Vorsorgen für Fall des Falles

Lokales
Sulzbach-Rosenberg
23.10.2015
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Alter, Gebrechlichkeit, Tod: Themen, die viele lieber mal ausblenden. So lange, bis es zu spät ist. Dabei könnten Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung oftmals Klarheit und Sicherheit schaffen.

(rlö) Wie vorsorgen für den Fall, dass man nicht mehr in der Lage ist, seine vermögensrechtlichen oder persönlichen Angelegenheiten selbst zu regeln? In der Halbjahresversammlung der Tischgesellschaft "Riglasbrünner" widmeten sich dem Themenkomplex Dr. Armin Rüger aus medizinischer Sicht und Konrad Regler von notarieller Seite.

Das Gesetz gibt ganz klar vor: Wer sich um seine Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht mehr selbst kümmern kann, erhält einen gerichtlich bestellten Betreuer. Das kann ziemlich teuer werden - ganz abgesehen davon, dass nahe Angehörige (Ehepartner oder Kinder) bei anstehenden Entscheidungen kein Mitspracherecht haben.

Verhindern lässt sich eine solche Betreuung von Amts wegen mit einer Vorsorgevollmacht. Damit wird eine Person des eigenen Vertrauens ermächtigt, anstelle des Vollmachtgebers und ohne Einschaltung eines Gerichts in nahezu allen vermögensrechtlichen und persönlichen Angelegenheiten tätig zu werden. Ausgenommen davon sind Regelungen, die in einem Testament oder Erbvertrag vereinbart wurden.

Volles Vertrauen

Eine Vorsorgevollmacht sollte man nur jemandem erteilen, in dessen Zuverlässigkeit und Integrität man volles Vertrauen setzt, riet Konrad Regler. Mit einer Vollmacht in Vermögensangelegenheiten darf eine Vertrauensperson für den Betreuten Post entgegen nehmen und öffnen, Verträge schließen, Bankgeschäfte erledigen und das Vermögen verwalten. Bei Vorliegen einer Vollmacht in persönlichen Angelegenheiten darf die Vertrauensperson im Krankheitsfall unter anderem bestimmen, ob und welche Untersuchungen und ärztlichen Behandlungen vorgenommen werden (auch bei Lebensgefahr), sie darf über den Abbruch lebensverlängernder Maßnahmen oder über Organspende entscheiden. Jeder kann seine Vorsorgevollmacht selbst schriftlich verfassen oder nach Vordrucken ausfüllen. Aber volle Rechtssicherheit ohne Einschränkung bei allen Rechtsgeschäften bietet nur eine notariell beurkundete Vorsorgevollmacht. Um sein Selbstbestimmungsrecht auch in Situationen zu wahren, in denen man nicht mehr selbst entscheiden kann (etwa nach schweren Unfällen), empfiehlt sich eine Patientenverfügung. Jeder kann darin selbst festlegen, ob und wie er in bestimmten Situationen behandelt werden möchte, ob und welche lebenserhaltenden oder -verlängernden Maßnahmen getroffen werden sollen.

Wie Dr. Rüger betonte, sind Ärzte inzwischen grundsätzlich an den in einer Patientenverfügung formulierten persönlichen Willen gebunden. Dies gilt auch für einen bevollmächtigten Betreuer. Es empfiehlt sich daher, die Vorsorgevollmacht mit einer Patientenverfügung zu kombinieren.
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