Wandergruppe auf den Spuren der deutschen Orgelromantik im Sulzbacher Land
Alle Orgel-Register gezogen

Eine Gruppe von Natur- und Musikfreunden erwanderte mit Dekanatskantor Gerd Hennecke (hinten rechts) vier romatische Orgeln im Sulzbacher Land. Bild: cog
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
24.09.2014
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Als Wanderer Musik und Natur zu erleben, dazu auch Kulturgeschichte in einer gelungenen Kombination, ist eine seltene Gelegenheit. Vier Orgeln im Sulzbacher Land erhielten jetzt Besuch, und sie hatten allerlei zu erzählen.

"Auf den Spuren der deutschen Orgelromantik" zog eine Wandergruppe durch das Sulzbacher Land. Anlass war der "Deutsche Orgeltag". Dekanatskantor Gerd Hennecke hatte dafür ein interessantes musikalisches Programm mit vier Orgeln aus zwei Werkstätten zusammengestellt, die über einen reizvollen Weg durch die herrliche Oberpfälzer Herbstlandschaft verbunden waren.

Ausgangspunkt war die evangelische Kirche St. Stephan in Edelsfeld. Nach dem Gottesdienst, den Hennecke an der spätromantischen Steinmeyerorgel von 1900 begleitete, stellte er den Wanderern das Instrument vor. In dem barocken Gehäuse steckt ein kleines Choralspielwerk mit einem Manual und 15 Registern, das keinen großen künstlerischen Anspruch erhebt. Ein Umbau in den 60er Jahren hat den Klang aus heutiger Sicht verschlechtert.

Mit drei Choralvorspielen präsentierte Hennecke den Klang des Instruments. Bei Max Regers hochromantischem "Nun danket alle Gott" zog der Kantor alle Register. Eine besondere Entdeckung: "In Dir ist Freude" von Klaus Wahler, weil der Komponist als Teilnehmer der Orgelwanderung anwesend war.

Auch die Orgel der katholischen Kirche St. Stephanus in Edelsfeld war der Gruppe einen Besuch wert. 1912 baute Johannes Strebel das spätromantische Instrument. Felix Mendelssohn-Bartholdys "Sonate Nr. 6" gab Hennecke Gelegenheit, die Schönheit und Ausgewogenheit der zwölf Register bei zwei Manualen vorzustellen.

In der Simultankirche

Anstrengend gestaltete sich dann der Aufstieg auf die 646 Meter hohe Zant, aber auf dem Gipfel konnten sich die Wanderer in der Brotzeithütte stärken. Bald war Eschenfelden erreicht. Pfarrer Konrad Schornbaum präsentierte den Wanderern die Simultankirche Corpus Christi. Das Gotteshaus wurde 2003 grundsaniert, berichtete er, dabei fand man im gotischen Chor ein Wandreliquiar aus dem mittelalterlichen Vorgängerbau. Die ursprüngliche gotische Kirche aus dem 14. Jahrhundert, wohl auf den Resten einer frühmittelalterlichen Burg gebaut, wurde 1862 bis auf den Chor abgerissen. 1866 hat man ein neues, wesentlich kleineres Kirchenschiff im neobarockem Stil errichtet.

Die Steinmeyer-Orgel mit einem Manual und zehn Registern von 1882 wurde vermutlich von Strebel intoniert. Bei Gabriel Rheinbergers "Sonate d-moll" nutzte Hennecke die romantischen Register voll aus. Die Zuhörer staunten darüber, dass die Musik, aber auch die deutlich hörbaren Spielgeräusche der mechanischen Lade unten im Kirchenschiff lauter zu hören waren als an der Orgel, die hoch oben auf der zweiten Empore untergebracht ist.

Nach einer Kaffeepause in Pruppach lief die Gruppe am Ossinger vorbei nach Königstein, wo Hennecke sie in die evangelisch-lutherische St.-Georgs-Kirche führte. Die Orgel mit ihren zwei Manualen und 15 Registern, 1905 von Strebel gebaut, ist ein sehr klangmächtiges Instrument, das bei Regers "Dankpsalm" von 1914 herrlich zur Geltung kam.

"Lobet den Herren"

Als sie "Lobet den Herren" hörten, überlief die Zuhörer eine Gänsehaut. Der Kontrast zu den leisen langsamen Zwischenspielen, den Hennecke einfühlsam gestaltete, machte das Werk besonders lebendig.

Beim Abendessen im Gasthaus zog Hennecke ein Fazit: "Das Simultaneum war bester Denkmalschützer, weil die Gemeinden sich häufig nicht auf Erneuerungen und deren Finanzierung einigen konnten. Deshalb können wir auch heute noch in den Dörfern im Sulzbacher Land kostbare Orgelschätze finden!"
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