Was hilft: Mehr Lehrer

Werner Schulz schaut genau hin, wenn es um Schulfragen geht. Die AZ hat ihn zur jüngsten BLLV-Umfrage interviewt. Bild: Steinbacher
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
17.03.2015
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Haben die Mittelschullehrer resigniert, weil ihre Schulart von der Politik nur noch als Stiefkind gesehen wird? Werner Schulz will diese Frage nicht bejahen. Aber ihm fallen sofort mehrere Gründe ein, die in der Praxis immer wieder für schlechte Stimmung sorgen.

Dabei sieht Schulz, der im Februar als Leiter der Mittel- und Grundschule Freudenberg sowie als Koordinator des Mittelschulverbundes Unteres Vilstal in den Ruhestand ging, manches grundsätzlich anders als Klaus Wenzel. Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), dessen Umfrage vergangene Woche viel Frustration unter Mittelschullehrern publik machte, ist laut Schulz "arg ideologisch festgelegt in Richtung Gesamtschule" und habe deshalb schon immer vielfältige Mängel der Hauptschulen beklagt. Manche Defizite müsse man aber auch bei unvoreingenommener Betrachtung eingestehen.

15 Minuten pro Woche

So etwa, dass man immer mehr Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in den Klassen habe und viel zu wenig Lehrer, die dafür ausgebildet seien. Schulz nimmt Freudenberg als Beispiel: Für acht bis zehn Kinder habe die Kollegin drei zusätzliche Stunden bekommen - "also pro Kind 15 Minuten in der Woche. Das ist nicht mal ein Tropfen auf den heißen Stein. Da müssten dringend mehr Leute her." Das gelte genauso für die mobilen Reserven. In Amberg-Sulzbach sei da zuletzt für den Fachbereich Technik niemand mehr zur Verfügung gestanden.

Keine Regelbeförderung

Zu wenig Aufstiegsmöglichkeiten ist ein weiterer Punkt. Das hat sich zwar laut Schulz in den letzten Jahren etwas verbessert. Wo früher Hauptschullehrer mit der Besoldungsgruppe A 12 ins Berufsleben starteten und damit auch in den Ruhestand gingen, wenn sie nicht auf Funktionsstellen kamen, gebe es jetzt immerhin die Möglichkeit einer Amtszulage von brutto rund 250 Euro und die Chance des Aufstiegs zum Studienrat. "Aber in anderen Schularten gibt es eine Regelbeförderung, die sich nur nach dem Dienstalter richtet."

Auch die Rektoren seien gegenüber ihren Kollegen in Realschule oder Gymnasium benachteiligt, sagt Schulz. Bei der Anzahl der Stunden für die Verwaltungskräfte an der Schule oder bei ihrer persönlichen Unterrichtsverpflichtung. Die liege höher als bei anderen Schularten. Schulz: "Ich musste zuletzt noch 13 Stunden Unterricht geben. Hätte ich nicht die Ermäßigung wegen meines Alters und der Leitung des Schulverbundes gehabt, wären es sogar 18 gewesen. Meine Nachfolgerin wird diese 18 Stunden leisten müssen." Die schwache Stellung des Mittelschul-Rektors bei dienstlichen Beurteilungen der Lehrer gefällt Schulz ebenfalls nicht. Wenn der Schulrat anderer Meinung sei, zähle zum Schluss dessen Einschätzung. Bei der Realschule dagegen mische sich keine übergeordnete Instanz mehr ein.

Ein Pluspunkt für die Mittelschulen sei dagegen ihr Zusammenschluss in Verbünden. Schulz gibt zu, da zuerst skeptisch gewesen zu sein. Doch handhabe man das jetzt vor Ort viel flexibler, als das Ministerium es ursprünglich beabsichtigt habe. "Ohne die Verbünde gäbe es in Freudenberg heute schon keine 7. und 8. Klasse mehr", vermutet der Neu-Pensionär. So aber seien diese auch mit 13 und 11 Schülern zu erhalten. Bei der Beurteilung der Mittelschule dürfe man ohnehin nicht verkennen, dass die kleinen Standorte eine "richtige Idylle" seien, wo noch ausgiebige Beziehungsarbeit zwischen Lehrern, Schülern und Eltern möglich sei.

Auch Schüler profitieren

Was die Situation an den Mittelschulen allgemein (neben der Zuteilung von mehr Förderlehrern) am effektivsten verbessern könnte, ist laut Schulz eindeutig: die Klassenstärken senken. "Dafür braucht man natürlich mehr Lehrer. Aber kleinere Klassen wirken sich auch vorteilhaft auf die Leistungen der Schüler aus."
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