Wasserkunst als Fortschritt

Bis 1950 war der Dorfbrunnen in Illschwang weit und breit die einzige Wasserstelle.
Lokales
Sulzbach-Rosenberg
27.09.2014
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Wasser ist Leben, und wo das Wasser knapp ist, da ist das Leben schwer. Davon konnten besonders die Bewohner der Hochalb, wo jegliches Wasser auf kürzestem Wege in Klüften und Gängen verschwindet, früher ein trauriges Lied singen.

Die naturgegebene Wasserarmut zwang die Altvorderen dieses Gebietes dazu, das Frischwasser für mühsam aus den Tälern heraufzuschleppen. Aber Not macht bekanntlich erfinderisch. Um zumindest Nutzwasser zu gewinnen, errichteten die Bauern im Birgland und ähnlichen hoch gelegenen Gebieten auf ihren Höfen als erstes Zisternen. Das waren kleine unterirdische Gruben, sorgfältig ausgemauert und mit einem winzigen Dach versehen.

In diese Gruben leiteten sie durch Holz- oder Blechröhren das Niederschlagswasser von den Dächern hinein. Obwohl es sich zweifellos um wertvolle Kultur- und Naturdenkmäler handelt, sind die Zisternen inzwischen zum größten Teil verschwunden. Ausgedient hatten sie schon um die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Zum Glück gibt es in der Albüberdeckung aber nicht nur Felsen und Klüfte, sondern auch Lehm. Wo solche Lehm-Inseln das Wasser hielten, bildeten sich kleine Wasserbecken oder wurden von den Menschen künstlich angelegt und vergrößert. Der Begriff Hüllen für diese Mini-Weiher ist noch heute gebräuchlich, so wie man auch nach wie vor in fast jedem Dorf einen Weiher findet. In geeigneten Wohnlagen legten die Bauern auch vielfach selbst Brunnen an, in manchen Dörfern hatte jeder Hof einen. In Illschwang ist ein dem Original nachgebildeter Brunnen auf dem Dorfplatz zu bewundern.

In der Gruppe

Den entscheidenden Schritt gingen die Bewohner der Orte auf und gleichzeitig unter den Albhochflächen um 1950. Sie wagten eine große Lösung, nämlich eine Gruppenversorgung mit Trinkwasser aus dem Karstgrund. Die Birgländer fanden dieses kostbare Nass, als sie in den Trockentälern Bohrungen durchführten und in ca. hundert Metern fündig wurden. Das Wasser nach oben pumpen, in Hochbehälter und von dort über Wasserleitungen zu den einzelnen Anwesen fuhren - das war der Weg, der all die mühsam errichteten Brunnen und die Nutzung der Weiher überflüssig machte.

Wer aufmerksam durch das Sulzbacher Land streift, der stößt vielerorts auf die damals errichteten technischen Anlagen, die Pumpenhäuser und die Hochbehälter. Fritz Metz nennt in seinem zeitlosen Heimat- und Wanderbuch Beispiele in Hülle und Fülle, von Illschwang über Schwend, Poppberg, Fürnried , Frechetsfeld, Sunzendorf und Bachetsfeld bis nach Haunritz und Högen.

Die Sulzbacher brauchten sich in diesen Fragen keine Sorgen zu machen. Sie verfügten über reichhaltige Zuflüsse wie die Bochbeck- und die Fürstenquelle. Auch die zahlreichen Brunnen scheinen Zeugnis davon abzulegen, dass Wasserarmut hier allezeit ein Fremdwort war. Aber trifft das wirklich zu? Kann ja wohl nicht sein, denn eigentlich herrschen hier die gleichen Bedingungen wie im Umland: Das Wasser fließt drunten im Tal, die Menschen, in diesem Fall die meisten Stadtbewohner, sitzen hoch droben auf dem Trockenen.

Ursprünglich packten die Sulzbacher das Problem mit Tiefbrunnen an. Die konnten 1755 abgedeckt werden, weil danach eine "Fürstliche Wasserkunst" in Betrieb ging, die das lebenswichtige Element aus dem Bachtal nach oben beförderte. Neptun-, Delphin- und Löwenbrunnen sind Relikte aus dieser Zeit.

Mangel nimmt zu

Die gesamte Anlage war jedoch mit sehr einfachen technischen Mitteln konstruiert worden und Mitte des 19. Jahrhunderts weitgehend verschlissen. Als Folge trat in der oberen Stadt nun doch auf, was große Teile der Landbevölkerung nur zu gut kannten: zunehmender Wassermangel.
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