faktoren, die Menschen in die Fänge radikaler Gruppierungen trieben.

Außerdem dürfe Integration nicht mit Gleichmacherei verwechselt werden. Es gehe nicht darum, aus einem Ausländer einen Bayern zu machen. Vielmehr gehe es um das friedliche Nebeneinander, eine Bereicherung aneinander und die Vorteile, die alle aus einer multikulturellen Gesellschaft ziehen. Vielfältigkeit sei vor allem eine Chance für unsere Gesellschaft.
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