Von einem bescheidenen Heiligen, schnatternden Gänsen und dem Zauber des Kerzenscheins
Ein Licht in dunkler Nacht

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
11.11.2015
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"Ich geh' mit meiner Laterne, und meine Laterne mit mir. Da oben leuchten die Sterne, hier unten leuchten wir..." So beginnt ein traditionelles Kinderlied zu St. Martin - ein Tag, den die Kleinsten jedes Jahr mit großer Verzückung erwarten.

Und auch die Erwachsenen erinnern sich immer wieder gerne an die Zeit, als sie selbst stolz die erste selbst gebastelte Laterne vor sich her trugen - hell erleuchtet von einer Kerze, welche die schönsten Schattenspiele hervorrief und den dunklen Weg erhellte.

Obwohl heute die meisten Martinslaternen aus Sicherheitsgründen mit batteriebetriebenen Lämpchen leuchten, erhellen echte Kerzen die Laternen zu Hause! Denn die selbstgebastelten Laternen sehen nicht nur draußen hübsch aus, sondern setzen auch als Tischdekoration die Martinsgans "ins rechte Licht".

Damit die Laterne in voller Pracht erstrahlen kann, sollten allerdings nur Kerzen mit dem RAL-Gütezeichen verwendet werden, das ein ruß- und raucharmes Abbrennen garantiert.

Geschichtliches zu St. Martin

Wer war der Mann, dem wir Jahr für Jahr Anfang November bunte Laternenumzüge, singende Kinder und saftige Gänsebraten zu verdanken haben?

Ein kurzer geschichtlicher Exkurs: Martin (von Tours) lebte in der Zeit von 317 bis 397 nach Christus. Als Sohn eines römischen Offiziers war er überall im Land für seine Großzügigkeit bekannt und beliebt.

Die am besten überlieferte Geschichte ereignete sich an einem Februarmorgen, als der 22-jährige Martin mit seinem Burschen von einem nächtlichen Ritt heim kehrte. Es war ein harter Winter mit klirrendem Frost, und ein heftiger Schneesturm blies den Reitern ins Gesicht.

Gerade als die beiden zum Stadttor hineinwollten, schwankte aus einer Nische im Torbogen ein zerlumpter Bettler hervor, der vor Kälte zitternd kaum noch die Worte über die Lippen brachte: "Eine Gabe, guter Herr".

Martin hatte kein Geld bei sich, denn er hatte gerade seinen ganzen Sold an arme Bauern verschenkt, damit sie ihre Steuern zahlen konnten. So nahm er seinen weiten Mantel und halbierte ihn mit einem Schwertstreich. Die eine Hälfte warf er dem Bettler über die Schultern, damit dieser nicht mehr frieren musste.

Die Legende sagt weiter, dass man Martin kurze Zeit später zum Nachfolger des verstorbenen Bischofs von Tours machen wollte. Doch Martins Bescheidenheit war so groß, dass er sich im Gänsestall versteckte:

Verräterisches Federvieh

In der Dunkelheit suchten sie ihn deshalb mit Laternen, einige stimmten Lieder an. Erst als die Gänse sich laut kreischend über den Eindringling beschwerten, fand man Martin schließlich. 371 nach Christus wurde er der Bischof von Tours.

Das Andenken an ihn überdauerte die Jahrhunderte und wird jedes Jahr am 11. November als Gedenktag "gefeiert": Noch heute folgen Kinder und Erwachsene dem Martinsmann mit Laternen und Liedern und verspeisen anschließend seine "Verräter", die Martinsgänse.

Beim geselligen Beisammensein verleihen Kerzen den besonderen Rahmen und geben Stunde um Stunde Licht und Wärme. Doch auch der schönste Abend geht zu Ende - dann heißt es wie im Lied: "...Mein Licht ist aus, ich geh' nach Haus. Rabimmel, rabammel, rabumm."
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